Laufbericht: Der Spenden-Trail-Lauf von Holger und Björn

Björn und Holger hatten Ende 2012 die Idee, ein gemeinschaftliches Laufprojekt zu starten, ohne dafür wieder hohe Startgebühr zu bezahlen.

Die Idee, einem Weitwanderweg zu folgen, wäre zwar einfacher, aber irgendwie klang es nicht so spannend. Also überlegten sie und kamen schnell auf den Gedanken, die beiden Trailreviere laufend miteinander zu verbinden. Also von der Eifel in den Taunus zu laufen.

Prima Idee und dank GPSies auch schnell im groben geplant, deutete sich eine Streckenlänge um die 200 km an. Um die gesamte Strecke auf Trampelpfaden laufen zu können, wären es sicherlich 400 km geworden. Der Kompromiss war, immer wieder die Trampelpfade verlassen, durch Ortschaften laufen und dann wieder auf Trampelpfade weiter. So hätten sie auch die Möglichkeit, sich zu versorgen.

Zweite Idee, wenn schon, dann auch für den guten Zweck. Der Spenden-TRAIL-Lauf war geboren. Es folgten unzählige Mails an Firmen, Organisationen und an alles, was unterstützen würde. Leider blieb hier der große Erfolg aus.

Die Idee, anderen Läufern die Möglichkeit zu geben, mit zu laufen, wurde schnell umgesetzt und fand erst kaum und dann doch regen Anklang. Bis zu Ende waren es rund 20 Läuferinnen und Läufer, die die zwei zwischen 10 und 60 km begleiteten.

Zur Organisation:
Aus anfangs geplanten 3 Tagen, wurden schnell nur 2, da es zum einen für beide ein sportliches Highlight werden sollte, und zum anderen aber befürchteten sie, dass 200 km in 3 Tagen nicht “spektakulär” wären und somit nicht so medien- und damit spendenwirksam wären.

Mit Neuwied wählten sie einen Ort, der nach etwas mehr als der Hälfte der Strecke als Zwischenziel dienen sollte. So konnten sie dann am Ende des ersten Tages sagen: “Morgen sind es nicht ganz so viele Kilometer”.

Dank der freundlichen Unterstützung des Schloss Hotels Engers bekamen sie eine sehr schöne und gut gelegene Unterkunft. Die Verpflegung wurde zum größten Teil von ASFM, dem Veranstalter der Brocken Challenge, und HIGH5 gestiftet und die Laufshirts wurden von Thr33ky gestellt. Die Verpflegungspunkte wurden so gewählt, das die Läufer  nie mehr als ca. 20 km ohne Verpflegung waren.

Da es für  Ina und Jenny (Holgers Frau und Tochter) selbstverständlich war, sie zu begleiten, würden sie auch die Verpflegungspunkte übernehmen. Damit kennen die beiden sich mittlerweile aus.

Mit Holgers Tante und Onkel waren dann noch zwei helfenden Hände gefunden, die dank ihrer medizinischen Ausbildung auch im Notfall hätten Hilfe leisten können, was sich zum Glück auf Blasenversorgung beschränkte.

Um genügend Zeit zu haben und nach dem ersten Tag noch etwas regenerieren zu können, wurde der Start auf Mitternacht gelegt, was aber für das Supportteam bedeutet, dass sie sich die Nacht um die Ohren schlagen müssten.

Mit den GPS Trackern der Firma akquinet SLS logistics GmbH ausgestattet, waren alle Daheimgebliebenden und Begleitläufer in der Lage, die Trail-Läufer Live zu verfolgen. Zudem sorgte Jenny mit der Anbindung von Twitter für eine kurze Liveberichtserstattung.

Der Lauf – Tag 1
Die Strecke stand, die restliche Verpflegung war eingekauft, Björn war heile mit der Bahn (ohne Klimaanlage) angereist und das Wetter, na ja, es sollte warm werden.

Nach einem kleinen Nachmittagsschlaf wurde der Spenden-TRAIL-Metal-Verpflegungs-Bulli gepackt, eine letzte Mahlzeit zu sich genommen und sich anschließend die Zeit beim Umtrunk der Nachbarn vertrieben, bevor es um kurz nach 23 Uhr nach Monschau zur Startaufstellung auf dem Marktplatz ging. Dank Gero, der die Eifelreiseleitung übernahm, konnten die anderen Mitläufer uns durch die Nacht begleiten. Da sich KEIN offizieller Vertreter der Stadt Monschau erbarmen, konnte den Startschuss zu geben, erfolgte dieser durch uns selber pünktlich um 0:01Uhr.

   Spenden-Trail-Lauf von Holger und Björn

Erstes Ziel Schleiden. Bereits nach wenigen Kilometern mussten wir den ersten Mitläufer zurück lassen, da er mit dem Tempo nicht zurecht kam. Die andern zogen uns immer wieder in ein etwas zu flottes Tempo, was sich bei Björn später rächen sollte. Die Nacht war warm, viel zu warm. Der Schweiß floss in Strömen und das ohne Sonne.

Spenden-Trail-Lauf von Holger und BjörnNach 24 km und fast 3 Stunden war der erste Verpflegungspunkt in Schleiden erreicht. Hier stiegen bis auf Daniel die anderen drei aus. Kurz verpflegen und weiter ging es in die Nacht. Den ungläubigen Teens auf dem Marktplatz wurde kurzerhand ein Flyer in die Hand gedrückt. Steil bergauf und ab ins unwegsame Gelände. Die Kompressionsstulpen dienten dabei mehr als Schutz vor den Brennnesseln, als zur Kompression.

Im Morgengrauen erreichten wir den VP 2 nach Km 45 und trafen auf ein sehr müdes Verpflegungsteam. In dem Moment war wir froh, die Läufer zu sein und nicht diejenigen, die immer nur 2 – 3 Stunden warten mussten auf die Läufer, und sich dann auch noch irgendwie wach halten mussten. Hier stieg nun auch Daniel aus, der so was von platt, endlich froh war, sein Ziel erreicht zu haben. Die nächsten 50 km sollten wir alleine bestreiten und es würden die einzigen Kilometer sein, die wir beiden alleine gelaufen sind.

Nach einem herrlichen Sonnenaufgang kam die Energie in den Körper zurück und die Müdigkeit verging. Aber die ersten Sonnenstrahlen sagten uns, das wird schw…heiß.

Planungsfehler Nr. 1: wir hatten die Strecke vom groben ins feine geplant und nichtSpenden-Trail-Lauf von Holger und Björn immer an allen stellen den Track auf einen vorhandenen Weg gelegt. So musste improvisiert werden… wie schrieb doch schon Franz Kafka…  : “Wege entstehen dadurch, dass man sie geht”. Das spürten wir am eigenen Leib.

Planungsfehler Nr. 2: Stromtrassen sehen auf GPSies etwas aus wie Wege, sind aber keine und so, zusammen mit etwas Ungenauigkeit der Karte, kamen immer mehr Kilometer zusammen als geplant. Die steigenden Temperaturen forderten mehr Kraft und Zeit als erwartet. Nach 75 km waren schon 2.200 der gesamten 5.000 Höhenmeter bewältigt und viele der Anstiege waren steil und lang.

Bei VP 4 musste Björn seine Blasen verarzten lassen, dank Onkel Harry kein Problem, und Holger wollte erst gar nicht nachschauen, aber die Schuhe drückten unangenehm. Das kannten wir beide sonst gar nicht von unseren anderen Läufen. Nach der VP ging es steil den Berg von Ahrbrück hinauf, um dann sofort wieder durch das Gestrüpp und Unterholz nach unten an den Ortsausgang von Ahrbrück zu kommen. Man hätte auch die Straße nehmen können, aber der Ausblick war schon genial.

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Björn ging es langsam wie seiner Uhr (Akku fast alle)……

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Kurz vor dem VP 5 bei 97 km und 3.000 Hm kam die bittere Entscheidung: Björn würde hier aussteigen. Sowas ist keine leichte Entscheidung, ja auch wenn man auf die zurückliegenden Stunden und Kilometer mehr als Stolz sein kann. Es tut weh. Aber manchmal, nur manchmal, muss auch die Vernunft siegen, denn schließlich sollte und wollte Björn am nächsten Tag wieder mit einsteigen.

Für Holger war es schön, dass jetzt die Engel & Helden sprich Ruth, Peter, Tamara und Thomas dazu kamen und Peter uns schon voller Elan und Begeisterung entgegen kam. Kurz gefolgt von den andern Engeln, die Holger dann zum VP zogen und Björn einsammelten. Hitze und kein Schatten ist schon ohne Bewegung unerträglich, aber laufen und dabei auch noch 3-4 kg Zusatzgewicht auf dem Rücken zu haben – der absolute Wahnsinn. Mental war dies der absolute Tiefpunkt für beide. Für Björn auszusteigen und für Holger, Björn zurück zu lassen.

Ohne die super Unterstützung und gut gelaunten Engel & Helden wäre es für Holger zur Tortour geworden.

Die nächsten Kilometer liefen gut, wenn auch brutal heiß. An dem Maar stand ein Schild “Mediteranes Klima”..”na super, das merke ich auch ohne Schild”, dachte ich, Holger.  Wir wussten, dass dieses Stück bis zum Ziel wenig Wald, also kaum Schatten bieten würde und so war es. Zudem waren selbst die Waldwege nicht weich, sondern ausgetrocknet und bretthart.

Nach genau 111,1 km trafen wir auf Daniela und Dirk an VP6. Wie passend, verrückte Kilometerzahl, verrückte neue Mitläufer. Wie sich nämlich herausstellen sollte, wird dies der bis dahin längste Lauf für Dirk werden, und Daniela M. ist ein Synonym  für die Verrücktheit in Person. Also weiter mit zwei neuen und zweiverbliebenen Engeln & Helden. Leider waren wir 3 h später an diesem Punkt, als geplant und so konnten die 4 angekündigten Mitläufer aus dem Rheinland nicht mitlaufen. Schade.

Die nächsten 27 km würden nochmal so was von hart werden. Kaum Schatten und die letzten 12 km durch die Stadt. Die Mitläufer taten das beste, um mich abzulenken und zu ziehen, aber das Schienbein schmerzte immer mehr. Schon seit einigen Stunden war es gereizt. Das Rheintal ist immer etwas wärmer, aber jetzt waren es gefühlte 40 Grad und kein Wind. Ein Bekannter von Daniela erwies sich als Held und brachte uns ca.  5 km vor dem Ziel Cola und Fanta. Klasse und Danke.

Da ich, Holger, nur noch wie benommen die letzten Kilometer lief, überzog ich nicht wirklich die Kürzung der Strecke durch Daniela. Es war mir recht, aber ich vergaß dabei, dass Björn mir das letzte Stück der Strecke   entgegen kommen wollte, um gemeinsam mit mir in den Etappenzielort Neuwied-Engers einzulaufen. Meine Info per SMS erhielt er nicht und so verpassten wir uns und da Dirk mittlerweilse auch ziemlich down war, lief ich die letzten 2 km alleine, bevor Peter wieder wie ein Wilder mit der Glocke, ca. 500 m vor dem Ziel, auftauchte und mich ins Ziel brachte.

Absolut am Ende war Holger froh endlich einfach nur stehe bleiben zu dürfen. Kurz danach kam auch ich, Björn, zusammen mit Daniela und Dirk ins Ziel. Somit waren es auch für mich 100 km geworden, was die Enttäuschung über das nicht durchgängige Laufen etwas schmälerte.

Ein Tag der Spitzenleitungen.

Die Engel & Helden machten ihrem Namen nochmals alle Ehre und spendierten allen ein Eis. Es war super, aber Holgers Magen wollte noch nicht wirklich was aufnehmen. Total erschöpft bezogen wir unser von Schloß-Hotel Engers spendiertes Quartier und überfielen die Pizzaria. nicht schlecht staunte der Kellner als ich einen großen Salat und eine Pizza bestellte. “sind Sie sicher? Unsere Pizzen und Salate sind groß?” Ich: “Ja und danach nehme ich noch eine Nachspeise, ich bin 100 km gelaufen!”…Kleinlaut nahm der Kellner die Bestellung auf, Er hinterließ den Eindruck, dass er uns nicht so recht glaubt, was er da eben gehört hat. Leider war Holgers Magen immer noch zu, also schlürfte er wie ein Häufchen Elend eine Suppe. Bei der Support-Crew waren zum Glück die Augen auch größer als der Magen und so blieb eine halbe Pizza übrig. Diese sollte zusammen mit einer Cola aus der Minibar, Holgers erstes Frühstück um kurz nach 4 Uhr sein.

Noch beim Abendessen wurde die Streckenänderung für den nächsten Tag geplant. Wenn wir die komplette Strecke laufen würden, würden wir erst am Abend auf dem Feldberg ankommen und weit über das Ziel 200 km hinaus kommen. Also wurde der Start um eine Stunde verschoben und ein Verpflegungspunkt übersprungen. Zum Glück war das für die angekündigten Mitläufer kein Problem.

Tag 2
Nach einer recht warmen und fast schlaflosen Nacht, die um 4 Uhr zu Ende war, ging es um 5 Uhr zum Frühstück ins Schloss. Die Frühstücksdame war extra 2 Stunden früher aufgestanden, um uns zu versorgen. Sogar unsere Wasserkanister durften wir füllen. Es stand fest, ich, Björn, werde wieder laufen.

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Start ab VP 8 Heistenbach um 7 Uhr zusammen mit Carsten, Thorsten und Tobias. Die uns heute den ganzen Tag begleiten würden. Ohne die Jungs wäre der Start echt schwer gefallen, aber so vergingen die ersten harten Kilometer wie im Flug. Wir erzählten von den Erlebnissen von gestern und über vergangene und zukünftige Läufe.

Kurz nach dem Start dann der Blick auf das Ziel. Aber bis dahin mussten noch einige unschöne Asphalt-Kilometer geschrubbt werden. Zumindest bis zum Rand des Taunus. Beim nächsten VP stieß dann noch Luc dazu, Trinkrucksäcke auffüllen und weiter zum nächsten VP in ca  20 km. Da die Trinkblase von Tobias komplett leer war, überfielen wir nach ca. 12 km die Tankstelle in Bad Camberg. Auffülllen der Speicher mit Cola-Eis und sonstigen Leckerein. Kurz danach war endlich der Taunus erreicht und die ersten Waldwege mit Schatten.

Die letzte VP hatten wir möglichst nahe an den Feldberg geplant, damit wir für den Anstieg noch mal alles auffüllen konnten. Zur Überraschung kam uns O-Love (THR33ky) schon entgegen, er ist also extra anreist, um trotz des verletzten Zehs und Knies die letzten 10 km mitzulaufen.

Spenden-Trail-Lauf von Holger und Björn Spenden-Trail-Lauf von Holger und Björn Spenden-Trail-Lauf von Holger und Björn

An diesem VP gesellten sich dann auch noch Steffi, André und Stefan dazu. Als große Gruppe quälten wir uns dem Ziel entgegen. Wären die Begleitläufer nicht dabei gewesen, wären wir nicht so gut raufgekommen. Der Akku war schon ziemlich leer und bei Holger schmerzte das Schienbein und bei Björn der Spann.

Das Schild mit dem Hinweis “Feldberg 1,2 km” hätten wir küssen und das Schild “Feldberg 450m” heiraten können. Das hätte unserer Support-Crew aber sicher nicht gefallen.

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Einmal um den Feldberg mit Blick zurück auf die gesamte Strecke, zumindest war die Fernsicht extrem gut. Kurz vor dem Ziel erblickten wir die freudigen Gesichter von Don Downhill und dem zukünftigen Weltherrscher, der uns eine Zielflagge und gute Laune mitbrachte. Unter großem Jubel und fraglichen Blicken der Touris liefen wir ins Ziel.

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Alle wichtigen Personen waren da und die Last viel uns wie der Rucksack vom Rücken. Nach 191 km mit fast 5.000 Hm und 26 h war es geschafft. WIR hatten es geschafft.

Danke an alle Unterstützer und an alle, die uns begleitet haben, egal auf welchem Stück der Strecke, Ihr wart eine Große Hilfe und habt wesentlich zum Erfolg beigetragen.

2017-03-24T07:30:58+00:00