Premiere des Stubai-Ultratrails 2017

Christian kann die Teilnahme am Stubai-Ultratrail nur empfehlen. Das Konzept, von der Großstadt auf den Gletscher zu laufen, finde ich spannend, die Strecke ist sehr reizvoll und das Ende verlangt einem alles ab. Besonders erwähnenswert waren die zahlreichen Helfer an der Strecke und vor allem an den sehr üppig ausgestatteten Verpflegungsposten, die ausnahmslos sehr hilfsbereit und freundlich waren.

Stubai UltratrailPremiere des Stubai-Ultratrails 2017

von Christian Raiman

Urban2Glacier – von der Stadt auf den Gletscher – unter diesem Motto veranstaltete PlanB zusammen mit dem örtlichen Tourismusverband zum ersten Mal den Stubai-Ultratrail. Ich empfand das Konzept von Anfang an sehr interessant und freute mich entsprechend, bei der Premiere an den Start gehen zu dürfen. Logistisch von München aus günstig gelegen, plante ich die Anreise direkt nach der Arbeit, um noch rechtzeitig vor 19 Uhr die Startunterlagen abzuholen. Die Pastaparty mit ausführlichem Race-Briefing fand anschließend im Freizeitzentrum Neustift im Stubaital statt. Wirkte etwas improvisiert, dafür aber sehr familiär.

Die Teilnehmer der Ultradistanz wurden anschließend mit Shuttlebussen ins Innsbrucker Stadtzentrum gefahren. Start war nämlich um ein Uhr in der Nacht, für ein Rennen dieser Länge (offiziell 62 km) eine doch etwas ungewöhnliche Uhrzeit. Bereits 18 Stunden auf den Beinen ging’s also endlich los. Die ersten drei Kilometer führten direkt durch’s Stadtzentrum mit relativ vielen (teils deutlich alkoholisierten) Schaulustigen – mal was anderes! Auf dem Weg Richtung Süden vermutlich schon über einhundert mal auf der Brennerautobahn vorbeigefahren, war ich besonders gespannt, welchen Charakter die Strecke dort haben würde. Und ich war absolut positiv überrascht. Der Pfad durch die Stillschlucht war ein Trail “vom Feinsten”. Schmal, etwas wellig, immer gut laufbar, wobei bei Dunkelheit schon ziemlich Konzentration vonnöten war.

Doch auch der anschließende Abschnitt machte richtig Spaß. Weiterhin super laufbare Trails, teils sehr kurvig, da kam richtiger Trail-Flow auf! Nach nun ca. 15 Kilometern “Einlaufen” der erste Anstieg. Und was für einer: auf 14 Kilometern mussten etwa 1500 Höhenmeter überwunden werden. Leider verschlechterte sich das Wetter und leichter Nieselregen, der weiter oben in Schneeregen überging, stellte sich ein. Glücklicherweise setzte allmählich die Dämmerung ein und man konnte bei dichter Bewölkung wenigstens erahnen, welch tolle Kulisse der Lauf hier zu bieten hatte. Technisch gesehen war der Anstieg unspektakulär. Leichte Wanderwege und teils auch Forstwege führten schnell über die Baumgrenze. Die letzten zweieinhalb Kilometer bis zur Starkenbergerhütte gab es aber wieder perfekte Hochgebirgstrails. Zeitgleich wurde auch die Sicht immer besser und man konnte sogar die Gletscher im Zielbereich ein erstes Mal weit aus der Ferne erblicken.

Stubai UltratrailMit inzwischen 30 Kilometern in den Beinen stürzte ich mich in den Downhill hinunter nach Neustift. 1400 Höhenmeter auf gerade mal sechs Kilometern Länge, technisch allerdings nicht schwierig und somit war die Bergab-Raserei bereits 45 Minuten später beendet. Nun folgte ein für Bergläufer wohl eher langweiliger Abschnitt. Mit wenigen kurzen An- und Abstiegen versehen, folgten wir überwiegend dem Stubaier Talboden mal auf kurzen Trails, überwiegend aber auf Forstwegen und teils auch kurzen Asphaltpassagen. Das Wetter hatte sich inzwischen deutlich gebessert. Die Wolkendecke riss mehr und mehr auf und man konnte immer wieder die gewaltige Gletscherkulisse genießen. Mir hat auch dieser Abschnitt gut gefallen, die Beine konnten sich wieder etwas erholen und ich hatte genug Luft, um mit dem einen oder anderen Läufer zu plaudern. Am Talschluss erwartete uns mit dem Wilde-Wasser-Weg und dem Grawa Wasserfall nochmals ein landschaftliches Schmankerl. Nun sollte aber der Teil folgen, auf den all gewartet haben: der Schlussanstieg auf den Stubaier Gletscher. Von der Talstation Mutterberg waren es nochmals über 1300 Höhenmeter auf sieben Kilometern bis zur knapp 3100 m hoch gelegenen Jochdohle.

Untergliedert war der Anstieg in drei Abschnitte. Zunächst führte der Pfad mäßig steil mit noch etwas Vegetation bis zur Dresdner Hütte. Dort wurden wir angehalten, lange Laufbekleidung anzuziehen. Zwar wurde beim Race-Briefing schon angekündigt, dass es zu solch einer Vorsichtsmaßnahme kommen könnte, angesichts der guten und vor allem inzwischen sehr milden Bedingungen dann doch etwas unverständlich. So empfand ich die restlichen Kilometer teilweise als richtige Hitzeschlacht. Teils steil und mit etwas Neuschnee bedeckt, war das weitere Vorankommen bis zum Eisgrat-Restaurant doch schon etwas zäher. Richtig hart aber waren die letzten 200 Höhenmeter über den Gletscher hoch zur Jochdohle. Zwar hatte ich meine Schneeketten mit eingepackt, die auch dafür sorgten, dass ich nicht wegrutschte, allerdings war der Schnee aufgrund der sehr starken Sonneneinstrahlung extrem weich. “Tunnelmodus” war nun angesagt! Doch mit dem Zielbogen vor Augen und den zahlreichen toll anfeuernden Zuschauern konnte ich sogar einen kurzen Zielsprint hinlegen. Nach 10:48 h war’s geschafft, was auf den letztendlich 67 Kilometern und 4600 Höhenmetern immerhin zu Platz 15 in der AK Master Men reichte.

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Fazit
Ich kann die Teilnahme am Stubai-Ultratrail nur empfehlen. Das Konzept, von der Großstadt auf den Gletscher zu laufen, finde ich spannend, die Strecke ist sehr reizvoll und das Ende verlangt einem alles ab. Besonders erwähnenswert waren die zahlreichen Helfer an der Strecke und vor allem an den sehr üppig ausgestatteten Verpflegungsposten, die ausnahmslos sehr hilfsbereit und freundlich waren.

2017-07-06T10:52:09+00:00