Die adidas  Kumacross Halfrim ist eine hochwertige und gut verarbeitet Sportbrille, die leider fürs Trampelpfadlaufen nicht geeignet ist.

Die Kommerzialisierung des Trailrunnings
von Kolumnen Klaus

bergabDie Kommerzialisierung des Trailrunnings hat begonnen, der neue Outdoor Lauf-Trend wird massentauglich und nach allen marktwirtschaftlichen Gesetzen durch geschüttelt. Zuerst schießen Laufveranstaltungen wie Pilze aus dem Boden, jedes Tal, jedes Mittelgebirge, jede Region und jedes Tal will seinen eigenen Lauf, Ultra, Race kreieren und vermarkten, damit der Tourismus Fuß fasst bzw. auch die für den Wintersport aufgebaute Infrastruktur auch im Sommer besser genutzt wird. Neben den Nischenherstellern des Berg und Laufsports haben nun auch die großen Sportartikelhersteller wie Adidas mit großem Marketingaufwand den Trailrunning Markt für sich entdeckt und setzen nicht nur mit ihren Artikeln sondern auch mit Filmfestivals oder Mega-Events Maßstäbe. Und die ITRA, eine internationale Vereiningung der Trailrunner vergibt Kriterien für die Bewertung einer Veranstaltung und organisiert die Trailrunning-Szene. Eigentlich eine positive Entwicklung. Andererseits:

Läufe wie Lahmer Winkel, Alpen X oder kleinere Läufe werden kurz nach vermeintlich erfolgreicher Durchführung eingestellt, weil der Aufwand zu groß ist oder sich die Veranstaltung nicht lohnt. Namensrechte wie der Begriff Ultra Trail werden von den Inhabern juristisch geschützt und Organisatoren, die den Namen verwenden,  höflich aber bestimmt abgemahnt. Wundert das noch jemanden? Offensichtlich ja, betrachtet man die Vielzahl der Kommentare und shit-storms in den sozialen Medien. Da kann ich nur sagen: Willkommen in der neuen Welt des kommerziellen Trailrunnings.. Da erscheint es fast naiv und realitätsfremd, wenn sich Anhänger des schönen Sports über die Vorgehensweise der Familie Pollini (Inhaber des Namens  Ultra Trail) im Netz aufregen oder generell Krokodilstränen über die Entwicklung des immer höher, weiter, extremer vergossen werden.

Haben wir wirklich geglaubt, bloß weil wir fast ohne ökologischen Fingerabdruck durch die Prärie laufen, dass wir vor den marktwirtschaftlichen Einflüssen verschont bleiben? Wir sind doch ein Teil davon und wenn wir uns darüber aufregen, so sollten wir uns zunächst an die eigene Nase fassen. Wir lieben es doch, wenn die Veranstaltung gut organisiert ist, es reichlich und abwechslungsreich zu Essen gibt, Sponsoren nette Werbeartikel verteilen und die Eintrittsgelder human sind. Wir verschlingen Testberichte, schauen die Werbefilmchen und Festivalfilmchen an, lesen die Zeitschriften und kaufen uns die schönen neuen Artikel, die die Industrie uns anpreist. Es ist der ganze normale ökonomische Gang der Dinge. Ein Trend wird gesetzt, ein Markt eröffnet und erweitert mit vielen Anbietern, Herstellern, Sponsoren, Veranstaltungen, dann ist irgendwann einmal der Zenith erreicht, die Nachfrager gehen zurück, die ersten Anbieter gehen pleite, Veranstaltungen werden abgesagt und Sponsoren ziehen sich zurück. Alles das nennt man dann Marktbereinigung. Der Hype beruhigt sich wieder und einige wenige bleiben bestehen, setzen sich durch und gestalten die Bedingungen. So ist das halt. Ich denke, wir erleben gerade den Übergang von dem Trailhöhepunkt hinüber in die Phase der Marktbereinigung. Also, die ehrlichen Verfechter des Sports brauchen also nur abzuwarten und sich in Geduld üben, bis die „adabeis“ (bayerisch für „ich bin nun auch dabei, weil es jetzt halt so dazugehört“) dem nächsten Trend hinterherziehen und die Industriemeute folgt. Dann wird wieder Ruhe einkehren, etablierte Läufe fortbestehen, andere Läufe mit neuen Konzepten und Ideen folgen, Produkte im überschaubaren Maße erscheinen und alles nimmt wieder seinen gewöhnlichen Gang, ähh Lauf.

2017-03-24T07:27:26+00:0016.11.2016|

One Comment

  1. […] dem Trampelpfad läuft etwas schief, nämlich die zunehmende Kommerzialisierung einer Nischensportart: Trailrunning für die Masse oder höher, weiter, krasser. Eine lesenswerte Kritik an der aktuellen […]

Leave A Comment