Allgäu Panorama Ultratrail (von Christian Raiman)

aput_2013_14Der vom Skiclub 1909 Sonthofen und Axel Reuschs LAUFLADEN veranstaltete Allgäu Panorama Marathon bietet neben der klassischen Halbmarathon- und Marathondistanz auch eine Ultrastrecke mit 70 Kilometern und 3000 Höhenmetern an. Bereits seit 2009 im Programm, ist es einer der wenigen Wettkämpfe in Süddeutschland, der zwei Qualifikationspunkte für den UTMB liefert.

Unterkunft
Alte Turnhalle Sonthofen
Unabhängig vom Komfort der gewählten Unterkunft ist es doch immer das gleiche: die Nacht vor einem Wettkampf ist eher unruhig. Die Gedanken kreisen. Ist die Ausrüstung komplett? Hab ich ausreichend trainiert? Warum zwickt es gerade jetzt in meiner linken Wade? Warum also viel investieren, wenn es Alternativen gibt. So bietet der Veranstalter an, in der alten Sonthofener Turnhalle im Massenlager zu übernachten. Wer mit Ohropax schlafen kann und mit einfachen aber zweckmäßigen sanitären Einrichtungen klar kommt, schläft dort für 15€ auch nicht schlechter als im deutlich teureren Hotel. Ich würde mich wieder dafür entscheiden.

Anbindung
Die Anreise ist für mich als Nordschwabe unproblematisch. Entweder knapp zwei Stunden mit dem Auto oder – ökologisch korrekt – mit der Bahn. Ab Augsburg gibt es eine stündliche Direktanbindung nach Sonthofen. Für den Rest der Republik kann sich die Anreise in den südlichsten Zipfel Deutschlands durchaus langwierig gestalten.

Start und Ziel in Sonthofen sind etwa einen Kilometer voneinander entfernt. Man parkt also am besten im Zielbereich beim Freizeitbad Wonnemar oder gibt am Start einen entsprechenden Wäschesack auf, der dann im Zielbereich abgeholt werden kann. Dabei sollte man die Badesachen nicht vergessen, da die Teilnahme die kostenlose Benutzung des Wonnemars beinhaltet.

Organisation
Eines gleich vorweg: die Organisation des APUT zählt sicherlich zum Besten, was ich je bei solch einer Veranstaltung erlebt hab. Das Ganze beginnt beim Briefing in der Blank-Arena, wo die beiden Hauptverantwortlichen Axel Reusch und Christian Feger in lockerer Atmosphäre die letzten Informationen unters Läufervolk bringen. Daneben gibt’s eine kleine Messe mit überwiegend regionalen Händlern und natürlich die obligatorische Pastaparty.

Auch in der Früh um sechs Uhr am Start geht es sehr familiär zu.

Auf der Strecke selbst erwarten einen dann die freundlichsten Helfer, die man sich vorstellen kann. Die größtenteils durch örtliche Vereine gestellten Teams erfüllen (fast) alle Wünsche und feuern auch noch kräftig an. Die Stationen selbst sind dabei üppig ausgestattet. Wasser, Iso, Cola, Gels, Obst, Kuchen, Salziges – alles was das Läuferherz begehrt. Ob allerdings auch der letzte noch genügend Verpflegung vorfindet, kann ich nicht beurteilen.

Eine Besonderheit dann im Ziel: Axel Reusch gratuliert jedem Finisher persönlich mit Handschlag. Neben einer Medaille erhält außerdem jeder, der den APUT zu Ende läuft, ein “Steinmännle”. Sehr nett für die heimische Trophäensammlung!

Das umfangreiche Starterpaket umfasst einen Rucksack, ein Buff mit APM-Logo, ein Stirnband und diverse Hygieneartikel, außerdem den bereits oben erwähnten freien Eintritt ins Wonnemar (volle Whirlpools inbegriffen 😉

Ausrüstung
Die Untergründe beim APUT reichen von sehr technischen Wurzelpassagen und auch mal kürzeren steinigen Abschnitten über Forst- bzw. Wanderautobahnen bis hin zu einigen Asphaltschreddereien. Ich entschied mich für den Salomon S-LAB XT 5, ein guter Kompromissschuh, der, insbesondere bei Trockenheit, überall eine gute Figur macht und für die immerhin 70 Kilometer auch ausreichend Dämpfung mitbringt.

Ansonsten hängt das Ganze natürlich stark vom Wetter ab. Bei sommerlichen Bedingungen wählte ich:

● CEP Kompressionsstrümpfe

● Salomon S-LAB T-Shirt und Shorts

● Salomon Skin S-Lab 12 Rucksack

● Sziols X-Kross Running Brille

● Gore Running Wear Cap

● 08/15 Stoppuhr, Smartphone (zwecks Live-Berichterstattung über FB 😉

● Armlinge und Montane Minimus Regenjacke (beide nur vor dem Start getragen)

Pflichtausrüstung beim APUT sind lediglich Rettungsdecke und Signalpfeife, die beide vom Veranstalter gestellt werden.

Strecke
Die Strecke führt im großen Bogen gegen den Uhrzeigersinn von Sonthofen vorbei an Ochsenkopf, Riedberger Horn und Grasgehren ins Kleinwalsertal nach Riezlern. Von dort aus geht es dann hoch zum Söllereck und vorbei am Freibergsee nach Oberstdorf. Nach einer Stärkung in der Skisprungarena folgt der letzte und gleichzeitig schwerste Anstieg zum Sonnenkopf, ehe es von dort aus nur noch bergab ins Ziel zurück nach Sonthofen geht.

Bericht
Nach fünf Solo-Ultras in 2013 und dem Zugspitz-Ultratrail Ende Juni nun also, acht Wochen später, ein weiteres Saison-Highlight: der Allgäu Panorama Ultratrail.

Am Vorabend gab’s erst mal ein Wiedersehen mit ein paar Trampelpfadläufern vom 1. Taunus Trailrunning Wochenende im Rahmen des sehr lockeren Briefungs durch die Veranstalter.

Dieselbe Truppe hat sich dann auch am nächsten Morgen kurz vor dem Start wieder getroffen. Auch dort alles sehr familiär. Nach dem Countdown, eingezählt vom Veranstalter Axel Reusch, ging’s auch schon los. Ich fühlte mich erst mal total steif und schwer. Ob’s an der kurzen Nacht auf der mehr oder eher weniger bequemen Liege lag oder die vielen langen Läufe bereits doch erste Spuren hinterlassen hatten?

Wie dem auch sei, ich fand doch bald meinen Rhythmus. Entgegen meiner gewöhnlichen Renntaktik, erst mal gemächlich zu beginnen, orientierte ich mich gleich von Anfang an so im ersten Viertel der etwa 300 Starter. Auf wechselnden Untergründen und leider etwas hohem Asphaltanteil bis Kilometer acht rollte es richtig gut. Schnell wurde klar, woher der Ultra seinen Namen hat. Bei prächtigem Panorama mit Sonnenaufgang über dem Grünten war das Laufen fast Nebensache.

Vor der “Bergwertung” bei Kilometer 16 dann ein kurzer Zwischensprint. Einige Kühe kämpften mit uns Läufern um die Positionen auf dem schmalen Pfad.

Es folgte die erste Verpflegungsstation auf dem Parkplatz Grasgehren, ehe wir die Riedbergpassstraße kreuzten, Rohrmoos passierten und nochmals ein längeres Asphaltstück schredderten, das mir zugegebenermaßen ganz schön zusetzte: mein Schienbein schmerzte und das Thermometer stieg inzwischen rapide an. Ein erster Tiefpunkt! Doch mit der Erfahrung, dass nach einem Tief auch wieder ein Hoch kommt, kämpfte ich mich den Anstieg zum Berghaus am Söller hoch und konnte sogar einige Läufer überholen. Die Marathondistanz war nun geschafft und es folgte ein teilweise recht steiler Abstieg vorbei am wunderschön gelegenen Freibergsee bis hinunter nach Oberstdorf.

Als besondere Attraktion führte dort die Strecke mitten durch das Skisprungstadion, wo auch nochmals eine große Verpflegungsstation aufgebaut war. Cola, Iso, Kuchen – alles was das Herz nach fast 50 Kilometern begehrt.

Finale furioso!

Dass der letzte Anstieg der schwerste sei, darauf wurde bereits im Briefing hingewiesen. Doch dass er er so fies und gemein sein würde, war nach dem bisherigen Streckenverlauf nicht abzusehen. Mäßig ansteigend, kurze Verschnaufpause, ordentlich ansteigend und krass steil – so lässt sich dieser Abschnitt charakterisieren. Auf den letzten Metern zum Gipfel hatte ich das Gefühl, eher zu torkeln als zu gehen. Ich redete mir selber ein, was für eine „Kampfsau“ ich sei, um dort irgendwie hochzukommen!

Erste Anzeichen von Oberschenkelkrämpfen abgewehrt, folgte nun “nur” noch der Abstieg zurück nach Sonthofen. Und je näher das Ziel rückte, umso erstaunlicher war es wieder einmal, welche Kräfte man am Schluss doch nochmals mobilisieren kann.

Nach 8:48:50 Stunden nahm auch ich die persönliche Gratulation vom Veranstalter Axel Reusch freudestrahlend entgegen (das ist der wahre Marathon, den dieser Mann dort leistet, super!).

Gerne wieder in 2014!

Fazit
TOP!! Ich kann eine Teilnahme uneingeschränkt weiterempfehlen. Hervorzuheben sind die tolle Organisation und die schöne allgäuer Landschaft. Trampelpfadpuristen sollten allerdings kompromissbereit sein und vor längeren Forstwegabschnitten und einigen Asphaltpassagen nicht zurückschrecken.

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2017-03-24T07:30:57+00:0017.09.2013|