Bericht: adidas Infinite Trails World Championships 2018

Das Startgeld von 333,- Euro fürs komplette Team klingt erst einmal hoch, aber in Anbetracht der ungewöhnlich üppigen enthaltenen Leistungen von reichlich leckerem Essen jeden Tag, Physio, Yoga, Alpentherme usw. gerechtfertigt und ist keinesfalls utopisch.
Aus unserer Sicht sollten lediglich die Organisatoren des Rennens selbst ihre Hausaufgaben bzgl. rechtzeitiger Alternativen bzw. Planung in Einklang mit der Wetterprognose machen. Denn der Rahmen drumherum und das sehr hohe Niveau der Organisation als solches stimmen schon mal und sucht durchaus seinesgleichen bei Trailevents. Somit bleibt auch einige Tage nach dem Event ein leicht bitterer Beigeschmack.

Adidas Infinite Trails World Championships 2018adidas Infinite Trails World Championships 2018

Aber fangen wir von vorne an. Adidas veranstaltet als Namensgeber mit den Infinite Trails die erste Team-Weltmeisterschaft im Trailrunning. Gestartet wird als Dreierteam. Am Freitag gibt es einen Vertical als Massenstart. Aus den kumulierten Platzierungen wird die Startaufstellung für ein Verfolgungsrennen am Sonntag ermittelt, welches als abschließender Wettbewerb im Format eines Staffellaufs durchgeführt wird. Jedes Teammitglied läuft eine unterschiedlich lange und andere Runde. Start sowie Ziel und somit Übergabe des virtuellen Staffelstabes ist immer in der Alpenarena Bad Hofgastein. Der erste Loop ist eine 25-km-Strecke mit 1900 Hm. Der zweite Läufer hat die längste Strecke von 57 km und 3400 Hm zu absolvieren. Loop 3 ist 40 km lang und hat 2050 Hm. Am Ende von Loop 3 treffen sich alle drei Läufer und drehen zum Abschluss eine kurze Runde durch Bad Hofgastein und laufen gemeinsam ins Ziel. So viel zum Format.

Christian und Sebastian wohnten am Freitag Mittag dem offiziellen Medienauftakt zur Trail-WM bei. In einer sehr schönen Kulisse auf der Terrasse des Teamhotels fand ein Pressegespräch mit den Athleten von adidas sowie teilen der deutschen Skilanglaufnationalmannschaft statt. Die Größen der Szene gaben hier ihre Statements zum Sport in und mit den Bergen zum Besten und waren sich teils noch uneins was wichtig ist um bei diesem neuartigen Event ganz vorne zu landen.

Am Freitag um 16 Uhr ist Einlass in den Startbereich der Alpenarena. Es wird tatsächlich bei jedem Läufer, wenn auch nur stichprobenweise, die Pflichtausrüstung geprüft. Danach beginnt auch schon das Briefing des Rennleiters mittels Videoleinwand.

Um 17 Uhr startet der sogenannte Vertical. Wie schon in den Startunterlagen zu ersehen ist, sind die ersten 11,6 km sehr flach, nur kurzweilig durch ein kleinen 200-Hm-Anstieg durch Bad Gastein unterbrochen. Wenngleich die Passage des Ortes durch landschaftliche Highlights wie diverse Wasserfälle aufgehübscht wird, kann das über das lange Anlaufen bis dahin nicht hinwegtrösten. Im Ortsteil Böckstein beginnt das Eigentliche, was ein Vertical ausmacht. Es geht auf schmalen Trails steil bergauf. Leider wird das Rennen nach gut 16 km und 1100 Hm bei der Mittelstation der Seilbahn zum Stubnerkogel abgebrochen. Die schlechten Wetterbedingungen in Form von starkem Wind gepaart mit Schnee- bzw. Graupelschauer auf dem Gipfel ließen einen Aufstieg leider nicht zu. Schade, die 3,5 km mit knapp 400 Hm hätten dem Rennen gut getan. Für nächstes Jahr sollte man sich die ersten Kilometer sparen und aus dem Rennen ein reines Vertical machen, das den Namen auch verdient. Weniger ist hier definitiv mehr.

Oben angekommen, gibt es auf dem Stubnerkogel reichlich Nudeln, Gulaschsuppe, Desserts und eine große Vielfalt an Getränken für die Teilnehmer. Ein insgesamt sehr schönes gemütliches Ausklingen des Auftakts im Bergrestaurant. Danach geht es mit der Seilbahn ins Tal und mit dem Bus zurück zum Startort.

Samstag konnte man es gemütlich angehen lassen. Es gab gegen Mittag ein leckeren Brunch, welcher im Startgeld inbegriffen ist. Ab 14 Uhr erfolgte das Race-Briefing für Sonntag. Nach einer guten Stunde war der Spaß vorbei und nach getätigter Unterschrift aller Teammitglieder (dass man am Briefing teilgenommen hat) konnten die Startnummern für das Jagdrennen abgeholt werden. In den sehr umfangreichen und ausführlichen Schilderungen des Rennleiters fehlten lediglich die Wettervorhersagen für den Sonntag, was sich noch rächen sollte. Hätte man doch an der Stelle schon über Alternativen reden können bzw. vielleicht wäre dem Renndirektor noch siedendheiß eingefallen, Alternativstrecken zu markieren 😉

Sonntag früh um 3:28 Uhr wurde bekannt gegeben, dass das Rennen zwecks der schlechten Wetterverhältnisse auf 6 Uhr verschoben wurde. Um 5:20 Uhr wurde auf 7 Uhr verschoben und bekannt gegeben, dass lange Sachen plus Regenjacke am Start getragen werden müssen. Wenn diese Pflicht ab einem passenden vorgegebene Punkt gemacht und kontrolliert worden wäre…aber egal, denn das Rennen wurde um 7:12 Uhr komplett abgesagt. Ohne dass eine Alternativroute angeboten wurde. Was sehr schade für alle Teilnehmer war. Es wurden diverse Gründe dafür genannt, die wir hier nicht näher ausführen möchten, in der Summe wurde die Entscheidung durch alle Beteiligten seitens der Organisationsfirma sowie adidas, Bergwacht und Helfern im Konsens getroffen. Die genauen Hintergründe gibt es in einem Statement seitens adidas, was wir unten angefügt haben.

Als Entschädigung haben alle Starter einen Freistart für das kommende Jahr erhalten, was sicher auch nicht jeder Veranstalter gemacht hätte. Zusätzlich konnte die Alpentherme genutzt werden, welche nach den einzelnen Loops eigentlich als Athletengarten dienen sollte.

Wir haben uns, wie viele andere, die wir unterwegs getroffen haben, nicht vom Wetter stören lassen und haben gegen 9 Uhr den kompletten Loop 1 in Angriff genommen. Es ist eine wunderschöne Strecke auf vielen schmalen Trails steil bergauf und bergab. Das Wetter hatte sich zu diesem Zeitpunkt wieder von seiner besseren Seite gezeigt. Von einer geschlossenen Schneedecke oder gar Eis war gegen 11 Uhr auf dem Gamskarkogel nichts zu finden, sei’s drum. Sind die anderen beiden Loops landschaftlich genauso schön, dann sollte das Event definitiv eine zweite Chance verdient haben. Uns hat diese gemeinsame Runde mit anschließendem Aufenthalt in der Alpentherme etwas entschädigt. Schade, dass es für den Veranstalter keine Möglichkeit gab, eine alternative Runde in der Kürze zu organisieren. z.B. in Form einer Runde, die dann nacheinander erst einmal vom ersten Läufer, dann zweimal vom Zweiten etc. gelaufen wird. Das Tal und die sonst gut organisierte Veranstaltung hätten es verdient gehabt.

Fazit
Das Startgeld von 333,- Euro fürs komplette Team klingt erst einmal hoch, aber in Anbetracht der ungewöhnlich üppigen enthaltenen Leistungen von reichlich leckerem Essen jeden Tag, Physio, Yoga, Alpentherme usw. rechtfertigt diesen und ist keinesfalls utopisch. 
Aus unserer Sicht sollten lediglich die Organisatoren des Rennens selbst ihre Hausaufgaben bzgl. rechtzeitiger Alternativen bzw. Planung in Einklang mit der Wetterprognose machen. Denn der Rahmen drumherum und das sehr hohe Niveau der Organisation als solches stimmen schon mal und sucht durchaus seinesgleichen bei Trailevents.

Somit bleibt auch einige Tage nach dem Event ein leicht bitterer Beigeschmack.

Das Communiqué von adidas in der Nachlese:

//Widrige Witterungsbedingungen//

Vereiste Wege und eine Sicht teilweise unter 5 Metern aufgrund von Nebel, Temperaturen von -4° Celsius am Berg gepaart mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 40 km/h (gefühlte Temperatur aufgrund des Wind-Chill-Faktors -10°) haben die aIT Sicherheitskommission zu der Rennabsage bewogen. Gefrierender Regen hatte eine fast 1-Zentimeter dicke Eisschicht über Steine und Felsen gezogen, was ein sicheres Belaufen der Strecke unmöglich machte.

//Beurteilung der Situation am Berg//

Die aIT Sicherheitskommission versuchte zunächst durch Startverschiebung Zeit zu gewinnen, um auf mögliche Wetterbesserungen und neue Wetterprognosen reagieren zu können. Sie stützte sich bei der Entscheidungsfindung auf mehrere Quellen, u.a. auf Aussagen von Bergführer-Ausbildern und Alpenvereinsmitgliedern, die am Vortag auf den Gamskarkogel entsendet wurden, um die Strecke als Streckenposten abzusichern und die Verpflegungsstation am Gamskarkogel ab 5:00 Uhr morgensauch bei Minustemperaturen zu betreiben (das wollten die Organisatoren keinem Helfer zumuten). Mit diesen Personen, die auf der Gamskarkogelhütte übernachtet haben, war die Sicherheitskommission permanent in Funkkontakt. Deren Einschätzung um 7:00 Uhr: es ist aufgrund von Sichtverhältnissen und vereisten Wegen unverantwortlich die Athleten hier laufen zu lassen. Man konnte die Streckenmarkierungen nicht mehr sehen, die LäuferInnen hätten sich leicht verlaufen können und die Streckenposten hätten noch nicht einmal mitbekommen, wenn jemand stürzt und sich verletzt. Es hätte jederzeit zu einem MANV (Massenanfall von Verletzten) kommen können. Ein Helikopter hätte unter diesen Bedingungen nicht fliegen können, somit wäre die Wahl eines Helis als Rettungsmittel nicht möglich gewesen. Das event-eigene Rescue Team, das eng mit der örtlichen Bergrettung zusammenarbeitet, hat rund 20 Jahre Erfahrung als begleitendes Rettungsteam bei Events wie der Transalp Challenge oder dem Transalpine Run, und weiß wie schwierig es ist, Athleten bei Rennabbruch im Falle einer weiteren Wetterverschlechterung aufzuhalten und sicher zurückzuleiten.

Der Race Director wollte sich persönlich ein Bild von der Situation auf der Gesamtstrecke machen, um noch mehr Fakten für die Entscheidung zu sammeln. Aufgrund der Witterungsverhältnisse konnte der Heli jedoch nicht fliegen.

Basierend auf der bekannten Faktenlage der am Berg vorherrschenden Bedingungen und der Wetterprognosen, die der aIT Sicherheitskommission kurz vor 7:00 Uhr morgens von dem für den Event gebuchten ZAMG-Meteorologen speziell für die Berge Stubnerkogel, Graukogel und Gamskarkogel vorlagen, wurde gemeinsam mit adidas eine einstimmige Entscheidung getroffen, dass Rennen abzusagen.

//Sicherheitslage betrifft nicht nur Athleten//

Bei Beurteilung der Faktenlage ging es nicht nur um die Sicherheit aller LäuferInnen auf der Strecke, sondern auch um die Sicherheit von Streckenposten, die ihre Positionen zunächst sicher erreichen und dann stundenlang auf ihren Positionen verharren müssen. Darüber hinaus ging um die Gesundheit von Crew und Helfern, die auch bei widrigen Bedingungen mehrere Stunden draußen an einer Verpflegungsstelle stehen müssen, um die Teilnehmer zu versorgen.

Vorsorge: Wäre der komplette Loop 2 laufbar gewesen, hätten die Streckenposten am Zittrauer Tisch (Bergwachtmitglieder) sogar aufblasbare Zelte und Wärmewesten dabeigehabt, um in dieser exponierten Lage auf Wetterumschwünge im Laufe des langen Renntages reagieren zu können.

//Alternativstrecken//

Es gab Alternativstrecken und diese wären auf dem verkürzten Loop 2 auch zum Einsatz gekommen. Genau deshalb hatten der Race Director und sein Team am Samstagabend zwischen 22h00 und 24h00 insgesamt 65 Streckenposten angerufen, damit sie am Sonntag zwei Stunden früher auf ihrer Position stehen. Gerade um die Sicherheit und die Kommunikationskette bei schlechten Witterungsbedingungen zu gewährleisten und alle neuralgischen Punkte abzusichern, setzt adidas INFINITE TRAILS insgesamt 125 Streckenposten ein.

Die Posten im alpinen Gelände entlang einer 124 Kilometer langen Strecke lassen sich nicht in kürzester Zeit verschieben wie Figuren auf einem Schachbrett. Um ihre Positionen rechtzeitig zu erreichen, mussten viele Streckenposten auf Hütten übernachten. Diese lagen zum Teil im Funkloch. Die Wettersituation an der Palfnerscharte war ähnlich wie am Gamskarkogel – vereistes felsiges Gelände in exponierter Lage bei schlechten Sichtverhältnissen.

Ein Großteil des 600km langen existierenden Wegenetzes im Gasteinertal liegt auf privatem Grund und der Veranstaltung liegt keine flächendeckende Genehmigung vor. Von jedem einzelnen Grundbesitzer musste das Einverständnis für die 124km lange Rennstrecke eingeholt werden, auch wenn es sich nur um 10m-Abschnitte handelte (insgesamt 266 Grundbesitzer). Im Rahmen der Streckenfindung haben zugleich mehrere Grundbesitzer ein Verbot ausgesprochen, ihr Land zu queren, wodurch diverse Verbindungswege oder Abkürzungen zwischen den vorhandenen genehmigten drei Loops entfallen. Die Organisation hat sich das Vertrauen der Grundbesitzer im Vorfeld der Veranstaltung hart erarbeitet und respektiert Betretungsverbote. Daher werden auch bei widrigen Bedingungen keine adhoc-Entscheidungen getroffen, die eine langfristige Zusammenarbeit im Tal und damit die mehrjährige Durchführung des Event gefährden könnten.

//Alternativprogramm//

Ein Massenstart aller Läufer im Falle einer Wetterbesserung am Nachmittag (z.B. auf Loop 3) wurde nicht als Ersatzprogramm angeboten, weil es (a) zu keinem Ergebnis für ein Teamstaffelrennen geführt hätte und man (b) nicht davon ausgehen kann, dass die Loop 1 Läufer die 40km Distanz überhaupt hätten laufen können. Stattdessen erhielten die Teilnehmer einen verlängerten Eintritt in die Alpentherme (4h), der VIP-Bereich wurde umfunktioniert und für die Athleten geöffnet und alle WM-Teilnehmer bekommen einen kostenlosen Startplatz für 2019.

//Sustainability vs. Sicherheit//

Die Sicherheit der Athleten und aller involvierten Personen hat oberste Priorität, auch im Rahmen eines sustainable Eventkonzepts. Die Organisation nutzt Helikopter zu Rettungszwecken, zur Beurteilung einer Gefahrensituation oder zur Einschätzung der Witterungslage am Berg.

2018-07-03T06:31:12+00:00