Sehr seltsam fand ich, dass sehr viele Teilnehmer, die für den Marsch gemeldet waren und an ihrer blauen Startnummer als Marschierer zu erkennen waren, quasi alles liefen. Warum melden die sich denn nicht zum „Lauf“ an? Wenn das so gewollt ist, sollte man überlegen, ob es überhaupt eine Unterscheidung zwischen den einzelnen Klassen geben muss. Der schnellste Mann, der als Marschierer startete, war nach 5:45 Stunden im Ziel…

Karwendelmarsch 2015
52 km von Scharnitz nach Pertisau
von Lena

 

Da der Achensee von mir daheim nur eine gute Autostunde entfernt liegt und ich aber trotzdem zum Berggehen und Trailrunning bisher in diese Region nicht wirklich vorgedrungen bin,  wollte ich das diesen Sommer gern ändern. Der Karwendelmarsch, der auf 52 Kilometern von Scharnitz nach Pertisau führt, war dafür eine gute Gelegenheit. Recht spontan konnte meine Schwester Kathi einen Startplatz von einem Freund übernehmen und wollte hier dann ihren ersten Ultra laufen. Somit war klar, dass mir die Aufgabe der Begleitung zukam, die ich gerne übernahm. Sie ging allerdings als „Franz“ an den Start, da man leider keine Ummeldung mehr vornehmen konnte und die Startnummern bereits bedruckt waren. Auch Vroni, die bereits in Lam und Mittenwald mit von der Partie war, war wieder mit am Start. Im Startbereich trafen wir dann auch auf Sabine, Helga und Tom, die wir schon von diversen anderen Laufveranstaltungen kannten und die aus der Oberpfalz angereist waren. Somit waren wir wieder eine lustige Truppe und es versprach ein toller Tag zu werden.

Der Wetterbericht sagte strahlenden Sonnenschein und über 30 °C an – daher war die doch etwas frühe Startzeit um 6.00 Uhr gar nicht so schlecht, da man zumindest die ersten Stunden noch in angenehmen Temperaturen unterwegs sein würde. Aus selbigem Grund nahmen wir trotz zahlreicher Verpflegungsstationen unseren eigenen Trinkrucksack mit, da wir nicht auf dem Trockenen sitzen wollten. Eine Pflichtausrüstung gibt es nicht bei diesem Event, von daher war der Rucksack ungewohnt leicht. Der Lauf war am Abend vor dem Start noch ausgebucht, da sich viele die Gelegenheit, bei tollem Wetter teilzunehmen, nicht entgehen lassen wollten. Es würde also voll werden.

Um 4.00 Uhr brachen wir dann von Kiefersfelden aus auf, um gegen 5.15 Uhr in Scharnitz anzukommen und unsere Startunterlagen abzuholen. Parken konnten wir quasi direkt am Start, es gab ausreichende Plätze und somit waren die Wege am Morgen für uns kurz. Eigentlich wollten wir gerne nochmal die Toiletten aufsuchen, das war mangels ausreichender Örtlichkeiten jedoch nicht möglich und die Schlangen vor selbigen schier unendlich lang. Also ging es mit voller Blase direkt an den Start und wir ignorierten unser Bedürfnis. Dort trafen wir dann Helga, Sabine und Tom, die in einer Pension in der Nähe genächtigt hatten. Viel Zeit zum “Ratschen” blieb nicht, da auch gleich der Startschuss erfolgte und die Meute von 2500 Leuten sich um Punkt 6.00 Uhr in Bewegung setzte.

Viele stürmten los und wir versuchten aber erstmal im gemütlichen Tempo zu bleiben, es war ja doch noch ein weiter Weg vor uns. Die erste Stunde liefen wir noch im Halbdunkeln, aber bald sollten die ersten Sonnenstrahlen zwischen den Bergen links und rechts herausschauen. Die erste Verpflegungsstation passierten wir nach einer guten Stunde und stärkten uns mit Getränken und ein paar Keksen.

Zu Beginn des Laufes gewannen wir kaum Höhenmeter, dafür machten wir auf den Forstwegen rasch etliche Kilometer. Das Läuferfeld entzerrte sich nur sehr langsam und die Strecke war insgesamt doch recht voll.

Erst ab Kilometer 15 ging es dann steiler bergauf und wir erreichten das Ende des ersten Anstiegs auf Höhe des Karwendelhauses auf 1771 m gemeinsam mit Helga und Sabine. Hier gab es wieder Getränke und Essen, aber die Käse- und Wurstbrote lachten mich nicht an und ich trank Holundersaft und Wasser – leider etwas zu viel. Ab hier liefen wir dann in der Sonne, die morgens noch recht angenehm war, auf einem Forstweg ins Tal und kamen gut voran.  Das viele Wasser gluckerte im Bauch munter vor sich hin und der Druck auf der Blase, den wir frühmorgens noch ignorierten, meldete sich wieder. Also legten wir einen “Pieselstopp” in den Büschen ein und Kathi klebte sich eine Blase am Fuß ab, die ihr etwas zu schaffen machte.

Die Stimmung war hier kurzzeitig etwas schlechter, da meine Schwester sich über ihre Schuhwahl ärgerte und befürchtete, dass das Pflaster den restlichen Weg nicht halten würde. So versorgt konnte es aber dennoch weitergehen und wir liefen hinab zur nächsten Station, die sich in 1399 m Höhe am kleinen Ahornboden befand. Nach den obligatorischen Keksen (es gab leider keinen Kuchen – das sollte sich auch nicht ändern), Holundersaft, Wasser und einem Stück Banane machten wir uns auf den Weg zum nächsten Anstieg, der uns zur Falkenhütte bringen sollte. Immer wieder waren die Steigungen so, dass wir nicht wussten, ob wir sie noch laufen sollten oder schon Walking angebracht ist, also war ein munterer Wechsel von schnellem Gehen und langsamem Laufen das Mittel unserer Wahl.

Nach 25 Kilometern kam endlich mal etwas, das man als „trail“ bezeichnen konnte, er mündete aber recht schnell wieder in einen Forstweg, der sich in der prallen Hitze gen Hütte schlängelte. Kurz unterhalb war nochmal ein sehr schöner Wiesenpfad zu  bezwingen, hier floss der Schweiß bereits in Strömen und es ging nur noch langsam voran. Oben angekommen wurden wir von gutgelaunten Bergwachtlern empfangen und auch die Helfer vor Ort an der Verpflegung waren wieder sehr freundlich und befüllten unsere Trinkblasen neu, wir tranken und machten ein paar Fotos. Nach einem schönen Downhill über einen Forstweg und ein kurzes, hübsches Trailstück kam eine kurze Querung mit einem kleinen Gegenanstieg. Hier brach mir leider einer meiner Stöcke und ich musste den Rest er Strecke mit nur einem zurücklegen. Ein paar nette Bergwachtler versuchten zwar, ihn mit Tape zu kleben, aber leider hielt das nicht und ich befestigte die Reste hinten am Rucksack.

Mittlerweile waren wir bei Kilometer 32 angekommen und hatten somit nur noch 20 vor uns. Die nächsten Kilometer sollten uns über hübsche Trails hinunter in die Eng (1227 m) bringen. Hier war das Ziel für alle, die die 35-km-Strecke gewählt hatten. Bergab konnten wir leider nur recht langsam laufen, da immer noch sehr viele Leute auf der Strecke waren und Überholen hier auf den schmalen Wegen nur schlecht möglich war. Das machte uns aber nicht besonders viel aus, da wir mit unserem Ziel, auf jeden Fall unter 8 Stunden zu bleiben, noch sehr gut im Plan lagen. Meine Wunschzeit von unter 7:30 h hatte ich mittlerweile abgehakt, da wir bereits zu viele Stopps einlegten und bergab eben nicht schnell genug voran kamen. Aber in erster Linie ging es ja darum, Kathi bei ihrem ersten Ultra zu begleiten und bei Laune zu halten.

 

In der Eng stärkten wir uns nochmal mit Holundersaft, Wasser und Bananen und nahmen dann den finalen Anstieg zum Gramai Hochleger in Angriff. Anfangs war der Forstweg noch im Schatten und man konnte gut gehen, ich war mit meinem einzelnen Stock ein bisschen in Schieflage unterwegs, aber ganz ohne wollte ich dann auch nicht weiterlaufen. Bei Kilometer 39 kam nochmal eine Verpflegung und ab hier mussten wir die letzten Höhenmeter in der heißen Mittagssonne zurücklegen.  Der Weg wurde langsam schmaler und zu einem schönen Trail, der sich in Serpentinen hinaufschlängelte. Durch die Hitze und Anstrengung saßen hier am Wegesrand immer wieder Läufer, die kurz rasteten. Es ging steil bergauf und wir wanderten uns langsam, aber sicher dem höchsten Punkt entgegen. Das war teilweise schon etwas mühsam und wir waren froh, dass es nur ein kurzes Stück war, das so zurückzulegen war. Hier kam es leider wieder zu Staus, da scheinbar nicht jeder willens war, schnellere Läufer/Walker vorbei zu lassen und der schmale Pfad dies auch nicht permanent zuließ. Glücklich, endlich oben angekommen zu sein, liefen wir gleich weiter hinab zur Verpflegungsstation, an der uns Getränke erwarteten. Auch die leckeren Kekse ließen wir uns nicht entgehen.

Frisch verköstigt gingen wir den letzten Downhill an, von den Helfern an der VP noch mit der Info versorgt, es wären noch 11,5 Kilometer zu laufen bis ins Ziel. Das erste Stück konnten wir nur wieder recht vorsichtig bergan laufen, da der Weg schottrig und steil war und auch hier immer wieder viele Leute, die vor einem liefen. Ich lief ein Stück gemeinsam mit Sabine, die wir am letzten Anstieg einsammelten, wartete an der vorletzten Verpflegungsstation an der Falzturn Alm (1098m) aber dann wieder auf Kathi, die etwas zurück blieb. Ihr ging es zu dem Zeitpunkt leider nicht mehr ganz so gut, da ihre Füße schmerzten und auch die Motivation nicht mehr so ganz vorhanden war. Also ging es die letzten 9 Kilometer wieder gemeinsam laufend dem Ziel entgegen. Sabine lief etwas schneller und verabschiedete sich nach vorne. Der Weg war nun nicht mehr so steil und wieder gut laufbar, aber leider wieder der übliche Forstweg, der dann auch noch in eine Teerstraße überging. Zum Glück ging es immer noch leicht bergab und wir kamen zügig voran, vor allem getrieben von Kathis Wunsch, es möge doch nun endlich vorbei sein…

Die letzte Verpflegungsstation bei Kilometer 50 ließen wir links liegen und liefen weiter auf  der doch etwas zermürbenden Asphaltstraße dem Achensee entgegen. Wohl wissend, dass wir sicher unter 8 Stunden ins Ziel kommen passierten wir das „Noch 1 Kilometer“ – Schild. Kurz vor dem Zielkorridor feuerten uns dann noch Tom und Vroni an, die schon etwas länger im Ziel waren und so konnten wir nach 7:49 h angekündigt als „Lena und Franz“ auch endlich unsere 52 Kilometer durch das Karwendel beschließen und unsere Finishermedaillen (mit Glitzerstein!) entgegennehmen.  An der Zielverpflegung gab es dann endlich das wohlverdiente Weißbier, auf das wir schon so sehnsüchtig gewartet hatten und wir stießen auf „Ultra-Kathi“ an, deren Stimmung sich im Ziel schlagartig wieder verbessert hatte. Danach saßen erstmal ein bisschen im Schatten, bis wir uns dann aufmachten, unsere Finishergeschenke (es gab ein hübsches Dynafit-Stirnband mit Karwendelmarsch-Logo und diverse Pflegeprodukte lokaler Hersteller) abzuholen, zu duschen und die Heimreise (Bus-Shuttle zum Start) anzutreten.

Insgesamt hatten wir einen schönen Tag im Karwendel, das Wetter war traumhaft und man hatte zu jeder Zeit ein tolles Panorama. Es handelt sich hierbei um eine Massenveranstaltung und man sieht, dass die Veranstalter wissen, was sie tun. Im Großen und Ganzen war die Organisation wirklich sehr gut, im Startbereich hätten wir (und viele andere) sich ein paar mehr Toiletten gewünscht. Alle Helfer waren superfreundlich und hilfsbereit, an allen Verpflegungsstationen waren jederzeit genügend Becher vorbereitet, so dass man nur zugreifen musste.  Leider fand ich persönlich das Angebot an den Stationen nicht so ideal. Es gab Wurst- und Käsebrote sowie Äpfel, Bananen, Kekse und Kletzenbrot. Als Getränke standen Wasser, Tee und Holundersaft (der war super – habe gefühlte 5 Liter getrunken) zur Auswahl. Vor allem an den letzten Stationen wäre Cola oder Iso schon schön gewesen und auch Riegel oder Kuchen habe ich vermisst. Dafür gab es wirklich sehr viele Stationen, was bei dem Wetter wirklich toll war, da man quasi jederzeit auftanken konnte.

Die Strecke ist mehr als Ultra-Landschaftslauf zu bezeichnen und definitiv keine Trailrunning-Veranstaltung, da der Anteil der Forststraßen wirklich enorm hoch ist. Zeitweise kam ich mir vor wie auf einer Autobahn. Dadurch, dass die Aussicht drum herum super war und man immer viel zu sehen hatte, war das okay, aber es war für meinen Geschmack zu viel Fahrweg.

Sehr seltsam fand ich, dass sehr viele Teilnehmer, die für den Marsch gemeldet waren und an ihrer blauen Startnummer als Marschierer zu erkennen waren, quasi alles liefen. Warum melden die sich denn nicht zum „Lauf“ an? Wenn das so gewollt ist, sollte man überlegen, ob es überhaupt eine Unterscheidung zwischen den einzelnen Klassen geben muss. Der schnellste Mann, der als Marschierer startete, war nach 5:45 Stunden im Ziel…

2017-03-24T07:29:03+00:0001.09.2015|

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