Swiss Snow Walk & Run 2016

Swiss Snow Walw & Run 2016Swiss Snow Walk & Run in Arosa am 07.01.2016
von Sebastian Dämming

Die Vorfreude auf den ersten Wettkampf im neuen Jahr und vor allem fürs Team Trampelpfadlauf war groß. Also geh ich morgens aus dem Haus und möchte das Auto starten. Ich drücke, der modernen Technik sei Dank, den Startknopf zum Anlassen, das Auto glüht vor und glüht vor und was folgt, ist … nichts. Erneut drücke ich den Startknopf, wieder kurzes Aufleuchten der Dieselvorglühung und ein kurzes Anlaufen des Motors und dann … wieder nichts. Ernüchterung macht sich breit, die Temperaturanzeige steht bei gut 20 Grad unter Null. Die Einsicht, der Diesel ist eingefroren. Der Tag beginnt somit leicht hektisch. Im Hinterkopf die Gewissheit, der in den vergangenen Tagen gefallene Neuschnee bis in die tiefen Lagen der Ostschweiz bedarf viel Zweckoptimismus hinsichtlich der Auffahrt bis auf gut 1700 Meter nach Arosa. Sei’s drum, jetzt gilt es, wollen wir doch noch pünktlich vor Ort sein. Sachen, Kind und so weiter schnell umladen, ins Nicht-Allradfahrzeug und zügig Abfahrt ins Winterwunderland.

Swiss Snow Walw & Run 2016Nach einer, sagen wir, spannenden Auffahrt habe ich noch rechtzeitig die Startunterlagen im Kurzentrum/Eisstadion abgeholt. Die Abholung verlief unkompliziert und war somit schnell erledigt. Danach geht es in den in unmittelbarer Nähe befindlichen Startbereich. Dieser liegt direkt am und auf dem zugefrorenen Obersee, inmitten Arosas. Die Stimmung ist trotz der sehr kalten Temperaturen um die -15 Grad durchwegs positiv. Das zur Verfügung stehende große warme Zelt, welches gleichzeitig noch Expo ist, wird super angenommen und tut bei der Kälte gut.  Die verschiedenen Strecken starten zu unterschiedlichen Zeiten, was den ganzen Ablauf deutlich entspannt. Sind doch auf den einzelnen Distanzen jeweils einige Hundert Läufer oder Nordic Walker am Start. Für mich sollte es um 10:40 Uhr auf die um ca. 1,5 km gekürzte Halbmarathondistanz gehen. Somit hieß es noch kurz wortwörtlich aufwärmen. Wer wollte, konnte auch das Aufwärmprogramm mit der Bachelorette mitmachen. Die unzähligen Winterwanderwege in und um Arosa, auf denen die Wettbewerbe durchgeführt werden, mussten aufgrund des Neuschnees fast komplett frisch präpariert werden.

Die Spannung stieg, da kurz vor mir die Starter des Weißhornsnowtrail gestartet sind, 15,6 km mit ca. 900 Hm Höhendifferenz hinauf zum Weißhorn oberhalb von Arosa, galt es für diese Läufer zu bewältigen. Der erste Start ist erfolgt und sogleich stellen sich alle Läufer des Halbmarathons im Start- und Zielbereich auf.

Swiss Snow Walw & Run 2016Der Sprecher zählt runter und schon geht sie los, die wilde Hatz. Ohne großes Drängeln und Schubsen geht es erst eine Runde auf dem tiefen Geläuf des Obersees herum und dann über eben diese unzähligen Winterwanderwege hinauf bis zur Carmenahütte auf gut 2100 Meter. Relativ schnell muss ich mich bis zur Abzweigung der Mittelstation der Weißhornbahn durch das Feld der vor uns Gestarteten manövrieren. Das ist teilweise gar nicht so einfach, haben doch einige das Reglement vielleicht gelesen, aber nicht verstanden. Somit muss ich immer wieder feststellen, dass der Schnee am Rand beziehungsweise neben der Strecke sehr tief ist. Oftmals reicht zwar der kurze Anruf, dann machen die nebeneinander laufenden Grüppchen größtenteils Platz, klappt aber leider nicht immer. Wie auch immer, irgendwann hat man(n) die Abzweigung passiert und ab da ist es bis zur Rückkehr an die Tschuggenhütte recht ruhig. Hin und wieder passiert man eine Piste, welche immer mit Helfern gut gesichert ist, oder trifft ein paar Wanderer. So hat man doch deutlich mehr Zeit, die umliegende phantastische Winterbergwelt zu genießen.

Die Gedanken schweifen ab, liegt Arosa doch auf einem Hochplateau umgeben von einer Vielzahl an Gipfeln, die ich schon beim allerersten Arosa Trailrun bewundern durfte. Im Winter ist das mindestens genauso schön, denke ich mir. In Bewunderung der faszinierenden Landschaft ist die Konzentration einmal kurz nicht auf der Strecke, sogleich erwische ich ein Schneeloch und knicke um. Autsch, Augen zu und weiterlaufen, klappt leider erstmal nur bedingt. Geht aber nach ca. 1 km wieder.

Swiss Snow Walw & Run 2016Nach dem Erreichen des höchstens Punktes, es ging eigentlich stetig terrassenartig bis hinauf zur Carmenahütte, geht es hinunter bis nach Innerarosa, bevor noch einmal kurz die Tschuggenhütte passiert werden muss. An der Mittelstation der Weißhornbahn geht es diesmal direkt vorbei und hinunter in Richtung Maran. Diverse Schleifen, Gegenanstiege und einen schönen Downhill später kommt man nach diesen „nur“ 19,9 km und ca. 600 Hm direkt im Ziel am Obersee an. Meine gelaufene Zeit von knapp 1 h und 43 min macht den 8. Platz der Gesamtwertung aus und war somit bei gut 190 Läufern ein ordentliches Ergebnis, wie ich finde.

Für mich war es der erste Halbmarathon auf meist tiefem, aber durchweg schneebedeckter oder vereister „Piste“. In Summe hat es trotz der sehr tiefen Temperaturen viel Spaß gemacht. Vor dem Start habe ich noch lange überlegt, was ich da oben auf fast durchgängig 2000 Meter Seehöhe anziehe. Hatte ich doch kurz nach Weihnachten noch ein wortwörtlich einschneidendes Erlebnis, nachts in Sölden auf der Schwarzen Schneid (3350m). 😉

Fazit
Stellt euch den idealen Winterurlaubsort vor, also wo man quasi alles Erdenkliche machen kann: Skifahren, Langlaufen, Winterwandern, Schneeschuhwandern, Eislaufen, Rodeln und was weiß ich noch alles. In Arosa gibt es das, dazu noch in einem wunderschönen Wintersportort umgeben von unzähligen Bergen. Hier findet also so ein nahezu perfekt organisierter Event mit Strecken für jeden Anspruch statt. Da sollte man mal hin.

Swiss Snow Walw & Run 2016

2017-03-24T07:27:16+00:00