Kolumne: Laufherbst

Kolumne: Laufherbst
von Kolumnenklaus

LaufherbstDas ist er, der Laufherbst. Er beginnt mit einer Zeitumstellung und schenkt mir daher eine Stunde länger laufen. Er ist bunt, die Luft ist herrlich frischfeucht und die Wege sind trailhaft-glitschig anspruchsvoll. Es wird früher dämmrig und dunkel und alle anderen werden griesgrämig und nachdenklich. Nur ich nicht, im Gegenteil, mir gefällt diese Jahreszeit, denn sie ist ehrlich. Es werden die belohnt, die frühzeitig aus den Federn kommen und mutig den Berg raufstiefeln, die Nebelwolkengrenzen überschreiten und in die Sonne reinlaufen. Und ehe der gemeine Wanderer merkt, dass es ein schöner Tag werden könnte, ist unsereiner schon wieder mit einer Tasse Tee in der Badewanne oder um 17 Uhr fast alleine in der Kinovorstellung. Und dann liebe ich die Herbst- Titelgeschichten in den Lauf- und Trailmagazinen. Da ist von Rückblick der Laufsaison die Rede, von Regeneration und Ausruhen. Es gipfelt in großartigen Ratschlägen jetzt mal wieder Zeit für die Familie und Freunde zu haben, alte Hobbies zu pflegen und noch dergleichen Schwachsinn mehr. Erstens sollten nie längere Pausen eingelegt werden müssen, wenn man es nicht übertreibt. Laufen sollte man immer, oder anders ausgedrückt, a bisserl wos geht allaweil. Und zweitens werden sich Familie und Freunde schön bedanken, wenn man ihrer nur zwischen Ende Oktober und dem Beginn der Skisaison gedenkt und gütigst ein paar emails oder Besuche schenkt. Und das Zurückblicken praktizier ich nur um Verbesserungspotential für die nächsten Läufe zu entdecken.

Zurück zu unseren Spätberufenen, den städtischen Wanderern, die durch einschlägige Zeitschriften jedes Jahr neu daran erinnert werden, dass Herbstzeit Wanderzeit ist und ein Wochenende mit etwas merkwürdigen Wetteraussagen naht. Eigentlich Mistwetter aber es könnte in höher gelegenen Gegenden Föhn geben. Föhn? Jetzt war genau so ein Wochenende und morgen heißt es dann wieder im Büro, er war aufm Berg und hat die Mördertour gemacht. Wenn das die angesagten Szenetypen aus der Stadt behaupten, dann hat sich das zumindest für Münchner ungefähr so abgespielt:

LaufherbstAm Samstag Mittag, wenn die letzten Wochenend-sundowner verdaut sind, stellt der gemeine Münchner fest, holla, es ist ja schönes Wetter, da könnte ich mit meinem Super Cabrio und der Pilotensonnenbrille doch in die Berge cruisen. So, dann wird sich gegen 14 Uhr gleich bei Holzkirchen hinten am Stau Richtung Tegernsee angestellt. Um 16 Uhr gelangt man dann zum Wallberg, fährt mit der Bahn hoch, zwitschert im Berggasthof auf der Terrasse ein Weißbier, macht mit der Nachbarin (die sich zufällig und unglückseligerweise neben unserem Protagonisten befindet) ein Selfie und postet es mit den Worten, “bin krass am Aufreissn nach nem halsbrecherischem Speedhike”, und fährt dann wieder runter und stellt sich ab Rottach-Egern wieder in den Stau. Den krönenden Abschluss bildet dann die zweistündige Parkplatzsuche, die man dann im Abschluß mit diversen Cocktails runterspült ehe unser Bergbahnheld dann um 2 Uhr ins Bett geht. Und am Sonntag wiederholt sich die ganze Prozedur (vorausgesetzt es ist noch Föhn). Denn der warme Südwind aus Italien (hierzulande Föhn genannt) bewirkt bei einigen Spezial-Charaktären noch einmal ein letztes spätsommerliches Aufbegehren nach dem Wiesn- Blues.

Klaus04Wenn aber dieser jemand an den Richtigen gerät, der ihn dann selbstgewiss fragt, ob denn der Glaslhang zum Wallberg wirklich schon offen sei, dann tja dann, zeigen sich zunächst alle Herbstfarben in dem Gesicht des Ertappten ehe der Föhn nur noch ein aschfahle Hautfarbe zurücklässt.

So, jetzt muß ich mich mal wirklich um meine Freunde kümmern. Freunde?

Euer herbstlaufender Kolumnenklaus

PS: Der Glaslhang ist gleichsam der Wallberger Vertical Cup, die Rottacher Streif sozusagen. 600 Höhenmeter bei bis zu 50 Grad Steigung und dieser Hang wird erst dann wieder aufgemacht, wenn alle Schafe und Ziegen Ende Oktober ihren Downhill angetreten haben.

2017-03-24T07:28:53+00:00

One Comment

  1. Bernd 28/10/2015 at 19:15 - Reply

    Toll geschrieben, besonders der Satz ” Und dann liebe ich die Herbst- Titelgeschichten in den Lauf- und Trailmagazinen” gefällt mir

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