Laufbericht: Der Lahnwanderweg im Solo Ritt

Der LahnwanderwegWie kam ich eigentlich dazu den Lahnwanderweg alleine in einem Stück laufen zu wollen? Nun, da ich dieses Jahr keine Wettkämpfe bestreiten werde, musste das ein oder andere Ziel her. Im Januar bin ich dann auf den Lahnwanderweg aufmerksam geworden. Seit 2011 besitzt der Weg das Gütesiegel „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ und man wirbt damit, der Weg besitze „ Steigcharakter“. Im Februar viel dann die Entscheidung den Weg zu laufen. Aufgrund des langen Winters und diverser anderer Termine, wurde der Termin dann auf Mai gelegt.
Gestern, 14.05.13, war es dann endlich soweit. Um 5:00 Uhr klingelte der Wecker und ich machte mich nach ein paar Scheiben Toast auf den Weg nach Limburg zum Bahnhof. Im Auto bestätigte sich die Wettervorhersage der letzten Tage. Grau, Wolken und Regen. In Limburg zog ich mich dann am Auto um, und fuhr mit dem Zug weiter nach Lahnstein zum Startpunkt. Ich hatte mich bewusst für diese Richtung entschieden, da ich im Ziel mein Auto mit allem Notwendigen stehen haben wollte und keine Lust hatte total verdreckt und verschwitzt mit der Bahn zurückfahren zu müssen
Der Lahnwanderweg Der Lahnwanderweg
In Lahnstein angekommen, begann es pünktlich zum Start zu regnen. Anfangs noch leichter Sprühregen der immer stärker wurde. Die Wolken am Himmel wurden immer dunkler und ich war mir nicht so wirklich sicher wie das heute ausgehen würde. Nach ein paar km ging es in die Ruppertsklamm. Es ging auf wilden kleinen Pfaden tief in die Klamm, bis die ersten seilversicherten Abschnitte kamen. Der Regen wurde immer stärker und kurzzeitig war laufen nur im Flussbett möglich. Da die Steine in der Klamm so abgelaufen und glatt waren machte ich langsam, denn mein Trabuco hatte nicht wirklich viel halt. Nach ca. 40min war die Klamm bezwungen und ich total durchnässt. An einer Schutzhütte tauschte ich dann erstmal ein paar Klamotten und zog mir Handschuhe und Mütze auf. Handschuhe im Mai?
Der Lahnwanderweg
Ja es war Arschkalt. Weiter ging es über eine Forststraße immer bergan, als es plötzlich zu hageln anfing. Zum Glück wechselte der Hagel schnell in Graupel, aber wirklich schön war auch das nicht. Ich hatte hier knapp 20km hinter mir und war schon mehr wie bedient.
Ein erstes Tief nach 20km? Egal, ich lief und lief und der Regen wurde weniger. Die Forststraße hatte ich schon lange verlassen und ich bewegte mich die letzte Stunde auf matschigen und sehr rutschigen Trails. Immer wieder rutschen, gegensteuern und ausbalancieren. Ziemlich schön aber auch anstrengend, besonders wenn man seit einer gefühlten Ewigkeit das Gefühl hat sich übergeben zu müssen. Irgendwann machte ich es dann wie beim Transalp, rechts raus, Finger in den Mund und laufen lassen.
Von Dausenau aus ging es über den Kuxlay nach Nassau. Dieses Stück war ein absoluter Traum und hatte teilweise Transalpine Run Eigenschaften. Extrem schmale Pfade auf einem schmalen Kamm, viele seilversicherte Abschnitte, Steigeisen und sogar Leiter Passagen. Auf diesen knapp 5 km fühlte ich mich wie beim Transalp und es kamen viele Erinnerungen hoch.
Bei km 30 war dann der erste Verpflegungspunkt, ein Rewe Markt. Von komischen Blicken verfolgt, kaufte ich Wasser, Schorle, Gummibärchen und ein Teilchen und machte erstmal kurz Pause. Da man bei einem Sololauf immer mehr mitnimmt wie bei einem Wettkampf, hatte mein Rucksack mittlerweile ein Gewicht von ca 6-7 kg. Denn die nassen Klamotten mussten ja auch irgendwo hin. Voll beladen ging es dann weiter. Ein Blick auf die Uhr bestätige meinen Gefühlszustand. 30km mit ca 1100hm in 3:50h ist nicht grade schnell, aber egal, ich war am laufen und es hatte aufgehört zu regnen.
Der Lahnwanderweg Der Lahnwanderweg
Die nächsten Kilometer ging es ständig hoch und runter. Alles permanent auf feinen Trails und es macht teilweise auch richtig Spass (wenn ich nicht grade einen der vielen Tiefpunkte hatte). Die Tiefs machten es mir heute echt nicht leicht, aber es ging immer irgendwie weiter. Ich kam mehr und mehr an meine Grenzen und mein Körper hatte einfach keinen Saft mehr. Ich trank und aß alles was ich bei mir hatte und quälte mich die zahllosen Hügel hoch. Bei km 40 sollte dann ein Bäcker sein, wo ich auftanken wollte, die Bäckerei war auch da, nur leider geschlossen. Das war ziemlich blöd, denn ich hatte fest damit gerechnet hier auftanken zu können. Also ging es weiter und aufgetankt wurde an einem kleinen Bachlauf und bei km 44 kam meine Rettung in Form eines Kiosk in Laurenburg. 2 Cola, eine Schorle und 2 Snickers.
Ein kurzer Blick auf die Currywurst, aber dann doch dagegen entschieden. Vom Kiosk aus, ging es wieder steil nach oben und bei km 50 entschied ich mich für Unterstützung in Form von Musik. Ich weiß was Musik bei mir ausmacht und als ich die ersten Klänge von „Keep on Running“ hörte lief ich plötzlich den Berg hoch. Danach gab es eine Spezial Auswahl von Holger’s Trail Mukke und wer Holger kennt, weiß was nun auf meine Ohren hämmerte.
Der Lahnwanderweg Der Lahnwanderweg
Das hoch hielt leider nicht lange und ab km 57 war wieder der Saft raus. Ich schrie mich an, fluchte und wollte nicht mehr. Soviele Tiefs und Probleme wie heute, hatte ich beim gesamten Transalpine Run nicht. Als auf der Uhr dann die 60km standen, wusste ich, das ich das Ding im Sack habe. Auch wenn die letzten 8km noch eine Qual durch ein Wohnsiedlung wurde, da ich den Weg nicht richtig fand. Als ich auf dem Display dann sah das ich nur noch einen Kilometer hatte war ich überglücklich. Auch wenn kein Zielbanner und keine Freunde auf mich warteten, war es einfach ein tolles Erlebnis.
Mein Fazit:

1.       Der Lahnwanderweg bekommt von mir ein „absolut empfehlenswert“ für TRAILrunner. Die 68km verlaufen überwiegend auf Trails. Asphalt Anteile hat man selten und Forststraßen zu 20%
2.       Einen solchen Solo Lauf, sollte jeder mal machen. Es ist was ganz anderes, da man komplett auf sich alleine gestellt ist.
3.       der nächste Solo Lauf muss besser geplant werden was die Versorgung angeht, ich hatte Glück, auch wenn ich ca. 10km ohne Flüssigkeit laufen musste. Im Hochsommer kann das zu ernsten Problemen führen
4.       ich weiß das ich nicht der schnellste war und das ich leistungsmäßig nicht da bin wo ich gerne wäre, aber mein Kopf hat mir wieder mal bestätigt, das ich nie aufgeben werde mein gesetztes Ziel zu erreichen.
2017-03-24T07:30:59+00:00