AlpenX (2016) – Dolomiten wie im 3D-Kino

Toll! Abgesehen von ein paar Forst- und wenigen Asphaltabschnitten eine wirklich sehr schön zusammengestellte Strecke mit viel Hochgebirge und entsprechend anspruchsvollem Gelände – genau nach meinem Geschmack. An der Organisation durch PlanB gab’s nichts auszusetzen. Die Markierungen waren vorbildlich, die Verpflegungsposten gut bestückt und alle Helfer superfreundlich. Lediglich den Startort Gossensass fand ich wenig glücklich.

Bericht AlpenX – 70 km – Dolomiten wie im 3D-KinoalpenX-03

von Christian Raimann

„Laufen am Limit: die erste Nonstop-Alpenüberquerung für Trailrunner“ – mit diesem Slogan bewarb der Veranstalter PlanB mit den Hauptsponsoren Salomon und Led Lenser die erste Austragung eines weiteren Trailrunning-Events, das sich die gerade viel diskutierten Attribute „immer höher, weiter und extremer“ auf die Fahnen geschrieben hat.

Zur Auswahl standen drei Streckenlängen: 160 km, 100 km und 70 km. Ich entschied mich in meinem Übergangsjahr (was auch immer das bedeuten mag 😉 nach dem UTMB in 2015 für die „Kurzdistanz“. Gespickt mit über 4000 positiven Höhenmeter nicht gerade ein Kindergeburtstag.

Ökologisch korrekt bin ich mit den Öfis/Fernbus nach Gossensass angereist – auch schon ein kleiner Ultra. Zum Startort Gossensass gibt’s nicht viel zu sagen. Ein ziemliches “Kaff” an der Autobahn zwischen Brenner und Sterzing. Dazu 70er Jahre Hotelcharme und strömender Regen – nicht gerade einladend. Kein Wunder also, dass sich zur Pastaparty und dem anschließenden Briefing keine 30 Leute im kalten Pavillon eingefunden haben.

Am Morgen des Starts sah es dann glücklicherweise schon etwas besser aus – zwar empfindlich kühl, aber zunächst immerhin trocken. Kurz nachdem sich die etwa 75 Starter auf den Weg nach Brixen machten, fing es dann doch wieder an zu nieseln. Nach dem ersten Anstieg auf den Rosskopf war’s dann aber endgültig trocken und der Himmel zeigte erste Auflockerungen. Sowohl der erste Anstieg als auch der Abstieg waren überwiegend trailig, nicht zu steil und trotz des Dauerregens am Vortag kaum matschig. Ideale Bedingungen zum Einlaufen.

Leider folgte nun ein etwas langweiliger Abschnitt. Erst ging es weniger Kilometer flach durchs Tal, bevor der nächste Anstieg, allerdings erstmal auf Asphalt, folgte. Das Teilnehmerfeld hatte sich bis dahin schon ordentlich auseinandergezogen und der weitere Anstieg hoch zum Penserjoch mit 1350 Höhenmetern episch lang. Nach kurzem aber steilem und ruppigem Forstweg folgte ein Pfad, der kaum als solcher zu erkennen war. Glücklicherweise haben auch hier die Markierungsvorläufer hervorragende Arbeit geleistet. Kurz vor dem Penserjoch auf 2200 m Höhe wurde es dann ziemlich stürmisch. Ich war froh, dass ich meine Gore-Jacke dabei hatte. Richtig leid taten mir aber die Helfer am dortigen Verpflegungsposten. Während wir uns wenigstens bewegen konnten, hatten die wirklich einen schweren und eisigen Stand!

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28 km hatten wir inzwischen in den Beinen, bevor nun 20 km feinste hochalpine Trails auf uns warteten. Auf einer Höhe zwischen 2000 und 2500 m Höhe ging es im ständigen Auf und Ab über schmale Pfade und jede Menge Geröll. Ich war richtig im Flow. Ein wirklich genialer Streckenabschnitt!

Der anschließende Downhill (ca. 800 Hm-) lief sehr flüssig. Die beiden Läufer, mit denen ich zuvor noch unterwegs war, nahmen etwas Tempo raus, sodass ich von nun an mehr oder weniger alleine unterwegs war. Pünktlich zum Start des letzten Anstiegs hatte sich das schöne Wetter nun endgültig durchgesetzt und die Temperaturen waren merklich angestiegen. Während der erste Teil der Steigung auf einer Fortstraße verlief, durften wir im weiteren Verlauf einem wunderbaren Trail folgen – herrlich! Doch landschaftlich wartete oben auf der Scharte noch ein weiteres Top-Highlight: ein Ausblick auf die Felstürme der Dolomiten wie im 3D-Kino! Trotz bereits 60 km in den Beinen lief es bei der Kulisse wie von alleine. Ich konnte sogar noch zwei weitere Läufer einholen, bevor der „krönende“ Abschluss in Angriff genommen werden musste: 1700 Höhenmeter Downhill auf acht Kilometer Länge – mörderisch, aber mit dem Ziel bereits vor Augen letztendlich doch ganz gut machbar.

Nach 11 Stunden und 40 Minuten empfängt mich schließlich meine Tochter an der letzten Kurve vor dem Ziel, um mich auf den letzten Metern zu begleiten. Wie immer ein sehr emotionaler Moment, nach solchen Distanzen über die Ziellinie zu laufen, noch dazu als 15. der Gesamtwertung und nur um einen Platz am Podium in der Altersklasse vorbeigeschrammt zu sein.

Mein Fazit

Toll! Abgesehen von ein paar Forst- und wenigen Asphaltabschnitten eine wirklich sehr schön zusammengestellte Strecke mit viel Hochgebirge und entsprechend anspruchsvollem Gelände – genau nach meinem Geschmack. An der Organisation durch PlanB gab’s nichts auszusetzen. Die Markierungen waren vorbildlich, die Verpflegungsposten gut bestückt und alle Helfer superfreundlich. Lediglich den Startort Gossensass fand ich wenig glücklich.

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2017-03-24T07:27:48+00:00