Zypern, die geteilte Insel am östlichen Ende der EU, ist als Reiseland in Deutschland noch eher weniger bekannt. Noch mehr in den Kinderschuhen steckt hier das Trailrunning. Erst bei meinem fünften Besuch dieser Insel sollte ich fündig werden und einen wunderbaren Tag auf den Traumpfaden dieser sonnigen Insel erleben.

Bryan1Bei Zypern denken viele an Finanzkrise und an geteilte Insel. Fakt ist, die Teilung gibt es immer noch und wenn man sich mit den Einheimischen unterhält, wird es auch noch viele Jahre andauern, aber von der Finanzkrise konnten wir nichts spüren. Im Gegenteil. Jedes mal, wenn wir auf der Insel sind (1997 das erste mal) haben wir die Weiterentwicklung dieser Insel gespürt, vorallem seit unserem letzten Urlaub 2009.

Was zieht einen nach Zypern? Gerade im Frühjahr ist es das Klima. Wenn einem bei uns im April die Sonne mit Regen, Wind und Schnee abwechselnd zu Stimmungsschwankungen bringt, hat man zu dieser Jahreszeit schon eine blühende Sommerinsel mit Strandwetter.

Während es im Sommer nicht selten über 45 Grad warm wird, sind es im April für uns sommerliche Temperaturen. Der Flug dauert von den großen deutschen Flughäfen ca. 4 Stunden. Billigflieger sucht man allerdings vergeblich. Neben den normalen Hotelbuchungen in den Touristencentren gibt es eine super Alternative, über  “Agrotourism” Ferienwohnungen oder Zimmer in wunderschön restaurierten oder alten tradtionellen Häusern zu buchen. Eine super Sache, die unter anderem auch dazu dient, die alten Dörfer vor dem “Aussterben” zu bewahren.

Da Englisch eine der Verkehrssprachen ist, kann man sich überall problemlos verständigen, alle Schilder sind zweisprachig und die Speisekarten gibt es immer mindestens auf Englisch. Das einzige, was einem schwer fallen kann, ist der Linksverkehr. Wenn man sich an diesen gewöhnt hat, empfindet man das Autofahren wesentlich entspannter als in anderen südlichen Ländern.

Drei wesentliche positive Trends sind zu verzeichnen. Erstens, es wird immer mehr auf die Umwelt geachtet. Zweitens es gibt immer mehr Wanderwege und sogar die ersten ausgeschilderten Radtouren und drittens es gibt jetzt auch Trailrunning.

Ja genau. Bei unserem letzten Aufenthalt 2009 verlief meine Suche im Netz noch erfolglos. Dieses mal wurde ich fündig und kam schnell mit Bryan von “Cyprus Trailrunners” in Kontakt und prompt arrangierte er einen Lauf für den Samstag in unserem Urlaub.

Bryan3Dank moderner Kommunikationsmittel stellte Bryan mir den Kontakt zu Peter her, der sich mit mir in einem Dorf nur ca. 30 Autominuten von unserer Unterkunft treffen wollte. Da wir schon um 7:30 Uhr loslaufen wollten, entfiel das Ausschlafen, aber ich konnte sowie so vor lauter Aufregung nicht schlafen. Der Treffpunkt war zum Glück einfach zu finden und so stand ich bereits um 7 Uhr auf dem Parkplatz am Rande des schönen Bergdorfes Vasa. Peter kam ebenfalls pünktlich und nach einer kurzen Vorstellung war mir klar, das ist kein gebürtiger Zypriote. Kurz danach gesellten sich auch Bryan und Chris zu uns.

Peter stammt ursprünglich aus Australien und ihn hat die Liebe nach Zypern geführt. Zusammen mit seiner Familie lebt er unweit der Hauptstadt Lefkosia (engl. Nicosia) im griechischen Teil der Insel.

Bryan ist ebenfalls keine Zypriote, er stammt aus Südafrika und ist durch seinen Job als Reporter nach Zypern gekommen. Die Einheimischen entdecken zwar immer mehr das Laufen, aber bisher nur wenige das Trailrunning, für sich als Sport.

Holger3Die Rucksäcke wurden gepackt und Peter empfahl, die Kamera mitzunehmen, da es einige schöne Ausblicke geben würde. Er hatte eine neue Strecke zusammengestellt, die er selbst erst einmal gelaufen war. Los ging es direkt mit einem Downhill hinunter an das Flussbett und dann ging es durch die Büsche auf zugewachsenen Trails. Bryan erklärte, dass das eines der Probleme sei, mit denen die Trailläufer auf Zypern zu kämpfen hätten. Sind es keine offiziellen Wanderwege, werden die Wege nur wenig benutzt und wachsen schnell zu, aber da müsse man halt durch. Das nächste Problem wäre die Streckenplanung. Es gibt zwar Karten, aber diese verzeichnen längst nicht alle Wege, so müsse man oft improvisieren oder zurück laufen. Solange man nichts zertrampelt, wäre es aber kein Problem, über Felder und Privatgrund zu laufen. Trailrunning bedeutet hier, auch Kompromisse eingehen. Da es nicht so ein gutes Wegenetz wie in Deutschland gibt, muss man auch zeitweise schon mal etwas an der Straße langlaufen, um zum nächsten Pfad zu gelangen. Aber selbst das macht Spaß, da man immer wieder herrliche Ausblicke hat.

Nach dem Flussbett ging es steil einen Weinberg (Commandaria-Region – Commaderia ist eine berühmte zypriotische Weinspezialität) hinauf, nur um diesen direkt wieder hinunter zu laufen. Was mir sichtlich Spaß machte, denn unten angekommen, lachte Bryan und sagt nur “crazy german downhill-runner”.

Kurz danach ging es durch meterhohes Gras und durch die Mauerreste eines verlassenen, verfallenen Dorfes. Nach einigen Holger8Metern zuckte Peter zusammen und wies uns darauf hin, dass da gerade eine Schlange weggekrochen war. Es gibt zwar wenige Schlangen auf Zypern, aber es sind auch giftige darunter. Bryan sagte, dass er noch nie einer begegnet sei, nur wenn er mit Peter unterwegs wäre. Liegt vielleicht daran, dass es in Peters Heimatland überlebenswichtig ist, Schlangen zu entdecken.

Im folgenden Trailabschnitt ließ das Gelände kaum Laufen zu und erst als wir wieder auf einem Feldweg ankamen, konnten wir das Tempo wieder aufnehmen. Man sollte hier wohl mehr Zeit einplanen als sonst.

Die Temperaturen waren zum Glück nicht zu warm, obwohl ich schon sehr schwitzte, war es für die anderen wohl eher kühl, denn sie liefen langärmlich und Bryan sogar mit leichten Handschuhen.

Holger11Trotzdem steuerten wir mehrere Wasserstellen an, um uns zu versorgen. Das Wasser, was aus den natürlichen Quellen kommt, kann man problemlos trinken. Ich hatte keinerlei Probleme. Um Arsos herum gibt es mehrere Quellen, aber nicht alle spenden immer Wasser.

Mal wieder wird mir deutlich, dass Trailrunning hier noch mehr Abenteuer ist als bei uns. Nicht nur die Versorgung muss man vorher gut planen , auch das Navigieren ohne Wegweiser und detaillierter Karte muss man können. An einigen Stellen sagte Peter lediglich, dass wir in diese Richtung müssten und wir mal schauen müssten, wie wir da am besten hinkommen. Nur gut, dass wir alle soweit trainiert sind, dass eine Verlängerung an Strecke und Höhenmeter nicht so das große Problem darstellte.

Die Natur ist hier vielfältig. Sobald irgendwo Wasser fließt, blüht und grünt es. Von jedem Hügel hat man einen anderen Holger10schönen Blick.

Die Trails sind sehr steinig und hart und fordern so die volle Konzentration. Während des Laufes wollten wir natürlich vieles voneinander wissen. Gerade für Bryan war es interessant, wie wir das mit den Veranstaltungen für Trampelpfadlauf.de und mit den Touren von Trailrunning-Eifel so organisieren, denn seit 2009 betreibt er die Plattform www.cyprustrailrunners.com. Hierüber werden offizielle Läufe und Laufwochenenden angeboten. Im Mai fand auch der “Two Castles Run” statt, für den es sogar UTMB-Punkte gibt, man arbeitet jetzt daran, einen Lauf auf die Beine zu stellen, für den es sogar drei UTMB-Punkte geben soll. Während wir die Auswahl zwischen hunderten von Veranstaltungen haben, um Erfahrungen und UTMB-Punkte sammeln zu können, müssen zypriotische Trailläufer für jeden Lauf ins Ausland fliegen. So sammelt man seine Ultraerfahrung auf Zypern meist alleine mit sich und der Natur.

Holger14Bryan erzählte mir von seinen Plänen und Ideen. Wahnsinn, der Typ ist 62 Jahre, läuft wie ein junger Hüpfer und arbeitet daran, Trailrunning in Zypern aufzubauen. Was für eine Energi, dachte ich. Er hat die “Mountain Madness‘ series” in Leben gerufen. In fünf Rennen, die über das Jahr verteilt stattfinden, sammelt man Punkte und der Gesamtsieger bekommt einen Preis. Einen Trailrunning-Schuh. Klingt nach wenig? Ist es aber nicht, denn auf meine Frage, woher man Ausrüstung und Schuhe bekäme, erzählte mir Peter, dass er die meisten Sachen übers Internet und mit höheren Versandkosten bestellen muss. Es gäbe nur ein gutes Geschäft, was aber eine begrenzte Auswahl hätte. Das Luxusproblem von uns, welchen Schuh man anziehen würde, stellte man sich hier nicht. Die Schuhe werden hier bis zum vollständigen Verfall gelaufen.

Nach 4,5 Stunden Laufen hatte ich schwere Beine und einen Kopf voller neuer Eindrücke, dafür war ich meinen neuen zypriotischen Trailrunning-Freunden sehr dankbar. Eine Einladung zum Barbecue folgte.

Diese ganze Insel scheint endlich zum Outdoorsport gefunden zu haben. Es gibt immer mehr Wanderwege, dieHolger6 ausgeschildert sind, und ein kleines Team von Enthusiasten, dass Trailrunning aus Spaß und mit Herzblut betreibt und voranbringen will. Das kann nur gelingen. Bryan hat mich gebeten, ich möchte doch jedem Trailrunner sagen, dass er herzlich Willkommen ist auf Zypern und sich bei ihm melden soll, wenn er die Insel besucht.

Wer Trailrunning in seiner ursprünglichsten Form erleben möchte, ist hier genau richtig.

Zypern bietet alles, was man braucht um einen perfekten Urlaub zu erleben. Ist es bei uns noch kalt, ist es dort schon schön warm. Man kann am Vormittag die Trails genießen und am Nachmittag in der Sonne am Stand liegen. Im zypriotischen Frühling finden wir unseren Sommer und an jeder Ecke duftet es anders. Mal nach Orangen oder Zitronen, mal nach anderen blühenden Sträuchern und Büschen, deren Namen wir nicht kennen.

Unbedingt lobHolger5enswert zu erwähnen ist die sehr gute zypriotische Küche, die keine Wünsche offen lässt. Der Linksverkehr ist kein Problem, das Straßennetz ist super. Die Verständigung in Englisch ist auch in den Dörfern kein Problem. Die Bevölkerung ist freundlich und zuvorkommend, allerdings schütteln so manche mit dem Kopf, wenn sie Läufer oder Wanderer sehen. Der klassische Zypriote geht wenig zu Fuß.

Bei Touren im Gebirge sollte man immer auf Wetterumschwünge eingestellt sein. Uns ist es schon oft passiert, dass es im Troodosgebirge kalt und nass war und zur selben Zeit am Stand heiß und trocken.