Kolumne: Regeneration

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Von Kolumnenklaus

Ich möchte mich heute mal kurz über ein wichtiges, oftmals unterschätztes Thema äußern, welches erfreulicherweise in letzter Zeit viel mehr Aufmerksamkeit erfahren hat:

„Das Schweißarmband im winterlichen Ultratrail –  strukturierte Analyse eines lang vernachlässigten Utensils.“

OK, das war jetzt Quatsch, sondern ich wollte ein paar glorreiche eigene Weisheiten über die Zeit vor und nach dem Laufen in der Wildnis (also jenseits des Asphalts) loswerden, aber da kam mir Prof. Hottenrott im obigen wissenschaftlichen Darstellungsstil schon zuvor. Ich zitiere aus der Trail Running Szene AT, Heft Mai/Juni 2016 S. 38: „ Ziel der Regenerationssteuerung ist es, geeignete Messgrößen für die Erfassung des gesamtorganismischen Regenerationszustandes zu detektivieren und dies in den Trainingsprozess so zu implementieren, dass optimale Trainingseffekte über längere Zeiträume erzielt und ein Übertraining vermieden werden.“

Großartig, aber ich finde man könnte das noch etwas prägnanter, klarer auf den Punkt bringen, ungefähr so:

Das ultimative Telos einer Regenerationssteuerung ist es, adäquate Valuierungsdaten für die systematische Kollektion des humanoiden Prozessstatus des gesamtorganismischen Regenerationszustandes zu detektivieren und dies in den Trainingsprozess so zu implementieren, dass optimale Trainingseffekte über das post-exercise geprägte Raum-Zeit Kontinuum erzielt und ein „functional overreaching training“ vermieden werden.

Oder etwas komplizierter, wissenschaftlicher ausgedrückt: frag dich selbst und deinen Körper, was dir guttut. Ich liebe ja so einen Bullshit Bingo, und es hat nicht lange gebraucht, dass auch im Trailrunning alles wissenschaftlich durchforscht wird. Bücher wollen gefüllt werden und Zeitschriften lechzen ja nach neuen Themen. Vielleicht sollte ich ja doch noch über das Schweißarmband habilitieren. Wobei, so weit davon entfernt sind wir ja nicht, wenn man sich mal die neue Welle der Datenerfassung mittels Armband anschaut.

Kürzlich in einer internationalen Wirtschaftszeitung habe ich einen Artikel gelesen, der behauptete, Schlafen sei in unserer beschleunigten Welt das neue Statussymbol. Mittels der neuen handlichen gadgets werden ja alle Aktivitäten und Nichtaktivitäten gemessen und diese werden dann sogleich über einschlägige Foren und soziale Netzwerke geteilt. So auch die Länge des Schlafs, denn Zeit haben zum Schlafen wäre Ausdruck des absoluten Vorzeige-Luxusgutes der ach so gestressten Turbo-Manager und Super-Neureichen. Insoweit hätte ja der neue Luxustrend ja tatsächlich was Gutes.

Da passt ja dann auch der ultimative Regenerationstipp: einfach sich hinlegen und schlafen. Sogar die Großen unserer Ultra-Welt (siehe die Interviews mit Anna Frost und Kilian Jornet) betonen die herausragende Bedeutung des Schlafs. Kilian beschrieb mir gegenüber seinen körperlichen Zustand auch mit der Schlafdauer, will heißen: 8 Stunden Schlaf=ich fühl mich prima. Übrigens ist der Mensch das einzige Säugetier, welches mit so wenig Schlaf auskommen will, bei all dem Stress. Hunde, Wildtiere, Pferde, also generell Lauftiere schlafen bis zu 18 Stunden oder noch länger am Tag. Ein gefangener Hamster hat angeblich die längste bis dato gemessene Schlafdauer von fünf Tagen hingelegt, ganz zu schweigen von den Tieren, die Winterschlaf halten. Das wär ein Leben, was? 6 Stunden am Tag Trailrunning und den Rest schlafen. Wir vom Trampelpfadteam haben da jeder für sich eine eigene Vorstellung von der individuellen Regenerationstechnik und die haben wir auch als sog. „work in progress paper“ verfasst und euch gepostet (jetzt verfalle ich auch schon in diesen pseudo speak – wird Zeit, dass ich „the road hitte“ und laufen geh).

Euer Kolumnen-Klaus

2017-03-24T07:28:01+00:00