Lake Garda Mountain Race (2014)

Monte Baldo – Lake Garda Mountain Race
von Martin Barwitzki

Lake Garda Mountain Race (2014)12 km und 2000 Höhenmeter! Als ich das im August gelesen habe und auch noch feststellte, dass der Lauf nur 27 km von unserem Urlaubsort
stattfinden würde, sagte ich mir: “Das Rennen muss ich laufen.”

Sechs Wochen Zeit, um fit zu werden. In den sechs Wochen versuchte ich, alle Berge zu laufen, die ich in meiner Region nur finden konnte. Björn stellte mir eine Feldbergtour mit ordentlichen Höhenmetern zusammen und während meiner Fortbildung traf ich mich mit Holger zum Laufen. Ich versuchte überall, wo es nur ging, zu laufen.

Am Gardasee angekommen holte ich gleich meine Startunterlagen ab und stellte fest, dass hier nur 183 Teilnehmer für den Lauf angemeldet waren.  Beim Durchgehen der Anmeldeliste sah ich den Namen “Jonathan Wyatt”. Einer der erfolgreichen Bergläufer der Welt.

In diesem Moment habe ich mich gefreut, aber auch gleichzeitig gedacht: “Auf was hab ich mich hier eingelassen.” Vor allem das Zeitlimit von 3 Std. einzuhalten, würde für mich schwierig und definitiv kein Spaziergang werden, sondern ziemlich lange und harte 12 km.

Die Startzeit 10 Uhr empfand ich als sehr angenehm. Bereits um kurz nach neun versammelten sich die Läufer am Seeufer unter der Macesine-Burg. Die meisten liefen sich schon warm, andere dehnten sich. Der Ablauf hier war ein bisschen anders, als ich das sonst bei Veranstaltungen kannte. Die Teilnehmer standen vor der Startlinie mit Familien und Kindern. Alles wirkte hier sehr locker und gelassen.

Lake Garda Mountain Race (2014) Lake Garda Mountain Race (2014) Lake Garda Mountain Race (2014) Lake Garda Mountain Race (2014)

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Dann auf einmal, 3 min vor dem Start, stellten sich alle auf, als hätten die das tagelang trainiert. Der Bürgermeister sprach ein paar Worte, dann zählte er die letzten 5 Sekunden runter und schrie: “ Avanti, Avanti!”

Wir liefen los, an der Altstadt vorbei und es ging gleich bergauf! Ca. 600 m über die Straße, bis wir auf einem Singletrail landeten. Das ging ja schnell, dachte ich mir und freute mich schon auf die Strecke. Unterwegs traf ich noch ein Pärchen aus München, das sich spontan für die kurze Etappe angemeldet hatte. Nach einer kurzen Unterhaltung lief ich dann schwer atmend weiter, denn es ging ja schon ordentlich steil nach oben. Die ersten 3 km waren heftig. Mein Puls war schon bei 170. So richtig laufen konnte ich nicht mehr. Unterwegs mussten wir über irgendwelche Rohre klettern. Mal was anderes.

Lake Garda Mountain Race (2014)Ich versuchte, ein konstantes Tempo zu halten und einige Teilnehmer zu überholen, was mir sehr schwer fiel. Die ersten 9 km verliefen durch einen Nadelbaumwald, über Singletrails, Wanderwege, Straßenüberquerungen und teilweise auch sehr alte  Kopfsteinpflasterwege. Ab km 8 musste man große Stufen, die aus Felsen entstanden sind, laufen. Und genau ab da hat die Krampfserie begonnen. Ich weiß nicht, ob es an der langen Autofahrt einen Tag vorher gelegen hat oder an der Anstrengung, ständig hoch zu laufen, ohne die Beinmuskulatur zu entspannen. Auf jeden Fall ging das so abwechselnd mit Wade und Oberschenkel bis zum Gipfel weiter.

Als ich auf 1700 Hm angekommen und endlich aus dem Wald draußen war, freute ich mich einerseits, weil ich es fast geschafft hatte, aber andererseits war da auch die Befürchtung, dass ich es in der vorgegebenen Zeit nicht schaffen werde, da ich nur noch 40 min Zeit hatte, um oben anzukommen. Ab jetzt machte der Lauf noch mehr Spaß, denn es ging im alpinen Gelände hoch hinauf. Allerdings hatten mich meine Beinkrämpfe immer wieder gebremst. Zwischendurch dachte ich schon an Abbrechen, denn die Zeit wurde immer knapper, da ich nicht mehr richtig laufen konnte. Ich konnte leider nicht sehen, wie weit es noch ist. Der Gipfel war mit Nebel bedeckt. Die meisten Teilnehmer, die schon oben angekommen waren, kamen mir von oben entgegen, eingewickelt in Rettungsdecken, die man im Nebel schimmern sehen konnte.

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Eine Frau aus der Schweiz sagte mir, dass es nicht mehr weit wäre und ich die Spitze gleich erreicht hätte. Ich hatte nur 15 min Zeit und kämpfte mich weiter durch, bis ich oben am Gipfel nach genau 3 Std. angekommen war.  Die letzten 15 min haben sich wie eine halbe Ewigkeit angefühlt. Noch schnell ein paar Fotos und dann ging es gemütlich ohne Zeitdruck bis zu der Berghütte auf 1700 Hm runter, wo die Siegerehrung stattfand. Anschließend ging es mit der Bergbahn runter nach Malcesine.

Von 183 Teilnehmern sind 25 ausgestiegen. Also nur 158 sind oben angekommen. Ich war nicht wirklich vorbereitet und habe die Strecke sehr unterschätzt. Nichtsdestotrotz war es eine schöne Erfahrung für mich, auch wenn ich als Vorletzter oben angekommen bin. Übrigens,  Jonathan Wyatt ist die Strecke in 1:27 Std. gelaufen!

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Mein Fazit:
Eine schöne Veranstaltung mit gut gelaunten Veranstaltern und Teilnehmern. Sehr gut organisiert, mit einigen Verpflegungspunkten auf der Strecke, die ich jetzt auf der kurzen Distanz nicht erwartet hätte. Die Strecke ist, was die Steigung anbetrifft und ab 1700 Hm,  technisch sehr anspruchsvoll . Oben hat man eine schöne Berglandschaft und eine tolle Aussicht auf den Gardasse. Die Strecke war sehr gut markiert und ausgeschildert. In der Berghütte gab es die Siegerehrung, etwas Warmes zu essen und Wein. Es gab leider keine Urkunde oder Medaillen, dafür aber ein Teilnehmertrikot. Für die 34 € Teilnahmegebühr gab es auch noch die Fahrt mit der Bergseilbahn nach Malcesine.

2017-03-24T07:30:04+00:00