Allgäu Vertical 2017

Der Allgäun Vertical ist eine geniale Veranstaltung, um in familiärer Atmosphäre bei besten winterlichen Bedingungen eine völlig andere Art von „Lauf“ zu erleben.

Allgäu Vertical in Ofterschwang 2017

Allgau Vertical Up

Bericht von Sebastian

Bilder von Berchtold photography

Was macht der geneigte Trailrunner im Winter, außer auf den nächsten Sommer zu warten. Meistens, nach der Weihnachts- und Neujahrslethargie, für die anstehende Saison trainieren, oft sogar hart und viel. Da kommt ein Vertical up, mittlerweile sogar mit einer eigenen Rennserie bedacht, genau richtig. Kann man sich doch hier mal so richtig die Lunge freipusten und die Oberschenkel zum Explodieren bringen.

Also ging es für mich als Allgäuer selbstverständlich zum heimischen „Allgäu Vertical up“. Das Rennen gibt es seit mittlerweile vier Jahren und somit hat es schon eine gewisse Tradition. Die Teilnehmerzahl und Konkurrenz ist dementsprechend groß. Knapp 200 Teilnehmer, neben den vielen Allgäuer Größen die Katalanische Schneeschuhlaufmannschaft, nahmen in zwei Klassen (Ski und Schuh) daran teil.

In diesem Jahr gab es nur noch eine Distanz, gut 3,5 km mit ca 600 Höhenmetern galt es zu bewältigen. Klingt erstmal nicht so dramatisch. Denkste, die haben es aber in sich, geht es doch zuerst über die steile Weltcup-Piste hinauf bis zum Ofterschwanger Horn, um dann über die Märchenwiese in einem ca. 900 m langen Downhill einer letzten steilen Wand, dem Schafrichter, gegenüber zu stehen. Ziel ist dann die Weltcuphütte. Auf den letzten Metern sind, ebenso wie am Start, Fackeln am Streckenrand aufgestellt und eine Vielzahl an Fans und Familienangehörigen feuern die Läufer frenetisch an. Für ordentlich Stimmung entlang der Strecke ist also, wie auch schon in den anderen Jahren, gesorgt.

Punkt 18:00 Uhr, kurz nach Einbruch der Dunkelheit, ist also Start. Der Himmel ist sternenklar und es ist kalt, aber nicht zu kalt. Man könnte fast sagen angenehm. Auf der harten Piste geht es nach dem Startsignal gleich richtig zur Sache. Es wird losgerannt, was die Schneeketten oder Ski hergeben. Nach ein paar Metern laufen wir gleich in die erste richtige Wand und da geht das Feld gleich ordentlich auseinander. Ich hefte mich an die Fersen meines Vordermannes und suche mir eine möglichst „laufbare“ Strecke, wobei Laufen hier definitiv das falsche Wort ist. Ein vielleicht schnelles Steigen trifft es da wohl eher. Der Rhythmus ist recht schnell da und so geht es die ersten Meter gut hinauf. Irgendwann wird mein Kopf dann aber müde und so muss ich meinen „Pacemaker“ ziehen lassen. Der ein oder andere keucht vorbei und als die erste Dame, eine Katalanin mit Schneeschuhen, an mir vorbeispringt wie eine Gämse, denke ich mir: “Okay, heute wird nicht dein Tag, geh dein Tempo und bring das mit Anstand zu Ende.”  Gesagt und fast auch so getan. Der Downhill über die Märchenwiese lief dann doch besser als gedacht, da konnte ich wieder einige einkassieren. Mit etwas mehr Motivation als noch vor der Bergab-Passage gehe ich in die finale Wand und kämpfe mich hinauf. Auf den letzten Metern höre ich von hinten noch ein schnell herannahendes Keuchen, also nochmal den Turbo zünden. Klappt erstaunlich gut und zeigt mir, dass es tatsächlich heute nur reine Kopfsache war. Also wieder unter der Rubrik verbuchen: Erfahrung kannste nicht kaufen, die musste machen. Somit einmal mehr gelernt: Der Körper läuft, der Geist gewinnt. Zu gewinnen gab es für mich natürlich nichts, aber auch so eine Erfahrung ist wichtig. Sieger wurden auch keine Allgäuer, es gewannen Konrad Lex aus Oberbayern sowie eine Katalanin.

Zur Belohnung geht’s wieder laufend zurück zum Auto, nun mit einem genialen Nachtpanorama über das Oberallgäu und dem Wächter Grünten.

Fazit:

Eine geniale Veranstaltung, um in familiärer Atmosphäre bei besten winterlichen Bedingungen eine völlig andere Art von „Lauf“ zu erleben.

Allgäu Vertical Up 2017

2017-03-24T07:27:08+00:00