Zugspitz Ultratrail 2014

von Martin Barwitzki

Martin’s erste Supertrail-Distanz von 60,7 km und 2.973 Hm

Der Zugspitz Ultratrail ist ein jährliches Treffen der Trailfreunde aus der ganzen Welt. Viele, die man das ganze Jahr nicht trifft, trifft man spätestens hier.

Schon als ich letztes Jahr zum ersten Mal dem Zugspitz Basetrail 36 km und 1893 Hm gelaufen bin, war es mir danach klar, dass ich eine längere Etappe laufen will.

Die Registrierung war offen und ich schickte optimistisch meine Anmeldung raus. Damals noch mit Achillessehnenproblemen konnte ich nur langsam mit dem Training beginnen.  Eigentlich völlig unvorbereitet mit ganz wenig Training, aufgrund meiner Verletzung und von einigen Erkältungen geplagt – spiele ich  dieses Jahr  genau 2 Wochen vor der Veranstaltung mit dem Gedanken, mich auf Basetrail umzumelden.

Noch der letzte ärztliche Check-Up , da ich kurz vorher erkältet war. Und ein Gespräch mit meiner Frau überzeugen mich, doch bei meiner Anmeldung zu bleiben.

Mit meiner Frau und Tochter reisen wir schon am Donnertag an. Die gebuchte Unterkunft „Gästehaus Maurer“ www.gaestehausmaurer.com direkt in Grainau kann ich nur empfehlen. Wir wurden persönlich empfangen und begrüßt. Die Ferienwohnung ist sehr gepflegt und großzügig ausgestattet.

Am Freitag, 1 Tag vor dem Wettkampf, regnet es nur so in Strömen und die Temperatur sinkt auf 13 Grad. Doch beim Briefing wird uns optimistisch gutes Wetter mit viel Sonnenschein zugesichert. Kaum vorstellbar, aber so kommt es dann auch.

Bevor ich ins Bett gehe, prüfe ich erneut meine Pflichtausrüstung und tausche einige Sachen aus, um weniger Gewicht mit mir rumzuschleppen.

Zugspitz Ultratrail 2014Am Samstag um 5 Uhr früh klingelt mein Wecker. Ich habe ausnahmsweise gut geschlafen und fühle mich fit. Gut gestärkt geht es um 6:50 Uhr mit dem Transferbus nach Leutasch-Weidach. Ab hier beginnt meine Nervosität. Die ständigen Fragen in meinem Kopf, was ich hier mache und warum ich 60 km laufe, machen mich total unruhig. Fast hätte ich Björn und Holger angerufen, um ein bisschen Zuspruch zu bekommen, wenn ich nicht einige Bekannte getroffen hätte, wie Dirk, Doro und Ästha –  und auch der ständige SMS-Austausch mit meiner Frau lenken mich ab.

Und auf einmal wird der Startschuss gegeben. Anfangs in der Gruppe mit Dirk, Doro und Ästa rennen wir los. Nach etwa 3 km wird die erste Kleidungsschicht ausgezogen.

Die ersten 8 km geht es bergauf zum Scharnitzjoch auf 2048 Hm. Mir geht es gut und ich beschließe, mich von der Gruppe abzuseilen, um ein bisschen schneller zu laufen. Ich glaube, ab hier habe ich Blut geleckt und ich will einfach wissen, wie fit ich wirklich bin und was zeitlich auf der Distanz machbar ist.

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Als ich die erste Verpflegungsstation (V5) nach etwa 16 km erreiche und kurz von der Medical Crew gecheckt werde, weiß ich, dass ich das Rennen heute gut meistern werde. Noch kurz von Carsten Herrmann angefeuert geht es für mich weiter.Zugspitz Ultratrail 2014

Bis V8 bei Abzw. Reintal, fast bei km 40, geht es richtig gut für mich. Ich habe mein gleichmäßiges Wohlfühltempo gefunden. Kurz darauf habe ich allerdings die erste und Gott sei Dank die einzige Blase bekommen und mein Oberschenkelmuskel pulsiert ständig. Dann die Krämpfe abwechselnd zwischen Wade und Oberschenkel zwingen mich teilweise zu gehen.

Obwohl ich regelmäßig meine Elektrolytetabletten schlucke und bei jeder Verpflegungsstation die Isogetränke trinke und immer ausreichend esse, treten die Krämpfe immer wieder auf.

Zugspitz Ultratrail 2014Ich denke mir nur, entweder ist das jetzt die Überanstrengung, weil ich diese Jahr nicht mal 1x mehr als 28 km am Stück gelaufen bin, geschweige denn die Höhenmeter gelaufen bin oder ich werde die Elektrolyte stündlich mit erhöhter Dosis einnehmen.

Es war garantiert auch die Überanstrengung, aber nach dem ich gleich die Dosis erhöhe, merke ich nach ca. 20 min, dass es wieder besser wird und die Krämpfe nachlassen.

Ab km 44 geht es dann erneut bergauf über schöne Singletrails zur der Bergstation Alpspitzbahn auf 2029 Hm. Das Stück bin ich schon letztes Jahr zwei Mal hoch gelaufen und ich weiß nun, wie lang sich das zieht. Dafür habe ich mir meine Motivationsmusik vorbereitet. Aber bevor ich überhaupt die Kopfhörer auspacken kann, treffe ich unterwegs eine junge Dame, die auch Krämpfe hat und keine Elektrolyte mehr dabei hat. Also gebe ich ihr meine Elektrolyte, damit es auch bei ihr weiter laufen kann.

Ab da gehen wir gemeinsam nach oben und unterhalten uns die ganze Strecke. Es war glaube ich für uns beide eine gute Ablenkung, um das letzte Stück des Aufstiegs zu bewältigen, auch wenn das hochalpine Gebirge aufgrund der schönen Landschaft und Weitsicht genug Ablenkung ist.  Unterwegs erfahre ich, dass sie eine Journalsitin für die Zeitschrift „aktiv laufen“ ist.

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Oben kurz nach der Bergstation Alpspitzbahn trennen sich unsere Wege. Ich will wieder Gas geben. Meine Beine fühlen sich wieder gut an. Ich sende meiner Frau eine SMS „noch 8 km Bergab. Ich bin gleich da “. Also 8 km von 2019 Hm auf 744 Hm runter. Das wird schmerzhaft!  Ich schaue auf die Uhr und fange an zu rechnen. Das könnte unter 12 Std. werden! Vielleicht sogar knapp über 11 Std. Mein Ziel war es, unter 12 Std. anzukommen.

Zugspitz Ultratrail 2014Ich lauf runter, meine Oberschenkeln brennen, mehrmals knicke ich um. Die Ermüdung ist deutlich zu spüren, aber ich will einfach runter und mein Triumph genießen.

Kennt Ihr das, wenn sich die letzten 4 km auf einmal endlos anfühlen? Ich schreibe meiner Frau erneut, „ noch 3,5 km, bin gleich da “. Das letzte Stück vor der Straße verfluche ich nur noch. Das ist eine reine Rutschbahn. Immer wieder muss ich mich zurückhalten, denn ich rutsche ständig weg und kann aufgrund der muskulären Schmerzen  nicht mehr richtig runter laufen.

Und endlich irgendwann ist die Straße da. Noch 2 km, ein Stück durch die Ortschaft. Die Zuschauer stehen auf der Straße und feuern mich an „Aufgehst Martin! Noch 1 km! Du schaffst das! Meine Endorphine werden erneut ausgeschüttet. Ich kann noch laufen und ich werde schneller! Ich sehe Kinder, die halten ein Schild auf dem steht „Noch 180 m“. Ich nähere mich der Ziellinie und sehe meine Frau und meine Tochter. Es gibt nichts Schöneres, als nach 11 Std und 24 min so empfangen zu werden.

Zugspitz Ultratrail 2014

Das war mal wieder eine neue Erfahrung für mich bezüglich der Belastung, der Motivation und des Trainings. Manchmal ist weniger mehr. Ich habe nicht viel trainiert, aber es dennoch geschafft, weil ich es wollte.

Mein ganz besonderer Dank geht an meine Frau für die ständige Motivation per SMS und dass sie an mich geglaubt hat. An Carsten, ebenfalls für die Motivation auf der Strecke  Und an Johanna für die nette Unterhaltung auf der Strecke 

2017-03-24T07:30:26+00:0030.06.2014|

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