Grossklockner Ultra-Trail und Glockner-Trail 2015

sehr zu empfehlen! Die Trails sind jedoch stellenweise sehr anspruchsvoll und nicht zu unterschätzen. Die Markierung der Strecke war einfach super – ein Verlaufen war absolut nicht möglich, da überall die kleinen, roten Fähnchen oder die weißen Bänder angebracht waren. Immer wieder waren Kontrollposten eingerichtet, die sich die vorbeilaufenden Nummern notierten und uns mit Traubenzucker fütterten. Dass es nur zwei Verpflegungsstationen gab, war vorher klar, eine weitere wäre zwar nicht schlecht gewesen, aber in dem Gelände auch nicht so einfach zu realisieren. Da wir am Bach unsere Getränke nachfüllten und genug Essen dabei hatten, war das völlig in Ordnung.

GrossklocknerLogo

Wir durften bei der Premiere des Grossklockner Ultra-Trail 2015 dabei sein und hatten auf beiden Distanzen einen Trampelpfadläufer am Start.

Lena ging beim Glockner Trail an den Start “zum Bericht”
Klaus ging beim Glockner Ultra Trail an den Start

Großglockner Ultra Trail 110km/7.000Hm
Eine DNF Erfahrung oder ohne MAUT geht’s halt nicht auf den Glockner hinauf.
von Klaus von Brocke

Jetzt hat auch unser Nachbarland Österreich seinen Rundlauf um sein alpinistisches Wahrzeichen, den höchsten Berg der österreichischen Alpen und naht sich nun ein in die glorreiche Riege des UTMB, des Lavaredo, des ZUT, des Irontrails und des Südtirol Ultrarace. Allesamt hochanspruchsvolle Ultratrails mit satten Höhenmetern. Könnte man ja eine alpine Rennserie daraus machen und wie ich gehört habe, war auch tatsächlich ein Vertreter der Ultra Trail World Tour vor Ort.

Eigentlich ist es vermessen über den Lauf zu schreiben, denn von 110 km und 7000 Höhenmetern habe ich gerade mal 20 km und 1500 Höhenmeter absolviert. Wer mehr über die ganze Strecke und die Erlebnisse der Finisher erfahren will, sei auf die Homepage oder Facebook Seite www.ultratrail.at verwiesen. Allerdings waren es wohl nur knapp 70 Läufer von ca. 250, die es tatsächlich geschafft und durchgezogen haben. Die meisten anderen haben wohl freiwillig oder auf Bitte der Bergwacht hin den Lauf zur Halbzeit bei Kals abgebrochen. Andere, die da schon durch waren, wurden wegen des aufkommenden Gewitters und starken Regens von der Strecke genommen.

Dennoch möchte ich natürlich als Trampelpfadjünger, der ich von den „Großen“ eine Freikarte für den GGUT erhalten habe, pflichtgemäß meinen Beitrag leisten und von meinen Erfahrungen bis zur Aufgabe des Rennens berichten. Vielleicht schützt es ja den einen oder anderen davor, die gleichen Fehler zu begehen. So möchte ich getreu dem Ort, an dem ich ausgestiegen bin, nämlich der Mautstelle der Großglockner Höhenstrasse, meine Analyse des Scheiterns wie folgt gliedern: MAUT, Mitsprache, Ausdauer, Untersuchung und Training.

Mitsprache
Ich knüpfe nahtlos an meine euphorischen Gefühle nach dem Lavaredo Ultra an. Ich dachte mir, vier Wochen Regeneration mit so gut wie keiner sportlichen Betätigung außer Gassi gehen und etwas MTB fahren wären ausreichend. Ich habe ausdrücklich meiner Frau, einer erfahrenen Sportphysiotherapeutin das Mitspracherecht entzogen, wohl wissend, dass sie die vier Wochen für mein Alter als zu wenig Zeit angesehen hätte. Denn auch die Qualität der Regeneration ist entscheidend. Ruhe allein reicht bei solchen Anstrengungen nicht. Und schon gar nicht, wenn Familienfeierlichkeiten, Geschäftsreisen und die normale tägliche Arbeit ohne ein paar Tage des gleitenden Übergangs auf mich einstürzen. Aber, wie gesagt, sie hatte ja kein Mitspracherecht und folglich bin ich dem Frank Sinatra Song „I did it my way“ blind gefolgt und wollte es allen, auch mir, nur nicht meiner Frau Recht machen.

Ausdauer
Natürlich habe ich eine gewisse Ausdauer. Nur, um diese wirklich abrufen zu können, müssen bei mir schon arg viel Grundkonstellationen gegeben sein, dass für mich ein Ultra auch wirklich zum Erfolg werden kann. Es darf nicht zu heiß aber auch nicht zu kalt sein, es sollte am Anfang nicht regnen und mittendrin eigentlich auch nicht, es sollte nicht zu steil losgehen aber auch nicht zu lange zu flach, es sollten nicht zu viel super Ultras im Startfeld sein, aber auch keine Hillwalker und  und  und… Aber was ich gar nicht haben kann ist, wenn es dermaßen schwül ist, die Strecke sofort steil hoch geht und das Rennfeld aus lauter Gigamaschinen zu bestehen scheint. Bei solchen Verhältnissen fehlt es mir einerseits in der Tat an der Ausdauer sofort hochpulsig den ersten Anstieg zu schaffen ohne später völlig aus dem Häuschen zu sein und andererseits an der psychischen Kraft, sich ganz hinten anzustellen und seinen Pace zu gehen, auch wenn alle anderen davon eilen.

Untersuchung
Vielleicht hätte ich gar nicht erst am Start stehen sollen. Noch vor zwei Wochen saß ich beim Doc, der ob der Betrachtung meines linken Fußgelenks wortlos das ganze Profiarsenal an Maßnahmen zur Schnellheilung der Bänder und Knöchel herunterspulte (ich war beim Gassigehen in einem unaufmerksamen Moment über einen größeren Stein gestolpert und habe mir das Gelenk sehr stark überdehnt). Leser meines Lavaredo Berichts werden sich vielleicht erinnern, dass mir das Missgeschick auch zwei Wochen vor dem Dolomitenultra passiert ist. Nur war da mein Knöchel nicht ganz so blau und geschwollen. Jedenfalls wollte ich keine eingehende Untersuchung sondern nur schnellstmögliche Behandlung auf das ich einfach laufen und starten konnte. Der Rest (Weiterlaufen oder Aufgabe) würde sich dann von selbst ergeben. Bis zum Freitagmorgen war ich mir somit nicht hundert-prozentig sicher, ob ich überhaupt starten könnte bzw. sollte, und wenn mit welcher Bandage (ich hatte drei verschiedene Stärken zur Auswahl). So ging ich ohne Untersuchung aber mit Bandage der zweiten Stärke an den Start, zugegebenermaßen schon verunsichert und etwas wacklig auf den Beinen. Ein Fakt, der sich auch auf die allgemeinen Psyche und Kondition auswirken sollte.

Training
Training, was ist das? Ich trainiere, in dem ich Gassi gehe, an Wettkämpfen teilnehme oder inspirierende Berichte lese. Trainingspläne sind mir ein Graus. Ich bin im Beruf eh schon so getaktet und diszipliniert, da möchte ich nicht auch noch in meiner Freizeit gegängelt werden. Deswegen gefällt mir ja das „Trailrunning“ so gut. Einfach rein in die Prärie und loslaufen. Und selbiges beziehe ich auch auf die Ernährung während eines Rennens. Ich habe das noch nie wirklich getestet oder trainiert. Ich hab mal wo gelesen, dass wir, also  die Nicht-so-wirklichen-Ultraläufer (NSWUL) all das essen dürfen, wonach es einem gelüstet. Nur, muss ich das gerade jetzt testen? Ja, ich muss, wann denn sonst? In meinem anderen Leben als „wirklicher-Rollkoffer-schiebender-Business-Kasper“   (WRSBK) würde ich wohl kaum bei extremen Witterungsverhältnissen versuchen,  110 km um einen fast 3800 Meter hohen Hügel springen. Denn als WRSBK hab ich leider kaum Zeit für Trainings (sondern nur für längere Gassigänge mit erhöhter Verletzungsgefahr!), also muss ich mein Training in den Wettkampf verlegen.

Das Rennen
Die Theorie: Kurz vor dem Start bin ich meine Renntaktik durchgegangen und bin wie die Riesenslalomfahrer die 110 km vor meinem geistigen Auge gelaufen. Diese Übung hat dann zwei Stunden gedauert, so dass beinahe den eigentlichen Start verpasst hätte. Aber egal, ich wollte es ja eh langsam, und zwar wirklich langsam angehen lassen und erstmal loswandern. Bergauf gaben die Bänder ohnehin Ruhe, ich musste nur mit „höchschter“ Konzentration zu Werke gehen. Und außerdem habe ich ja 30 Stunden pauschal mit Vollverpflegung gebucht und die wollte ich schon ausnützen.

Die Realität
Es war schwül, es war tropisch, es war für mich einfach ätzend, auch hatte ich keine Kopfbedeckung, es war laut, ich war nervös und es ging für meine Verhältnisse viel zu schnell los. Mit einem Wort: es hätte nicht besser starten können. Aber die Bänder hielten immerhin still, ich konnte mit dem Tempo mithalten (glaubte ich jedenfalls ernsthaft zu diesem Zeitpunkt) und ich schwitzte wie in der Sauna nach einem Aufguss. Ganz dick hatte ich mir in meinem Tagebuch als Tipp vermerkt: streu ein wenig Salz in dein Wasser und nimm Mineralwasser. Natürlich war in meinem Schlauch und der Flasche Leitungswasser ohne extra Salz. Und als es mal flacher wurde und alle anfingen zu gehen, was macht unser Vollpfosten ohne Maut, typisch NSWUL halt, er tippelt weiter, bei KM 10 ist er ganz stolz, dass er einige Läufer überholt. Kein Kommentar. Zu meiner Verteidigung sei folgendes ins Gedächtnis gerufen: meine Bänder gaben Ruhe. Ich wagte mehr- nichts – ich lief schneller – kein Zucken, kein Schmerz, ich wurde übermütig – kein Stich. Kilometer 16, die Bänder hielten, sogar bei einem steileren Downhill. Anders als beim Lavaredo Ultra habe ich auch beschlossen, mich diesmal nicht noch zusätzlich zu schwächen und meinen Magen mit einer Überdosis an Koffein und Gels zu vergiften. Damit war ich ziemlich euphorisch und in Fusch gönnte ich mir große Schlucke aus einem Brunnen und Marzipan (das soll angeblich Wunder bewirken – tat es auch, aber anders als erhofft. Nähere Erläuterungen spare ich mir).

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So weit so gut. In diesem Moment war ich mir wirklich sicher, Frank Sinatra und natürlich ich haben mal wieder Recht. Ich glaubte allen Ernstes, ich könnte es schaffen oder es zumindest bis zur Halbzeit durchziehen. Aber dann kam sie: die Steigung. Eine kleinere, steilere Wegpassage. Und mir hatte es so den Schalter umgehauen. Out of office, rien ne va plus, Tilt, system error. Es gab nicht mal eine Abwägung, ein willentliches Aufbäumen oder irgendeinen Trick, der es mir ermöglicht hätte weiter zu machen. Es war in dem Augenblick für mich völlig klar: du musst aufgeben, fragte sich nur wie und wo. Denn mittlerweile hatte ich mich genau bis zur Mitte zwischen dem Ort Fusch und der ersten VP 1 (Mautstelle) geschleppt. Da mein iPhone es mir gleich tat und ebenso komplett leer war, konnte ich auch niemandem Bescheid geben und  wegen der Dunkelheit fand ich es ratsamer bergauf zur VP 1 zu gehen als zurück nach Fusch. Zum Vergleich, für die ersten 16 KM benötigte ich 2.45 Stunden, für die restlichen vier Kilometer zur Mautstelle sage und schreibe 2 Stunden. Zwar hätte ich theoretisch die cut off Zeit noch geschafft und tatsächlich waren noch zwei Läufer hinter mir (die glatt weiter gegangen sind), aber mein Anblick ließ auch bei den unglaublich netten Damen der VP 1 nur einen Schluss zu: „du kannst dann mit uns zurück fahren.“ Mir wurde sogar die Ehre zuteil, dass mich der Cheforganisator höchstpersönlich zurück nach Kaprun gefahren hat. Ob das abgegebene Versprechen ihm gegenüber, es nächstes Jahr wieder zu versuchen, in meinem Zustand juristisch haltbar ist, muss ich noch eingehend überprüfen. Aber so wie ich mich kenne, MUSS ich es nochmal versuchen, mit einer Gedenkminute an dem besagten Anstieg.

Fazit: Ein Ultra ist ein Ultra ist ein Ultra! Ich hoffe, ich habe meine Lektion gelernt, denn die zwei Stunden für die 4 km will ich wirklich nicht noch einmal durchleben müssen. Ich gelobe, dass ich wenigstens Trainingspläne anschauen werde, meine Frau dozieren lasse und evtl. gehorche sowie das eine oder andere Sportgetränk ausprobieren werde. Weitere Tipps von NSWUL mit WRSBK-Einschlag werden dankbar entgegen genommen.

Glockner Trail 50km/2.500HmGrossklockner Ultra-Trail und Glockner-Trail 2015
von Lena Schindler

2015 sollte das erste Mal ein Trailrunning-Event um den Großglockner herum stattfinden. Angeboten wurden zwei Distanzen – einmal 110 km als komplette Runde um den Großglockner herum (ausgehend von Kaprun) oder die kleinere Variante, die bei der Hälfte in Kals startete und die Läufer ebenfalls nach Kaprun führte. Natalina, André und ich wollten uns das Geschehen genauer anschauen und meldeten uns für die 55-km-Strecke. Da der Start um 8.30 Uhr stattfinden sollte, reiste ich noch am Vorabend nach Kals an und übernachtete dort in der Pension „Gamsalm“. Die Zimmer waren super, jedoch herrschte auch reger Barbetrieb, der mich nicht so recht schlafen ließ. Nachdem ich um 1 Uhr dann meckern ging, kehrte zum Glück Nachtruhe ein und ich konnte noch ein paar Stunden schlafen, bevor um 6.00 Uhr der Wecker klingelte und ich mich aufmachte, meine Startnummer zu holen und danach noch ein ausgiebiges Frühstück verspeiste. Ein Taschentransport war für die kurze Strecke eigentlich nicht vorgesehen (warum, ist mir unklar), aber ich durfte meine Tasche mit der Wechselkleidung zu den Drop-Bags der 110er-Strecke stellen. Der Wetterbericht versprach niedrige Temperaturen und möglicherweise gegen Nachmittag Regen. Für mich ist das ideal, da ich zu warme Temperaturen nicht gut vertrage.

Natalina und André traf ich direkt am Start in Kals, da die beiden woanders schliefen. Ein kurzes Racebriefing erfolgte um 8.00 Uhr und pünktlich um 8.30 Uhr wurden wir auf die Strecke gelassen. Nach vielleicht 500 m auf der Hauptstraße verließen wir selbige auch schon wieder und bogen auf die ersten Trails ab, die entlang des Kalserbaches verliefen. Ich hatte mich auf ein Rennen allein eingestellt, da Natalina und André eigentlich schneller als ich unterwegs sind. André lief uns auch von Beginn an davon und Natalina erwischte nicht ihren besten Tag und so liefen wir beide dann die ganze Strecke gemeinsam. Die ersten Kilometer ging es noch recht gemächlich bergan und beim Tauernhaus bei Kilometer 9, kurz nach der Wendelinkapelle, gab es die erste Gelegenheit, Wasser zu trinken oder aufzufüllen. Wir aßen den ersten Riegel und tranken ein paar Schlucke. Der Weg verlief weiterhin am Bach entlang und kreuzte diesen auch immer wieder. Noch immer war die Steigung moderat und wir kamen gut vorwärts. Links und rechts türmten sich hohe Berge auf und das Wetter ließ eine gute Sicht zu. Nun kamen wir am idyllischen Dorfer See vorbei, den wir auch gleich für einen Fotostopp nutzen. Ungefähr bei Kilometer 13 drehte der Weg nun nach rechts hin ab und wurde steiler. So konnten wir endlich ein paar mehr Höhenmeter machen und arbeiteten uns der Rudolfshütte entgegen, die bei Kilometer 20 Essen und Trinken versprach. Wir walkten bis auf 2515 m hinauf und konnten oben an der Scharte schon nach unten auf den Weißsee und die Rudolfshütte blicken. Ein erster Downhill führte uns in ungefähr 5 Kilometern dorthin und wir genossen es, nach dem vielen Gehen auch endlich wieder ins Laufen zu kommen. Der Weg war sehr schön – nicht zu steil und doch ein paar Felsen drin, so dass man zwar gut laufen konnte, aber doch auch volle Konzentration erfordert war. An der großen Verpflegungsstation trafen wir André wieder, der diese gerade wieder verließ, um weiterzulaufen. Nach einer Stärkung mit Wasser und dem obligatorischen Kuchen sowie dem Befüllen der Trinkblasen (es sollte erst in 20 km wieder eine Verpflegungsstation kommen) brachen wir ebenfalls wieder auf und liefen den nächsten Höhenmetern entgegen.

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Erst einmal ging es aber wieder ein Stück über schwierigere Trails hinab und über eine lange Staumauer eines Speichersees. Nun folgte ein kurzer Abschnitt Forststraße, der Weg bog aber schnell wieder rechts in einen kleinen Trail ab. Ab diesem ging es wieder bergauf und wir liefen an Berghängen entlang, immer die vor uns liegenden Läufer im Blick. Besonders steil war es hier nie und man konnte die gute Aussicht genießen. Auch Kühe waren hier noch unterwegs. Immer wieder kamen wir an kleinen Gebirgsbächen vorbei oder mussten sie überqueren. Da unser Wasser zur Neige ging, befüllten wir an einem unsere Trinkblasen. Wir kamen insgesamt eher langsam voran, da die Wege schmal waren und teilweise abschüssig, aber wir hatten es ja nicht eilig. Nun baute sich eine steile Scharte vor uns auf und da wir ohne GPS-Uhr unterwegs waren, hofften wir, dass das bereits die Schmiedinger Scharte sei, was sich jedoch leider als Wunschdenken herausstellte, da uns der Kontrollposten oben aufklärte, dass dies erst der nächste Übergang sei und nochmal 600 hm zu machen zu sein. So liefen wir ungefähr 300 Höhenmeter hinab, um uns dann dem letzten Anstieg zu stellen. Da ich gern bergauf gehe, fiel mir das auch nicht schwer. Da die Stufen und Felsblöcke hier aber teilweise recht hoch waren, hatte Natalina, die doch deutlich kleiner ist als ich, hier zu kämpfen. Umso glücklicher waren wir, als wir dann beide oben an der Scharte auf 2716 m ankamen (höchster Punkt für die Glocknertrail-Strecke) und uns in den finalen Downhill stürzten. Unsere Trinkblasen waren zu diesem Zeitpunkt leergetrunken und wir waren froh, dass es bald Nachschub geben würde. Hier musste ich richtig Gas geben, um folgen zu können, denn Bergablaufen liegt mir nicht so, aber die Vorfreude auf die kommende, letzte Verpflegung trieb mich hinunter.

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Am Alpincenter erwartete uns dann Essen und Trinken und wir dachten laut Höhenprofil, dass nun nur noch 10 Kilometer vor uns liegen würden. Das stimmte aber leider nicht und die nette Dame erklärte uns, dass noch 9 bergab und dann nochmal 4 hinaus ins Dorf zu laufen wären. Kurz nachdem wir die Verpflegungsstation in Richtung Ziel verließen, begann es dann doch noch zu regnen und wir zogen unsere Jacken an, um nicht auszukühlen. Der Trail ins Tal war wieder sehr schön zu laufen – meist nicht zu steil und ich gebe zu, dass ich mir über viele Strecken mein Mountainbike wünschte, da er sich gegen Ende schon arg in die Länge zog. Die letzten Kehren glichen sich irgendwie alle und meine Motivation litt da doch ein bisschen. Da aber Natalina schnell vorauslief, beeilte ich mich und folgte ihr, so gut es ging. Wir überholten auf diesem Abschnitt noch etliche der 110er-Strecke, die zum Teil schon sehr litten (ich hätte in dem Gelände nicht im Dunkeln unterwegs sein wollen – meinen allerhöchsten Respekt, wer das durchgezogen hat). Ein etwas älterer Herr meinte, es wäre das härteste Rennen gewesen, dass er je lief. Die letzten flachen Kilometer motivierten wir uns nochmal gegenseitig, dass es doch gleich geschafft wäre. Als wir den letzten Trail verließen und auf eine Teerstraße einbogen, rief uns ein Helfer zu, dass es jetzt nur noch 2 Kilometer bis ins Ziel wären. Also hieß es Augen zu und durch – ein paar „Füllkilometer“ gibt es ja immer und diese war hier nun wahrlich kaum vorhanden. Nach 9:34 Stunden überquerten wir dann auch glücklich und froh die Ziellinie und bekamen unsere Finishermedaille umgehängt. André erwartete uns bereits, er war eine halbe Stunde schneller als wir. Leider verlor ich unterwegs meinen Chip, der Kleber an der Startnummer hatte sich gelöst und so musste ich per Handscanner „eingebucht“ werden. Leider regnete es noch immer und wie wir hörten, musste das Rennen später auch abgebrochen werden, da die Verhältnisse am Berg zu gefährlich geworden waren und wohl auch noch ein Gewitter aufzog. So konnten etliche Teilnehmer das Rennen gar nicht mehr finishen.

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Im Ziel gab es für uns dann Chili con Carne oder eine vegetarische Alternative und wir stärkten uns erstmal. Ich holte meine Tasche und freute mich auf eine warme Dusche. Leider waren die Duschen ca. 2 Kilometer außerhalb und es gab auch keine andere Möglichkeit, sich umzuziehen als die Toilette des Lokals, in dessen Nähe das Ziel aufgebaut war. Wir unterhielten uns im Verpflegungszelt noch nett mir ein paar anderen Läufern, tauschten Mailadressen aus und so verging die Zeit ziemlich schnell. Der Shuttlebus, der uns zurück nach Kals bringen sollte, fuhr um 20.30 Uhr. Leider startete der außerhalb des Ortes (Warum auch immer…) und wir mussten noch ca. 10 Minuten durch den Regen dorthin laufen. Die trockenen Sachen, die wir im Ziel anzogen, waren also wieder nass. Um ca. 22.15 Uhr kamen wir dann wieder in Kals an und ich machte mich auf, zurück nach Kiefersfelden zu fahren. Natalina und André mussten nach München weiterfahren. Zum Glück waren die Straßen frei und so kamen wir gut voran (in Kitzbühel bin ich dann noch geblitzt worden…). Daheim gab es dann auch endlich eine Dusche und so fiel ich dann um 1.30 Uhr ins Bett.Insgesamt war es ein toller Tag, die Strecke ist einfach traumhaft und

sehr zu empfehlen! Die Trails sind jedoch stellenweise sehr anspruchsvoll und nicht zu unterschätzen. Die Markierung der Strecke war einfach super – ein Verlaufen war absolut nicht möglich, da überall die kleinen, roten Fähnchen oder die weißen Bänder angebracht waren. Immer wieder waren Kontrollposten eingerichtet, die sich die vorbeilaufenden Nummern notierten und uns mit Traubenzucker fütterten. Dass es nur zwei Verpflegungsstationen gab, war vorher klar, eine weitere wäre zwar nicht schlecht gewesen, aber in dem Gelände auch nicht so einfach zu realisieren. Da wir am Bach unsere Getränke nachfüllten und genug Essen dabei hatten, war das völlig in Ordnung. Leider gab es auf der gesamten Strecke kein einziges Schild mit Kilometer-Angaben. Das fand ich sehr schade und würde ich mir für nächstes Jahr unbedingt wünschen. Auch der Zielbereich war ungünstig platziert – keine Toilettenmöglichkeiten (außer in umliegenden Lokalen), Duschen oder Umkleiden in der Nähe. Auch den Shuttlebus-Abfahrtsort hätte ich mir näher gewünscht. Auch wenn es trocken gewesen wäre, mag dann eigentlich keiner mehr mit seinem Gepäck durch den ganzen Ort spazieren. Das nächste Mal würde ich aber eine zweite Nacht vor Ort dranhängen, um nicht mehr im Dunkeln heimfahren zu müssen.

Fazit: Absolut traumhafte Strecke – bei der Organisation ist noch Luft nach oben, aber bei einer Premiereveranstaltung auch so zu erwarten.

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2017-03-24T07:29:09+00:00