Supertrail XL (2016) – Hinten kackt die Ente….

Mit 13:37 hatten wir die Strecke mit genau 6km/h absolviert und somit sogar eine schnellere zweite Hälfte hingelegt! Ich bin einfach total stolz, dass das “Unternehmen Supertrail XL”  so gut geklappt hat! Es hat einfach alles gepasst, ich hatte keine Schmerzen, das Leiden hielt sich in erträglichen Maßen und Timo und ich haben das Ding einfach mal gerockt! Merci für die Begleitung und die tollen Fotos- es war mir ein Fest und schreit nach Wiederholung! Gewinnen tun vielleicht andere, aber für mich “Utraschnecke” war das echt eine super Sache! Gut möglich, dass das meine Distanz wird…

Supertrail XL (2016)

Supertrail XL (2016) – Hinten kackt die Ente….

von Lena Schindler
Supertrail XL (2016) – Hinten kackt die Ente – Beflügelt vom 65er in Innsbruck Ende April, der mir leicht fiel (ja…war auch langsam), meldete ich mich beim ZUT für den Supertrail XL an. Dieser umfasst 81,4km und 4131hm laut Ausschreibung und stellte somit rein von den Fakten her eine Herausforderung dar. So weit war ich bisher noch nie gelaufen.

Da keine meiner Mädels diese Distanz mit mir laufen wollte, freute ich mich trotzdem auf das Rennen und nahm mir vor, mal genau “mein Tempo” zu laufen…nach Studium der Route und ein bisschen Hin- und Herüberlegen, plante ich die 6km/h als Laufgeschwindigkeit anzupeilen, um möglichst vor 22.00 Uhr ins Ziel zu laufen. Wenn alles glatt laufen würde, wäre auch 21.00 Uhr machbar. Lustigerweise hatte Timo, den ich von diversen anderen Events und Social Media kannte, genau den gleichen Plan und so verabredeten wir, gemeinsam zu starten und dann zu sehen, wie es läuft.

Und so standen wir dann am Samstag um 08.00 Uhr in Ehrwald am Start und wurden mit den anderen Läufern auf die Reise geschickt. Unsere Strecke war im Groben in drei große Berge und ein längeres, etwas gewelltes Stück eingeteilt.

Bereits der erste Anstieg hatte es mit 1200 hm in sich und ich war schon darauf bedacht, ein für mich zügiges, aber nicht zu schnelles Tempo zu wählen. Zu weit war die noch vor uns liegende Strecke. Kurz genervt hat mich das Stück Skipisten-Uphill, aber auch das ging vorbei…So kamen wir am Schild “höchster Punkt der Strecke” vorbei und nach einem kleinen Gegenanstieg ging es in den ersten Downhill. Für mich als Wintersportler enthielt er mit einer Schneefeld-Querung ein kleines Schmankerl und ich legte eine mehr oder weniger gekonnte Abfahrt hin- Skistöcke hatte ich ja sowieso dabei!

Supertrail XL (2016) Supertrail XL (2016) Supertrail XL (2016) Supertrail XL (2016) Supertrail XL (2016)

Die zweite Verpflegungsstaion sehnte ich schon etwas herbei, der Abstand zur vorherigen war relativ lang und so galt es, die Speicher wieder aufzufüllen. Vorher mussten wir aber noch eine extrem matschige Kuhwiese durchqueren und ich machte mir lieber keine genaueren Gedanken über deren Zusammensetzung…

Nun kam der nächste Uphill, der uns auf das Scharnitzjoch führen sollte. Leider fing es hier an zu regnen und wurde auch recht kühl, so dass wir uns dazu entschieden, die Regenjacken anzuziehen. An einer Alm lockte die Werbetafel mit Apfelstrudel und ich war geneigt abzubiegen. Zum Glück war Timo schon vorausmarschiert und ich hatte keine Chance…

Unsere “Wir-finishen-im-Hellen”-Allianz klappte bisher wunderbar. Timo hätte meiner Meinung nach in den Uphills bestimmt schneller laufen können, aber er betonte, dass die Geschwindigkeit genau passend sei. Also gings locker-flockig weiter im Duo. Angespornt vom Gedanken an den nächsten Downhill und gestärkt durch Gummibärchen kamen wir oben am Joch an und stürzen uns in die doch schon etwas rutschige “Schlammbahn”. Hier kamen wir auch an einer Läuferin vorbei, die offensichtlich gestürzt war und mit ihrem Partner nur noch sehr langsam hinunter ging. Heute waren generell eher weniger Leute mit sauberen Hosen unterwegs, fast jeder fiel irgendwann mal hin und rutschte aus. Wir hatten Glück und alle “Absetzter” blieben ohne Folgen. Der Regen hielt zum Glück nicht lange und so konnten wir die Jacken auch wieder wegpacken. Wir kamen unversehrt und halbwegs trocken unten beim VP 5 an und hatten aber leider noch keine 6km/h auf der Uhr…

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Noch guter Dinge und mit frischen Beinen machten wir uns auf, ein fast 10 km langes Flachstück in Angriff zu nehmen. Hier konnten wir gut Tempo machen und so hatten wir bei 6,5 Stunden genau 39 Kilometer auf der Uhr. Damit waren wir nun voll im Plan und wir waren weiterhin guter Dinge, ohne Stirnlampen den Zielbogen zu durchqueren. Eines meiner Highlight war die VP 6 am Schützenhaus in Mittenwald- hier gab es Muffins und ein halber musste für mich dran glauben…

Von hier aus ging es weiter in Richtung Ferchensee über einen tollen Waldweg, der uns im lockeren auf und ab voran brachte. Die Verpflegung am Ferchensee war nicht weit entfernt, jedoch war es mittlerweile recht warm geworden und wir füllten die Flaschen wieder voll, bevor wir weiterliefen. Auch hier sammelten wir wieder ein paar Super XL-Starter ein. Mit unserer “Hinten-kackt-die-Ente”-Taktik fuhren wir ganz gut, bisher wurden wir- außer von Ultratrailern – noch nicht überholt, sondern konnten Platz um Platz gutmachen. Das motivierte und so nahmen wir das coupierte Stück vor dem letzten großen Anstieg in Angriff. Hier gab es eine Änderung der Strecke zum Vorjahr und mir gefällt der neue Teil sehr viel besser, da man nicht mehr die scheinbar endlose Forststraße entlang läuft, sondern durch einen schönen Wald an Schloss Ellmau vorbei und dann zurück zu alten Route. Der Downhill hinunter war ein Spaß- hier konnten wir es richtig laufen lassen und passierten das “20 to go” Schild voller Freude. Nicht mal mehr ein Halbmarathon zu laufen und noch ca 1000 hm zu machen. Es war jetzt ungefähr 17.50 Uhr und wir waren gut in der Zeit. So griffen wir die letzten Höhenmeter zur Partnachalm (VP) an, um die Kräfte für den Marsch auf die Alpspitz-Bergstation zu mobilisieren. Hier trafen wir auch auf Andre, der beim Supertrail unterwegs war und uns noch ein kleines Stück im bergauf begleitete.

Bis zur Station Längenfelder konnte ich noch ganz gut marschieren, die matschige Strecke war wirklich anstrengend, aber der Wille an ein baldiges Finish trieb mich Timo hinterher, der hier die Pace machte.  So langsam, wie ich mir nun vorkam, waren wir aber scheinbar gar nicht, denn auch hier konnten wir noch etliche Mitstreiter auf unserer Distanz einholen. Supertrailer waren mittlerweile viele auf der Strecke, aber es kam nie zu Stau und man konnte immer gut überholen. An der VP der Talstaion hielten wir uns gar nicht lange auf, sondern füllten nur unsere Flaschen und nahmen ein bisschen Proviant mit. Im Bergauf mussten wir sowieso gehen. Hier sagte unsere GPS-Uhr das noch ca 150 hm übrig seien, diese zogen sich allerdings schier endlos in die Länge (stimmte leider nicht überein!) und ich war so froh, dass wir uns anfangs nicht mit zu hoher Geschwindigkeit abgeschossen hatten. Es war so hart genug, aber ich will mir nicht vorstellen, wie man hier leidet, wenn die Luft raus ist. Respekt an alle, die sich dann da trotzdem noch raufkämpfen. Wir ließen das “10 to go”-Schild hinter uns. Erlöst an der Bergstation ging es endlich hinunter, nur kurz unterbrochen von einem Mini-Gegenanstieg. Wir konnten noch einen echt guten Downhill hinlegen und kamen gut vorwärts, obwohl der Weg nass und rutschig war. Der Plan war, nun an der VP kurz Cola tanken und dann ab ins Tal. Essen konnte ich nun auch fast nichts mehr, mein Magen war vor lauter Cola-Gummibärchen schon ganz verklebt und der Himbeertee tat sein Übriges…

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Um kurz nach 21.00 Uhr verließen wir die letzte VP und hatten noch 6 km (4 bergab und 2 ins Dorf) vor uns. Es würde also knapp werden mit dem Daylight-finish. Wir nahmen die Beine in die Hand und rannten, was das Zeug hielt. Ich konnte mich hier fürs Pace-Machen am Berg mit “Strecke-Freimachen” revanchieren und eilte voraus. Zum Glück ließen uns alle überholen und manche schauten uns etwas verwundert an, da die meisten hier schon recht zaghaft unterwegs waren. Aber wir hatten doch keine Zeit und die Beine noch Kraft. Also weiter mit Gehoppel und so kamen wir gerade so durch. Leider startete nochmal der Regen, Stehenbleiben und Jacken anziehen war jedoch keine Option- das Ziel rief und wir liefen. Mehrmals wunderte ich mich über mich selbst, dass ich noch dazu in der Lage war. Wir verließen den dunkel gewordenen Wald in den helleren Ort verließen. Ab hier waren es noch 2 km und alle Trails absolviert. Da keiner direkt vor uns lief, kündigte uns der Moderator um kurz nach halb 10 an und wir konnten unseren Zieleinlauf vollends genießen.

Mit 13:37 hatten wir die Strecke mit genau 6km/h absolviert und somit sogar eine schnellere zweite Hälfte hingelegt! Ich bin einfach total stolz, dass das “Unternehmen Supertrail XL”  so gut geklappt hat! Es hat einfach alles gepasst, ich hatte keine Schmerzen, das Leiden hielt sich in erträglichen Maßen und Timo und ich haben das Ding einfach mal gerockt! Merci für die Begleitung und die tollen Fotos- es war mir ein Fest und schreit nach Wiederholung! Gewinnen tun vielleicht andere, aber für mich “Utraschnecke” war das echt eine super Sache! Gut möglich, dass das meine Distanz wird…

2017-03-24T07:27:55+00:00