Südtirol Ultra Skyrace – short (2015)

Ein landschaftlich sehr schöner Lauf, mit etwas geringem Trailanteil, dafür kann man während des Laufens viel mehr die Umgebung genießen. Die Markierung der Strecke mit gelben Fähnchen und Kreidespray war super und lückenlos.
An den VPs gab es alles, was man braucht, zum Ende hin sogar Weizenbier. Die Organisation klappte super, alle Helfer waren super engagiert und freundlich.

Südtirol Ultra Skyrace – short
Start / Ziel:  Talferwiesen Bozen
Streckenlänge: 68 km
Höhenmeter: 4.260 (laut Veranstalter)
Datum: 25.07.15
Startzeit: 7 Uhr
Bericht: Holger

Geplant war es eigentlich nur als ein Trainingslauf am Ende der ersten Urlaubswoche. Aber es kommt wie immer: Hab ich erstmal eine Startnummer um und alle anderen Läufer machen vom Start weg Druck, fällt dieser Trainingslauf-Vorsatz schneller als mir lieb ist. Die Rechnung kam dann prompt bei km 50.
Oder war es doch die Wärme? Oder die fast 90 Wanderkilometer mit Ina die Tage davor?

In den letzten Tagen vor dem Urlaub schaute ich, was wohl alles so los sein würde in Südtirol und ob nicht vielleicht auch ein Lauf dort stattfand, den man besuchen könnte. Und siehe da, der Südtirol Ultra Skyrace sollte genau einen Tag vor unserer Abreise in Bozen, also nur eine Stunde entfernt von unserem Urlaubsort Schlanders, sein.
Kurze Überlegung und Abwägung meiner Gedanken “…68 km mit etwas über 4.000 hm am Ende der ersten Urlaubswoche laufen, nach bestimmt einigen Wanderungen, möglich? Oder würde ich mich dieser Lauf vielleicht auch so “kaputt” machen, das ich die zweite Woche keine Lust mehr zum Wandern hätte???…”
Ich entschloss mich dazu, mich anzumelden. Vorgeschrieben war auch für den kürzeren Lauf ein ärztliches Attest. Zum Glück war es dem Veranstalter egal, ob dies für einen anderen Lauf ausgestellt wurde, Hauptsache, es ist nicht älter als ein Jahr. So konnte ich mit dem Attest für den UTAT 2015 auch hier starten.

Die Tage vor dem Lauf machte ich mir keine Gedanken darüber und genoss die warmen bis heißen Tagen mit Ina bei ausgedehnten Wanderungen und einem kleinen Lauf.
Erst einen Tag vorher fiel mein Entschluss, wirklich zu starten. Die Wetteraussichten sollten zwar nicht so gut sein, angedroht waren 36 Grad, schwül und Gewitterrisiko, aber Aussteigen kann man ja immer.DCIM100MEDIA
Also ging es samstagmorgens um 5 Uhr Richtung Bozen. Zwar war ich im Besitz der VinschgauCard und hätte somit den Zug gratis bis Bozen nehmen können, wäre aber dann leider zu spät dran gewesen. An der Talstation der Jenesien Bergbahn kann man gratis Parken und ist in knapp 10 Minuten am Start. Das Abholen der Startunterlagen war bis 30 min vor dem Start möglich und ging super schnell.
Mit den Startunterlagen bekommt man zusätzlich zwei Plastiktüten. Eine als Dropbag für den Kilometer 42 und eine fürs Ziel. In diese kann man sich Wechselkleidung und Verpflegung packen.

Der Check der Ausrüstung wurde gründlich vorgenommen. Selbst die Notfallnummer musste nachweislich im Handy gespeichert sein.

Start um 7 Uhr bei rund 28 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit und dann standen erstmal 2.000 hm Non-stop auf dem Profil.
Meine Idee war es, bei den Temperaturen möglichst am Anfang, solange die Sonne noch nicht brannte, etwas mehr Gas zu geben und dann später langsamer zu machen. Also stürmte ich mit los und irgendwie hatte entweder jeder diese Idee, oder die waren alle so gut trainiert. Ich glaube aber, dass viele sich mitreißen ließen.

Gleich zu Beginn ging es in Serpentinen bergauf und ein Überholen war nicht möglich, dann wechselten sich Asphalt und breitere Wanderwege ab. Aber wo blieben die Trails?
Ein Blick auf das Höhenprofil hätte es mir verraten. Dort stand “Wanderweg, Schotterstraße” und nur ganz selten “Steig” und nur das sind die schönen Trails. Aber Höhen- oder Wegprofile schaue ich mir nie richtig an oder studiere vorher Karten. Das einzige, was ich mir immer merke, sind die Anzahl der ganz langen Anstiege und die VPs und hier merkte ich mir nur “…einmal richtig rauf, dann halb runter, wieder rauf und dann nur noch runter und VPs gibt’s mehr als genug…”.
Zum Glück wurde es mit jedem Höhenmeter über 1.500 m kühler und der Aufstieg zum Rittner Horn sogar fast kalt. Oben angekommen gab es eine große Verpflegungsstation mit heißer Suppe.

Suedtirol_Skyrace-2015_02

Jetzt folgte das schönste Stück des Laufes. Nach einem leichten Abstieg kamen die Trampelpfade und der gemeine Anstieg zur Sarner Scharte. Wenn ich Scharte lese, muss ich immer an meinen ersten Transalpine Run und die noch viel fiesere Rappenscharte denken.

Nach dem Abstieg war der nächste VP schnell erreicht und die Temperaturen wurden wieder höher. An diesem  VP stopfte ich mir die Wassermelone nur so rein. Ein großer Fehler, wie sich später herausstellte. Aber nach 4,5 h Laufzeit war ich durstig und diese Wassermelone lachte mich so an.
Ab jetzt ging es im Sturzflug runter nach Sarnthein. Leider endeten auch hier die Trampelpfade schnell und stattdessen hieß es wieder Schotterstraße und was noch viel schlimmer war, es war auf langen Teilen sehr grober Schotter, der sehr schlecht zu laufen war. Jetzt merkte ich auch zum ersten Mal, dass ich wohl zu viel Melone gegessen hatte und die zunehmende Wärme beim Abstieg zusätzlich auf den Magen schlug. Irgendwie war mir übel.

In Sarnthein angekommen wurden wir super empfangen. Es war ein kleines Volksfest und richtig tolle Stimmung. Super war auch, dass der ganze VP überdacht war, was gerade jetzt, wo die Sonne wieder brannte und die Temperaturen bei über 30 Grad lagen, eine super Sache war.
An diesem VP hätte man sein Dropbag bekommen können und es waren jede Menge Bänke aufgestellt, um sich hinzusetzen. Auch dieser VP ließ keine Wünsche offen. Es gab alles. Nur hatte ich keinen Hunger. Also ging es ohne große Verpflegung weiter.

Auch meine fenix meldet sich jetzt mit einer Unwetterwarnung und ein Einheimischer meinte, dass es bald regnen würde. Also ab  und rauf auf den nächsten Berg.
Und siehe da, nur eine Stunde später kam der Regen, er war aber mehr von der Sorte angenehmer Sommerregen ohne Wind und kühlte uns ab.
Suedtirol_Skyrace-2015_09Leider aber brachte das meinen Magen nicht zur Beruhigung und nach dem Anstieg, kurz vor dem letzten Gipfel, musste es raus. Ja, ich weiß, eklig, aber danach ging es mir viel besser und ich konnte wieder “Fahrt aufnehmen”. Zudem war der Ausblick und der Weg hier wieder richtig gut. Oben angekommen schnell ein Bild und ein Schwätzchen mit den Wanderern und ab ging’s in den langen Abstieg.
Ab jetzt hieß es fast gut 15 Kilometer breite Schotterwege laufen. Zwar war die Umgebung landschaftlich sehr schön und die Ausblicke auf die Dolomiten klasse. Aber ich empfand diesen Teil als sehr ermüdend. Zum Glück empfanden es auch zwei Mitstreiter so, denn immer wieder zogen wir uns gegenseitig und fluchten vor uns hin.

Hätte ich mal besser den Bericht von Klaus gelesen, dann hätte ich gewusst, es sollte noch schlimmer werden, denn die letzten 3 –  4 km sollte es mit rund 35 % Gefälle auf einer ASPHALTSTRASSE(!!!) nach Bozen runtergehen. Ich fluchte, alle fluchten und die Füße brannten. Zudem stieg die Temperatur jetzt weiter auf  schwül-heiße über 30 Grad. Das Ziel war zu sehen, nur viel weiter unten.

Endlich, der Abstieg war geschafft und die letzten Kilometer ging es auf einem Radweg Richtung Ziel. Nach 10 h 42 min war ich da und total fertig. Meine fenix3 sowie der GPS Track vom Veranstalter gaben zwar lediglich nur 3.720 hm und nicht  4.260 hm an, aber das war mir jetzt auch recht. Ich bekam meine Medaille und Ina, die mit dem Zug nachgekommen war, wartete auf mich.

Im Ziel musste ich mich ganz dringend setzen und trinken. Mein Magen war komisch drauf und das konnte nicht nur von etwas zu viel Melone kommen. Das Wetter zollte Tribut, aber nicht nur bei mir. Durstig, aber nicht hungrig, vegetierte ich fast eine Stunde im Zielbereich vor mich hin und noch nie hatte ich so viele Läufer mit Kreislaufproblemen oder vorne übergebeugt auf dem Rasen rumliegen sehen.

Nach einigen Saftschorlen ging es mir wieder etwas besser..

Fazit
Ein landschaftlich sehr schöner Lauf, mit etwas geringem Trailanteil, dafür kann man während des Laufens viel mehr die Umgebung genießen. Die Markierung der Strecke mit gelben Fähnchen und Kreidespray war super und lückenlos.
An den VPs gab es alles, was man braucht, zum Ende hin sogar Weizenbier. Die Organisation klappte super, alle Helfer waren super engagiert und freundlich.

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2017-03-24T07:29:08+00:00