Das Experiment ist gelungen. Ich habe jetzt innerhalb von 8 Monaten einen Ultratrail mit 160 km und einen Marathon mit 42,195 km – beides in einer sehr guten Zeit absolviert und kann für mich die Frage: “Was ist anspruchsvoller?”

Ultratrailrunner auf Abwegen oder auf der Suche nach einer Vergleichbarkeit

„Was machst du hier? Ich hätte ja jeden hier erwartet, aber nicht dich“. So oder so ähnlich waren die Kommentare der Leute, die ich am vergangenen Wochenende beim Hamburg Marathon getroffen habe.
Anscheinend werde ich als „eingefleischter“ Trailrunner wahrgenommen, der einen Straßenlauf meidet wie der Vampir das Tageslicht und eigentlich stimmt das auch fast. Aber nur fast.
Was also bewegte mich dazu, einen Marathon zu laufen? Auf der Straße? In Straßenlaufschuhen? Die Antwort ist einfach. „Ich wollte es wissen“, was? Dass ich es kann? Nein, dass ich schnell kann. Ausschlaggebend war die Grüntenstafette, wo ich als Schlussläufer die 5 km Straße mit sogar minus 120 Hm in einer…und dann auch noch….ach egal, ich war nicht zufrieden mit meiner Leistung.  
Kurz danach war in mir die Idee geboren, doch mal wieder was an meinem Tempo zu tun und das mit einem Ziel. Schnell kam ich auf den Hamburg Marathon, denn 1. eine tolle Stadt, 2. gute Erinnerung an den Lauf vor 8 Jahren, 3. der Termin.

Das Training
Ganz ohne Plan geht es wohl nicht, also nahm ich mir den Plan von Peter Greif aus dem Internet und holte mir  Tipps und Infos von Coach Till. Beides zusammen ergab einen Trainingsplan für den Marathon unter drei Stunden, also im Schnitt 4:14 min/km.

Der Unterschied zum bisherigen Training für meine Ultratrails wurde mir schnell schmerzlich klar. 1. Es geht um Geschwindigkeit, 2. diese zu halten und nicht mal zwischendurch langsamer zu werden, 3. Tempo bis zum “Kotzen”, 4. Die Einheiten waren nicht so lang wie sonst, denn zeitlich war ich selbst bei den längsten Läufen nicht über 3 h unterwegs.
Wie es mir bei dem Training ging? Die Tempointervalle mochte ich, die Tempodauerläufe waren ok, die langen langsamen Läufe waren auch ok (bis auf die Monotonie der Strecke), die Endbeschleunigung nach Greif, wo man am Ende des langen Laufes nochmal Gas geben muss, waren ätzend und ich habe geflucht. Durchgezogen habe ich den Plan trotzdem zu 90 – 95%.

Der Marathon
Es war eine Punktlandung – das schon mal vorweg. Der Trainingsplan war auf 4:14 min/km ausgelegt und ins Ziel kam ich mit 2:59:08, also genau nach Plan. Der Lauf lief, wie es wahrscheinlich normal ist. Anfangs supi, Mitte gut, dann einen Hänger und sich selbst in den A. getreten, um ins Ziel zu kommen. Und ja – es war Stress. Jeden km die Zeit kontrolliert und immer wieder das Tempo anpassen, bloß nicht langsamer werden. Ich lief das erste Mal in meinem Läuferleben gegen die Uhr.

Und danach?
Im Vergleich zum Ultratrail-Wettkampf? Die Beine waren genauso zerstört, die Füße waren vollkommen ok, die Müdigkeit nicht ganz so groß. Die Regeneration dauert noch an, also ähnlich lange.

Der Vergleich
Wer mich kennt, weiß, dass ich schon einige Ultratrails gelaufen bin. Ein paar davon auch mit einer für den Lauf guten Zeit. Was mich dann doch erstaunt, ist mein Umfeld. Die Resonanz auf meinen Finish beim Persenk Ultra über 160 km mit über 7000 Höhenmeter am Stück war nur halb so groß. Es geht mir jetzt nicht um Aufmerksamkeit, es hat mich aber zum Nachdenken gebracht. Meine Idee dazu ist, es ist die Vergleichbarkeit der Leistung, die man beim Marathon eher hat als bei einem Ultratrail oder vielleicht ist auch nur die für viele unerwartete Leistung? Egal warum, Danke!

Fazit
Das Experiment ist gelungen. Ich habe jetzt innerhalb von 8 Monaten einen Ultratrail mit 160 km und einen Marathon mit 42,195 km – beides in einer sehr guten Zeit absolviert und kann für mich die Frage: “Was ist anspruchsvoller?” nicht abschließend beantworten. Diese langen Ultratrails sind mental und körperlich wesentlich anspruchsvoller. Dafür war beim Marathon, in diesem Tempobereich, für mich das Training und das Tempo halten anspruchsvoller und vor allem war es stressiger. Bei beiden Läufen trifft man nette und nicht so nette Läufer.  

Ich bin stolz, dass ich es gemacht und es geklappt hat.

Jetzt will ich aber wieder auf meine Trails und bezeichne mich selber als Läufer, der da läuft, wo es ihm Spaß macht.

2019-05-04T13:51:17+02:0004.05.19|0 Comments

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