Alpe d’Huez des Trailrunnings

Während Radfahrer die legendären 21 Kehren nach Alpe d’Huez hochkurbeln, haben Trailrunner einen vergleichbaren Zickzack-Weg in der Hohen Tatra. Als Belohnung locken oben zwar keine Küsschen der Hostessen, aber Naturgenuss mit Fernblick und nach dem Downhill der Endorphine-Rausch.

Bereits der Bergsee des Startorts Štrbské Pleso ist ein Naturwunder, an dem man sich nicht sattsehen kann, aber der Drang zum Laufen ist stärker. Štrbské Pleso ist einer der Sport- und Tourismus-Hotspots der Hohen Tatra.

Alpe d’Huez des TrailrunningsAlpe d’Huez des Trailrunnings

von Daniel Thomas

Während Radfahrer die legendären 21 Kehren nach Alpe d’Huez hochkurbeln, haben Trailrunner einen vergleichbaren Zickzack-Weg in der Hohen Tatra. Als Belohnung locken oben zwar keine Küsschen der Hostessen, aber Naturgenuss mit Fernblick und nach dem Downhill der Endorphine-Rausch.

Bereits der Bergsee des Startorts Štrbské Pleso ist ein Naturwunder, an dem man sich nicht sattsehen kann, aber der Drang zum Laufen ist stärker. Štrbské Pleso ist einer der Sport- und Tourismus-Hotspots der Hohen Tatra. Das Warmlaufen beginnt nahe des Sees auf bestem Trailgeläuf. Der zu durchlaufende Wald leuchtet in sattem Grün und erstrahlt in Lichter- und Schattenspielen, die die Gebrüder Grimm nicht märchenhafter beschreiben könnten. Später beginnt das elegante Springen von Stein zu Stein auf grobem Naturpflaster. Nach etwa 250 hm ist das Zwischenziel Popradske pleso erreicht. Dieser pleso (= Bergsee) gehört in jedes Trail-Poesie-Album. Also knipsen, was die Speicherkarte hergibt! Auf dem Rückweg gehört die kleine Runde um den See mit sehenswertem symbolischem Friedhof für verstorbene Bergsteiger ebenfalls zur Lauftouristen-Pflicht.

Lass die Muskeln brennen
Am Popradske pleso ist erstmals seit Tourstart der Zickzack-Weg in voller Pracht zu bewundern. Während am Einstieg noch Steinhüpfen angesagt ist, wird der Trail danach technisch leichter. Die Kehren verteilen sich auf „nur“ 2,5 km bei 456 hm, daraus ergibt sich eine durchschnittliche Steigung von fast 19 % (Alpe d’Huez im Schnitt 7,9 %). Der schnellste Strava-Läufer rannte die Steigung bisher in 20 Minuten bis zum Höhensattel Sedlo pod Ostrvou. Das Streckenziel führt zum Ostrva auf 1.984 m. Als Pendelstrecke hat die Tour insgesamt 14,4 km und eine positive Höhendifferenz von 777 m. Wem das nicht genug ist, dem bieten sich verschiedene Ausbaustufen.

Die Kehren sind nicht genug – gib mir mehr!
Die gesamte Tour führt hauptsächlich auf der Tatranská magistrála entlang. Auf diesem Hauptwanderweg kann die gesamte Südseite der Hohen Tatra erlaufen werden. Meist schlängelt sie sich in Höhenlagen knapp unter der Baumgrenze auf leichtem Geläuf. Wer mag, der kann also ab dem Höhensattel die andere Bergseite herunterlaufen und der Magistrale weiter folgen. Genau diesen Streckenverlauf bietet die jährliche Tatry Running Tour (Stichwörter: „Extreme“-Lauf bzw. „Sky & Clouds Run“ mit 34 km und 2.000 hm). Weitere Alternativen: Die Kehren herunter laufen und am Popradske pleso die Wege in Richtung der Gipfel Rysy (2.503 m)und Kôprovský štít (2.367 m) einschlagen. Die eher steinigen Pfade sind ausgeschildert und in jeder guten Wanderkarte zu finden. Hütten zum Übernachten sind am Popradske pleso und unterhalb des Rysy zu finden. Ab Rysy führt der Weg weiter nach Polen.

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Was muss ich noch wissen?
Vor allem der Trail zwischen Štrbské Pleso und Popradske pleso sowie teilweise Richtung Kôprovský štít sind touristisches Hoheitsgebiet: Der frühe Läufer hat also weniger Touristen und Wanderer zu umkurven. Die Hohe Tatra ist Naturschutzgebiet und Unesco-Biosphärenreservat: Offiziell geöffnet sind die Wanderwege von Juni bis Oktober. Das Verlassen der Pfade wird mit Geldbuße bestraft (oder der Sünder wird bereits bei der Tat von Bären gefressen).

Wo bekomme ich Verpflegung und mein After-Lauf-Bier?
Für den Proviant vor der Tour sind in einem kleinen Supermarkt in Štrbské Pleso Wasser und Energieriegel erhältlich. Während des Laufs kann man in der Hütte am romantischen Popradske pleso neben Getränken die slowakischen Klassiker Gulasch, Brimsen-Piroggen oder -nocken genießen. Wer sich bis zur idyllischen Rysy-Berghütte hochkämpft, kann auch dort schlemmen. Empfehlenswert sind zudem die Ess-Tempel in Štrbské Pleso wie das Restaurant Furkotka oder das Restaurant des Hotels Toliar.

Alpe d’Huez des Trailrunnings

2017-08-10T10:39:01+00:00