Fregona Trail Fest (2017)

Das Fregona Trail Fest ist ein sehr gut organisiertes Event, das mit 3 verschiedenen Distanzen (22, 45, 82) für jeden Läufergeschmack etwas bietet. Preis-Leistung ist einfach bombastisch (ich habe 25 € Startgebühr bezahlt in der ersten Meldephase) und dafür bekommt man zweimal Pastaparty, ein tolles Teilnehmershirt, eine super markierte, tolle Strecke mit vielen Verpflegungspunkten und eine hübsche Finishermedaille. Die Organisation ist einfach spitze und ich muss echt sagen, dass auch dieses Mal die „Italiener“ wieder voll überzeugt haben…da kann sich so manch österreichischer oder deutscher Rennveranstalter eine große Scheibe abschneiden.

Fregona Trail Fest- #beattheheatFregona Trail Fest

Im letzten Jahr hatte ich an zwei kleineren, aber sehr feinen Trailevents in Italien teilgenommen und war total begeistert – super Orga, schöne Strecken und total nette Leute machten die Wochenenden immer zu etwas Besonderem. Daher wollte ich auch gerne diese Saison wieder einen kleineren Ultra in Italien laufen.  Nach kurzer Recherche war ein passendes Rennen gefunden,  das Fregona Trail Fest am 9. Juli 2017 sollte es werden. Die mittlere Distanz hier beträgt 45 km und 2500 Hm und lockte mit einem extrem hohen Trailanteil.
Am Samstagvormittag starteten Claudia, Tobi und ich in Richtung Venezien und kamen gegen Nachmittag in der Unterkunft an. Von da aus machten wir uns gleich auf in Richtung Eventgelände, um die Startunterlagen zu holen und an der Pastaparty teilzunehmen.  Zum Glück konnten ein paar der Helfer sehr gutes Englisch und so mussten wir uns nicht mit Händen und Füßen verständigen – keiner von uns beherrscht leider italienisch…
Claudia und ich würden beide den „troi dei cimbri“ laufen und Tobi hatte sich für den „Pizzoc Trail“ mit 22 km und 1600 Hm entschieden. Die bereits anwesenden Läufer und Läuferinnen sahen alle furchtbar schnell aus und wir hatten schon ordentlich Respekt vor dem morgigen Rennen. Nach einem privaten englischen Rennbriefing  (die waren wirklich alle sehr bemüht um ihre ausländischen Gäste) wurde zur „ absolut verpflichtenden“  Prosecco-time aufgerufen. Die Gegend um Fregona ist berühmt für ihre „Prickelbrause“ und wir hatten bereits kurz nach Ankunft eine erste kleine Verkostung absolviert.

Danach gab es Pastaparty  und wir  marschierten wieder zurück in unsere Unterkunft, um zeitig ins Bett zu gehen. Am nächsten Tag sollte bereits um 7 Uhr der Startschuss fallen. Die Temperaturen machten uns ein bisschen Sorgen und so hatten wir den ganzen Samstag damit verbracht, möglichst viel zu trinken und alle Speicher zu füllen. Vorgeschrieben war als Getränkevorgabe zum Mitnehmen lediglich 0,5 l, aber wir hatten beschlossen, doch mehr mitzunehmen und so hatte ich zwei Flasks eingepackt.

Nach einer unruhigen Nacht mit viel Regen und Gewitter und einem Bananen/Keks-Frühstück standenFregona Trail Fest Claudia und ich also um kurz vor 7 an der Startlinie- Tobi startete eine Stunde später. Wir wünschten uns viel Spaß und gutes Gelingen. Für Claudia sollte es der erste Trail jenseits der Marathon-Distanz werden – ich hatte mir vorgenommen, auf jeden Fall unter 7 Stunden zu finishen und so starteten wir beide bei noch angenehmen Temperaturen in unsere Runde, die uns über die Berge rund um Fregona führen sollte. Nach einer kleinen Schleife durch den Ort bogen wir recht schnell ein auf die ersten Trails. Bei Kilometer 2 kamen wir durch die „Grotta del Caglieron“- eine Höhle mit einem schönen Wasserfall/Bachlauf – hier ist Laufen streng verboten – die Ansage beim Briefing war, man solle die schöne Landschaft genießen und außerdem waren die Holzbohlen zum Teil so rutschig, dass es echt gefährlich gewesen wäre. Gleich danach ging es in den ersten großen Anstieg. Auf den ersten 10 km waren bereits um die  1200 Hm zu absolvieren. Ich schloss mich einer 3er-Gruppe an, die ein für mich ganz angenehmes Tempo lief. Im Speed-hiking arbeiteten wir uns vor, teilweise war es wirklich übelst steil. Ich war froh, mich für Stöcke entschieden zu haben. Der ganze Weg hinauf verlief im Wald und war daher noch schön schattig und halbwegs angenehm von der Temperatur her.

Landschaftlich ist die Gegend hier wirklich sehr schön. Die Wege erinnern ein bisschen an den Bayrischen Wald, lieblich und nicht zu krass felsig. Fregona selbst liegt auf ca. 250 m und die Gipfel drum herum auf 1500 – 1600 m und somit fast alle unterhalb der Baumgrenze.  Das Läuferfeld hatte sich recht zügig auseinander gezogen und es kam zu keiner Zeit zu Staus oder Engpässen.  Oben angekommen trafen wir an die erste Verpflegung und ich füllte meine Flaschen wieder auf. Ich versuchte, möglichst viel zu trinken. Ich bin niemand, der Hitze gut verträgt und verfluchte im Vorfeld schon die schwachsinnige Idee, im Juli in Italien einen Ultra zu laufen….aber noch war alles gut und meine Beine fühlten sich noch frisch an. Also weiter im Laufschritt.
Die nächsten 20 km sollte es in einem stetigen Auf und Ab durch den „Cansilglio“ gehen, ein großes Waldgebiet, das ursprünglich und wunderschön gelegen auf  den Bergen oberhalb von Fregona beginnt. Hier wechselten sich Singletrails mit breiteren Fahrwegen, wurzelige Passagen mit steilen Uphills und kurzen Downhillpassagen ab. An diesem Streckenabschnitt machte sich das schlechte Wetter der letzten Nacht arg bemerkbar- Teile der schönen Trails hatten sich in reinste Schlammbahnen verwandelt und es war ein lustiges „Batzrutschen“ angesagt. Hier konnten ich und meine Mitläufergruppe mit beherztem Laufen doch sehr viele andere Starter überholen – viele nahmen hier arg an Tempo raus und gingen  teilweise sogar die Trails bergab. Ob aus Angst oder mit dem Versuch, nicht völlig im Schlamm zu versinken – ich weiß es nicht.

Bei Kilometer 16 kam wieder eine große Verpflegungsstation mit Trinken und Essen. Diesmal ließ ich mir Zeit, um auch etwas zu essen. Flaschen auffüllen und weiter ging es. Ich war noch immer mit den beiden Damen und dem Herren unterwegs, denen ich mich am ersten Anstieg angeschlossen hatte. Auch die nächsten 10 km führten die Läufer über welliges, abwechslungsreiches Waldgelände mit kurzen An- und Abstiegen. Das kostete Körner, bin ich ja eher der „rauf-runter-aus“-Typ. Aber ich war zeitlich ganz gut im Plan und auch so fühlte ich mich noch gut. Nach einem weiteren großen VP bei km 24 ging es kurze Zeit später durch das kleine Bergdorf „Cimbri“. Von da an kam ein etwas längerer, leicht abfallender Abschnitt, ehe es ab Kilometer 30 in den letzten Anstieg auf den „Pizzoc“ hinauf ging.  Mittlerweile war ich nur noch mit einer Dame der italienischen Gruppe unterwegs, den Rest hatten wir nach hinten „verloren“. Im Bergauf fühlte ich mich noch echt gut und konnte locker an ihr dran bleiben. Wir sammelten hier nochmals Läufer ein und der schattige Anstieg fiel mir leicht. Oben angekommen bei Kilometer 36 verließen wir leider den Schatten und  damit begann mein Leiden…. An der letzten großen Verpflegung trank ich nochmal Cola und aß einen meiner Riegel, ehe ich mich in den Downhill stürzte. Ich lief nun voran und gab Gas, es war steil und durchaus technisch mit Steinen und teilweise Geröll im oberen Bereich. Leider befanden wir uns nun auf der Sonnenseite des Berges  und ich merkte mit jeder Minute, wie die Füße heißer und heißer wurden. Ich warf einen Blick zurück und hatte scheinbar einen kleinen Vorsprung erlaufen können. Also weiter hinunter, fleißig männliche Mitläufer überholend.

Ich hatte mir die Kräfte gut eingeteilt und hatte noch Körner übrig für den letzten Abschnitt. Der TrailFregona Trail Fest tauchte wieder in den Wald ein und da wurde die Luft dann richtig drückend. Ich musste an Tempo rausnehmen, da mir die Hitze langsam zu schaffen machte. In einer meiner Flaschen hatte ich Wasser, das ich mir immer wieder über den Kopf kippte. Es zog sich nun arg in die Länge und ich schaute alle 3 Minuten auf meine Uhr, ob denn nun endlich das Ziel näher kam. Den Zielmoderator hörte ich bereits, als noch gute 5 km zu laufen waren. Ich wurde leider immer langsamer und der Kreislauf machte mehr und mehr schlapp. An der letzten Verpflegungstelle, die 3 km vorm Ziel war, hätte ich mich am liebsten in den Schatten gelegt und  auf bessere Zeiten gewartet. Noch nie musste ich so leiden wie heute und ich ärgerte mich auch ein bisschen, da meine Beine sich noch immer gut anfühlten, ich aber trotzdem teilweise taumelnd durch die Gegend lief. Aber es half ja nichts – ich wollte ins Ziel und so watschelte ich weiter….ca. 500 m vor dem Ziel überholte mich dann wieder die Dame, mit der ich quasi fast das ganze Rennen über zusammen unterwegs war. Zu dem Zeitpunkt war mir das schon völlig egal, ich war paniert.

Der Moderator gab alles, als er uns ankündigte und Tobi empfing mich im Ziel. Völlig fertig musste ich mich erstmal im Schatten hinsetzen und die Italienerin und ich klatschten uns ab. Irgendwann sagte mir dann jemand, dass ich die zweite Dame im Ziel sei – ich war völlig überfordert mit dieser Info. Eine der Helferinnen drückte mir meine Finishermedaille in die Hand. Nach einem Bad im ekligen, aber kühlen Planschbecken und einer Pause im Schatten war ich dann auch wieder ansprechbar und freute mich riesig über die überraschend tolle Platzierung. 2. Dame bei einem Ultra war ich noch nie und ich hatte ganz klar von den eher schwierigen,rutschigen Streckenbedingungen profitieren können. Nach einer kühlen Dusche und der Siegerehrung  konnten wir dann auch Claudia im Ziel in Empfang nehmen, die bei den wirklich harten Bedingungen ihr Ultradebüt bravourös absolviert hatte. Darauf stießen wir mit Prosecco an, bevor wir uns auf die Heimreise machten – am Montag erwartete uns leider bereits wieder die Arbeit.Fregona Trail Fest

Fazit
Das Fregona Trail Fest ist ein sehr gut organisiertes Event, das mit 3 verschiedenen Distanzen (22, 45, 82) für jeden Läufergeschmack etwas bietet. Preis-Leistung ist einfach bombastisch (ich habe 25 € Startgebühr bezahlt in der ersten Meldephase) und dafür bekommt man zweimal Pastaparty, ein tolles Teilnehmershirt, eine super markierte, tolle Strecke mit vielen Verpflegungspunkten und eine hübsche Finishermedaille. Die Organisation ist einfach spitze und ich muss echt sagen, dass auch dieses Mal die „Italiener“ wieder voll überzeugt haben…da kann sich so manch österreichischer oder deutscher Rennveranstalter eine große Scheibe abschneiden.

2017-07-17T07:46:17+00:00