Kilian03Interview mit Kilian Jornet  beim Salomon O.U.T Festival 
von Klaus von Brocke

Klaus: Hi Kilian, du bist in Stuttgart um deinen Film Langtang vorzustellen. Eigentlich hattest du ja vor, im Rahmen deines Projekts „summits of my life“ den Mount Everest zu erlaufen. Dann kam mit dem Erdbeben alles anders, aber ihr seid trotzdem hingeflogen. Und was du da erlebt hast, hat dich sichtlich bewegt. Erzähle uns davon.

Kilian: Im Nachhinein betrachtet bewegt es mich umso mehr was ich dort erlebt habe, seitdem ich wieder hier bin und ich die Unterschiede erkenne. Natürlich wussten wir und konnten erahnen, was uns dort nach dem verheerenden Erdbeben erwartete. Und so kam es auch. Sobald wir dort waren und das ganze Elend erkannten, haben wir geholfen wo wir nur konnten und es gab weiß Gott viel zu tun. Wir waren ja teilweise die ersten Helfer vor Ort. Wir haben Tote geborgen und zu den Botschaften gebracht, wir haben den Überlebenden geholfen ihre Habseligkeiten zu finden und mit ihnen die Trümmer wegzuräumen. Vor Ort habe ich das alles gar nicht so richtig verarbeiten können, man ist ständig unter Strom und unter Adrenalin.

Aber zu Hause merke ich erst wie herzlich die Menschen sich gegenüber uns verhalten haben. Diese Leute haben sprichwörtlich alles verloren und haben trotzdem uns ihre Gastfreundschaft angeboten, ihre letzten Decken und Nahrungsmittel geteilt und uns das Gefühl gegeben, dass wir willkommen sind. Das war schier unglaublich. Da gab es, zum Beispiel, diesen Mann der seine ganze Familie verloren hatte und sein Haus war zerstört aber als wir bei ihm ankamen, meinte er, wir sollten bei ihm die Nacht bleiben, weil es zu spät war weiterzugehen. Und alles was er noch besaß hat er uns angeboten. Er hat dann einen sporadischen Holzunterschlag aufgebaut, indem wir übernachten konnten. Und dann kommst du hierher zurück und die Menschen machen aus nichts große Probleme!

Klaus: Ja allerdings. Auf diesen Film bin ich echt gespannt. Gehen wir zurück zu deinen Anfängen. Du bist in den Pyrenäen aufgewachsen, ein Bergkind sozusagen. Haben dich die Berge dazu inspiriert immer ganz oben sein zu wollen und das möglichst schnell und am besten als Erster?

Kilian04Kilian: Zunächst einmal haben mich meine Eltern so erzogen immer das zu tun, was mir gefällt und frei über mein Tun entscheiden zu können. Und das ist, glaube ich sehr wichtig um die Motivation aufrecht erhalten zu können, dass man das tut was einem liegt, gefällt und stets auf sich und seinen Körper hört. Und das ist nicht nur wichtig beim Sport sondern bei jedem Beruf. Man sollte seiner Leidenschaft und Neigung folgen und wirklich das tun, was man liebt. Und das macht einen gehörigen Unterschied. Für mich gibt es keinen Druck zu trainieren oder eine Verpflichtung genau zu einem bestimmten Zeitpunkt laufen zu gehen. Zum Beispiel sehe ich es als meinen Job an mit dir hier ein Interview zu führen oder bei der Entwicklung von Laufschuhen oder Ausrüstungsgegenständen zu helfen, aber Laufen ist mein pures Vergnügen. Dazu muss ich nicht extra motiviert werden.

Und auch wichtig, meine Eltern lehrten mich sich bietende Gelegenheiten wahrzunehmen und Entscheidungen selbst zu treffen, also wirklich ich zu sein, selbstbestimmt und autonom zu handeln ohne auf Erwartungen von außen oder Konventionen Rücksicht nehmen zu müssen. Ich erinnere mich an ein Ereignis, da bin ich mit meiner Schwester und meiner Mutter in den Bergen gelaufen. Wir Kinder sind immer vorausgelaufen und bei einer Weggabelung habe ich entschieden, dass wir diesen Weg weitergehen. Tja, das war prompt der falsche und wir kannten uns nicht mehr aus. Meine Mutter blieb ganz ruhig und ließ uns analysieren, wie wir da wieder rauskämen und was wir falsch gemacht haben. So haben wir auch wieder zurück gefunden. Aber das Wichtigste daran war, dass unsere Mutter es erstmal geschehen ließ, obwohl sie natürlich wusste, dass es der falsche Weg war. Ich glaube, das ist bei Kindern sehr wichtig, ihnen Freiraum zu geben auch mal Fehler zu machen und nicht sofort als Eltern einzuschreiten bzw. dass der Vater wie üblich alles vorher plant und die Entscheidungen schon vorher selber trifft. Es hat mich auch gelehrt, immer wieder mich selbst zu hinterfragen, warum hast du dich so und nicht anders entschieden, und zu analysieren, warum mir das jetzt gefallen hat und andere Dinge, auch die gibt es, völlig daneben gingen. Du bist verantwortlich für dich und dein Tun und man sollte nicht jemanden anderen über sich entscheiden lassen, was gut und schlecht für einen ist.

Klaus: Fließt diese Einstellung auch in dein Trainingskonzept mit ein? Für uns Laienläufer, die wir auch Ultradistanzen in Angriff nehmen, kannst du uns ein wenig teilhaben, wie du trainierst? Hast du ein Geheimrezept?

Kilian: Das hört sich vielleicht jetzt komisch an aber ehrlich, ich hab keinen Plan! Na ja gut, klar ich hab Sportwissenschaften studiert und ich hatte auch einen Trainer bis zu 18. Lebensjahr. Aber danach trainierte ich eigentlich für mich und ohne Unterstützung von außen. Und mein Geheimrezept? Ich schreibe seit 2008 regelmäßig akribisch Berichte über meine Laufeinheiten, Trainings, Wettkämpfe etc. und schildere genau meine Gefühle, meine Daten, meine Zeiten. Ich liebe es, mich zu analysieren und da bin ich sehr wissenschaftlich unterwegs. Ich höre sehr genau auf mich und meinen Körper. Zum Beispiel mach ich mir am Morgen Gedanken, was ich tagsüber unternehmen könnte. Und dann befrage ich meinen Körper und mein Befinden und reflektiere darüber und so treffe ich immer die richtigen Entscheidungen. Wenn ich mich demgegenüber strikt an einen Trainingsplan halten müsste, so würde ich bestimmt an manchen Tagen gegen meinen Körper entscheiden und das wäre dann ein Anti-Training, es würde mich nicht weiter bringen.

Aber mit der Zeit und so vielen Laufeinheiten und Wettkämpfen gewinne ich natürlich eine gewisse Erfahrung und Routine und weiß ganz genau, was ich jetzt meinen Körper zumuten kann und was nicht und so individuell und frei gestalte ich auch mein Training. Sicherlich weiß ich schon im Voraus, auf Grund des Rennkalenders im Sommer und im Winter was ich schwerpunktmäßig trainieren muss, also Höhenmeter oder Distanz, aber sonst agiere ich eigentlich sehr flexibel. Und nicht zu vergessen, für mich ist das Trainieren keine Qual, sondern im Gegenteil, es macht mir Spaß und all diese Gegebenheiten notiere ich auch in meinen Tagebüchern.

Ich schreibe mir auch auf, wieviel ich reise und wie sich das auf Körper und Psyche auswirkt, ob dadurch meine Leistung beeinträchtigt wird. Ich vermerke auch meine benutzten Ausrüstungsgegenstände und wie ich damit zu Recht gekommen bin und ich schreibe auch meinen psychischen Zustand auf. Das ist ohnehin ein wichtiger Einflussfaktor, nämlich ob du einen Lauf nach einer stressigen Situation absolviert hast oder ob du völlig unbekümmert in ein Rennen gestartet bist. Gerade der seelische Zustand wird sehr häufig unterschätzt bzw. fehl gedeutet. ZB. leidet die Leistungsfähigkeit, wenn man nach psychisch anstrengender Arbeit, belastender Reisetätigkeit oder mit viel Sorgen in einen Wettkampf geht. Ich bin kein sehr geselliger Mensch. Es kostet mich zum Beispiel sehr viel Energie, wenn ich mehrere Tage, so wie jetzt, viele Menschen um mich habe, mich darstellen soll, Interviews gebe und auf Promotion-Tour gehe. Andererseits weiß ich aber dann auch, wenn ich wieder für mich bin und längere Zeit selbstbestimmt agiere, dann habe ich wieder enorm viel Energie, um in ein Rennen zu gehen. Also, die Kombination aus körperlicher Leistungsfähigkeit, mentaler Stärke und der richtigen Ausrüstung macht es aus, dass du gut und effizient trainierst und erfolgreich in den Wettkämpfen bist.

Klaus: Jetzt liegt mir aber dann schon eine Frage auf dem Herzen. Sieht man sich all deine Erfolge an und was du alles unternimmst, woran du teilnimmst, für unsereiner ist das schlicht Wahnsinn und müsste doch unweigerlich zu einem Run Burn-out führen. Mit deiner Methode scheinst du ja dieser Gefahr vorzubeugen?

Kilian05Kilian: Also, es ist erstmal eine Sache, dass man sich nicht verletzt und das man auch im Rahmen seiner Möglichkeiten bleibt, also nicht allzu waghalsiges oder gefährliches tut. Da achte ich schon sehr darauf. Es ist aber in der Tat etwas anderes, dass man auf seine Psyche achtet um nicht in dieses geistige Übertraining oder in diesen Run Burn-out zu fallen. Und du hast schon Recht, gerade bei den Spitzenathleten, die die langen Distanzen bevorzugen, gibt es sehr viele Beispiele, dass nach zwei, drei Jahren großartiger Rennergebnisse eine Phase der Pause oder Ruhe folgte und sie dann wieder zurück kamen. Das hat sicherlich auch mit der mentalen Stärke zu tun. Klar ist es nicht auf Dauer körperlich gesund über Jahre unzählige Ultraläufe zu bestreiten, ich denke ein bis zwei pro Jahr ist in Ordnung aber mehr auch nicht. Auch wenn du so ein hohes Niveau erreicht hast, besteh die Gefahr, deinen Körper wie eine Art Maschine zu betrachten. Man wird geradezu manisch alles richtig zu machen, sich stets zu gängeln, tu dies und tue das nicht. Und wenn es zu einem Zwang wird und du bei allem Eifer zu leben vergisst und dich nur noch zwingst, dann geht das sicherlich über kurz oder lang schief. Es muss Spaß machen sonst hat es keinen Sinn.

Klaus: Vielleicht ist das auch dein Geheimnis, die Lockerheit und die Abwechslung in dem was du tust?

Kilian: Ja genau, darauf wollte ich auch hinaus. Ich habe und spüre auch keinen Druck bei dem, was ich mache oder eventuell machen möchte. Ich entscheide relativ spontan und wechsle deswegen auch häufig die Sportarten, ich sorge schon selbst für Abwechslung im Kopf und Abwechslung in der Umgebung. Das ist wirklich wichtig. Wenn du noch Kind bist, ist das einfach. Da muss man nicht groß motiviert werden. Aber mit zunehmendem Alter und deiner Erfahrung braucht man auch verschiedene Stimulierungen und das erhält man am besten, indem man Abwechslung in sein sportliches Leben bringt. Das ist wirklich wichtig um eine längere Karriere als Sportler zu haben.

Klaus: Was machst du eigentlich im Urlaub? Gehst du eigentlich in den Urlaub?

Kilian lachend: Das erste Mal, ich glaube vor drei Jahren, war ich am Ende der Laufsaison in der Nähe von Mauritius. Emilie war auch dabei und so haben wir beschlossen, zehn Tage auf der Insel zu bleiben. Wir hatten vor, dass wir an Strand gehen und es uns gut gehen lassen. Gesagt getan, waren wir also den ersten Tag auf der Insel, sind an den Strand, haben die Beine ins Wasser gehalten, die Fische gefüttert usw. und fragten uns dann am Abend: Und jetzt? Am zweiten Tag sind wir aufgestanden und haben gefragt, ob wir die Flugtickets ändern könnten. Wir konnten, und dann sind wir zurück geflogen und sind nach Frankreich zum Skifahren gegangen.

Und letztes Jahr hatte ich 15 Tage Urlaub und da ich noch einen Event in Malaysia hatte, bin ich von dort nach Nepal zum Klettern geflogen. Urlaub für mich ist eigentlich eher komplett alle Medien auszuschalten und Abstand von seinem sonstigen Leben zu gewinnen. Aber das heißt für mich nicht nichts zu tun. Wenn mein Körper mir sagt „lauf“, dann lauf ich und wenn er mir sagt, „halt inne“, dann bin ich ruhig. Letzte Woche habe ich zum Beispiel zwei Tage nicht trainiert, da ich mich nicht wohl fühlte. Es war das Ende der Skitourensaison, das Wetter war schlecht und mein Körper sagte nein. Und das war auch kein Problem für mich, dann habe ich einfach nichts getan. Mental ist es, wie gesagt, auch wichtig sich zu lösen und die Verbindung zu kappen. Und auch einmal in die Berge zu gehen ohne irgendetwas zu tun außer abzuschalten und zu beobachten.

Klaus: Das bringt mich genau zu meinem nächsten Stichwort: Regeneration. Auf deiner Homepage gibst du sehr genau Auskunft über deine „körperlichen Daten“ und auch wie lange du schläfst, nämlich acht Stunden. Reicht das bei deinen Anstrengungen?

Kilian: Ja ja, ich versuche sogar auch länger zu schlafen, aber es geht nicht. Mir reicht das völlig und die acht Stunden brauche ich auch nur, wenn ich trainiere. Wenn ich zu Hause bin und arbeite oder andere unsportliche Dinge mache, schlafe ich nicht so viel. Ich benötige das auch gar nicht, weil ich von Grund auf eher nicht so der gestresste Mensch bin. Das ist natürlich anders, wenn man einen mental herausfordernden Beruf hat, viel unter Druck steht, dann muss man sehr wohl auf seine Ruhephasen achten, um wieder Energie zu tanken, sonst wird man krank. In sich gelassenere und ruhigere Menschen in einer beschaulichen Gegend benötigen weniger Schlaf und Auszeiten. Es ist eigentlich ganz einfach, wenn man mal darauf achtet. Auch spielt natürlich die Erfahrung eine Rolle, wenn man auf sich und seinen Körper hört, also ganz je nachdem, was der Körper dir sagt, sollte man das auch befolgen.

Klaus: Mal eine verwegene Frage: Läufst du eigentlich auch in anderen Schuhen jenseits von Salomon?

Kilian: Ja klar! Ich spiele mit allen Marken, ich bin ein Ausrüstungsfreak und will alles ausprobieren. Und wenn mir etwas gefällt, passt oder vorteilhaft ist, dann fließt das natürlich in meine Vorgaben für Salomon mit ein. Ich will mich ständig verbessern und auch meine Ausrüstung verbessern und wenn ich durch Neuigkeiten inspiriert werde dann gebe ich das gleich weiter. Das gilt übrigens auch für die Unternehmungen anderer Läufer. Ich lasse mich gerne von anderen Ideen verleiten und anregen.

Klaus: Wie sieht generell neben deiner Initiative bei dem Tromsö Ultra für dich der ideale Wettkampf aus?

Kilian02Kilian: Uih, der Lauf muss wild sein, technisch anspruchsvoll, mit Kletterpassagen, man braucht alpine Erfahrung und natürlich jenseits der Pfade, also wirklich durch die Pampas, damit scheiden schon mal die Alpen als Austragungsort aus, denn da braucht man viele Genehmigungen. Vielmehr wäre der ideale Ort wohl die USA, Himalaya, Patagonien, Kamtschatka oder Skandinavien (deswegen Tromsö). Der Colorado 100 hat es mir in dieser Hinsicht angetan. Auch weil es dort nicht um irgendeine Preisverleihung geht oder um Podiumsplätze, es geht nicht um Platzierungen, sondern jeder, der diesen Lauf geschafft hat, ist ein Gewinner. Es geht bei diesem Lauf um die gesammelten Erfahrungen und Eindrücke in der Natur, also genau um das, für was Trailrunning auch steht. Aber versteh mich nicht falsch, mir gefallen auch die großen Läufe wie UTMB und Transvulcania. Das ist wie bei einigen Bergetappen der Tour de France, dieser frenetische Jubel der dicht stehenden Zuschauer, das bringt auch Gänsehaut und da gehört auch das Medien-Gekreische dazu. Aber ganz ehrlich liegen mir die kleineren, familiären Läufe mehr.

Klaus: Du hast doch bestimmt schon mal von den 24 Stunden Läufen gehört, meistens umrundet man eine fest vermessene Strecke zig mal oder läuft eine Tartanbahn. Wäre das was für sich?

Kilian etwas schelmisch: Nein, eher nicht, da müsste ich schon irgendein Rauschmittel einnehmen um das zu schaffen, das wäre nichts für mich. Aber ich bewundere die psychische Leistung und es wäre sicherlich einmal interessant so etwas auszutesten, aber nee, nicht mit mir.

Klaus: Mount Everest, glaubst du, du kannst dein Projekt „Summits of my life“ erfolgreich zu Ende führen?

Kilian: Also wir fliegen dieses Jahr im Herbst wieder hin, aber ich denke, es ist ein langwieriges Projekt. Bei diesem großen Berg brauchst du Geduld. Ich muss auf die optimalen Bedingungen warten, das kann dieses Jahr der Fall sein, oder erst nächstes Jahr.

Klaus: Treffen wir dich dieses Jahr noch bei irgendeinem großen, bekannten Lauf an? Macht dir da eventuell Salomon als dein Sponsor irgendwelche Vorgaben?

Kilian: Nein, ich bin absolut frei zu entscheiden wo ich laufe und starte. Und ich werde in meiner Gegend, also in den Pyrenäen bei einigen Wettkämpfen starten. Salomon macht schon Vorschläge und sie entdecken auch immer wieder neue, sehr reizvolle Läufe. Aber ich entscheide dann selbst, ob ich an diesem oder jenem Lauf teilnehme.

Klaus: Hättest du auch mal Lust in einem Mehrtagesrennen zu starten, in einem Team?

Kilian: Also im Winter, bei diesen Skitourenrennen gibt es das ja sehr häufig und da mache ich das sehr gerne. Und auf deine Frage von vorhin zurück zu kommen, wie sähe mein idealer Wettkampf aus, da könnte ich mir gerade einen so technisch schwierigen Parcours vorstellen, den man eben nur im Team bewältigen kann. Das stelle ich mir sehr reizvoll und spannend vor, gerade wenn man die Erfahrungen teilen kann.

Klaus: Siehst du aber bei dem ganzen gegenwärtigen Hype nicht auch die Gefahr, dass die Eventkultur auch beim Trailrunning übertrieben wird?

Kilian: Ja leider, mittlerweile überbieten sich ja manche Veranstalter nur noch damit, wer hat den längeren, höheren, schwierigeren Parcours zu bieten. Und da muss man schon aufpassen, darum geht es im Trailrunning auch gar nicht. Manchmal sind es gerade die kleineren 20 km Läufe, die super schwer und brutal, aber auch super schön sind. Am besten sind für mich die Läufe, die, wenn man das Relief, die Umgebung, die Landschaft betrachtet, logisch in ihrem Ablauf sind, also zB. UTMB, da ist die Runde ganz natürlich und demnach die Distanz eine logische Folge, oder manche Läufe haben einen geschichtlichen Hintergrund oder es gibt eine naturgegebene Linie von A nach B, aber einen Lauf sinnlos mehrfach über eine Bergkette schleifenartig zu führen nur damit Höhenmeter und Kilometer zusammen kommen ist quatsch und nicht logisch. Die Kletterer sprechen bei dem Anblick eines Felsmassivs von der naturgegebenen Route, die ein Wassertropfen felsabwärts nehmen würde. Das ist eine logische Linie und das ist für mich bei einem guten Lauf vergleichbar, eine naturgegebene Strecke, die sich ohne viel dazutun einfach ergibt, weil sie ins Auge sticht. So etwas gefällt mir und das macht den Spaß bei guten Trails aus und je nachdem ergibt sich eine Distanz von 20 km oder eben von 170 oder noch mehr Kilometern.

Klaus: Woh, sehr inspirierend, ich würde gerne gleich los laufen. Kilian, letzte Frage über dein neues Buch „The invisible border“, wann kommt es endlich auf Englisch oder Deutsch heraus?

Kilian: Ja ja, das müsste bald erscheinen, zumindest auf Englisch kommt es in Kürze. Das Buch ist ganz anders als mein Erstes. Der Titel lässt erahnen, um was es mir geht.

Klaus: Ich freu mich schon drauf und ich werde sicherlich in unserem Blog darüber berichten. Kilian, vielen Dank für das sehr anregende und offene Gespräch und viel Erfolg weiterhin bei deinen Projekten.

2017-03-24T07:28:17+00:0002.04.2016|

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