Ultra Trail Atlas Toubkal (UTAT) 2015

Ich persönlich würde wahrscheinlich noch 2 -3 Tage früher anreisen zwecks Akklimatisierung. Außerdem haben wir noch 2 Tage in Marrakech angeschlossen, auch das kann ich empfehlen, die Stadt ist sehens- und erlebenswert. Gerade nach vier ruhigen, abgeschiedenen Tagen wird man geradezu überrollt von dem Trubel der Stadt.

UTAT 2015Ultra Trail Atlas Toubkal (UTAT) 2015
Text und Fotos von Manishe

Es ist vier Uhr morgens, ich wache in einem Zelt auf 2600 Meter mitten im Atlasgebirge auf. Meine Füße sind kalt und ich würde am liebsten in meinem Schlafsack liegen bleiben.

Geht aber nicht, um 6 Uhr startet der UTAT; die 105 km mit 6500 Höhenmeter, sowie der erste Teil der Challenge (42 km und 2600 Höhenmeter), zu der ich mich angemeldet habe. Draußen höre ich schon Stimmen, die anderen Teilnehmer werden auch gerade munter. Nach einem ausgiebigen landestypischen Frühstück (viel Tee, Fladenbrot mit Honig, getrocknete Früchte und ein bisschen Obst) geht alles ganz schnell. Wettkampfkleidung anziehen, nochmals den Inhalt des Rucksacks überprüfen und schon stehen wir am Start. Über uns der schönste Sternenhimmel und ein so heller Mond, dass man die Stirnlampe kaum braucht. Die Stimmung ist gut, ein wenig Anspannung liegt wie bei jedem Start in der Luft: wir freuen uns alle auf das vor uns liegende Abenteuer. Der Lauf beginnt im Dunklen, aber schon nach einer Stunde dämmert es und es wird schnell hell. Die Landschaft ist unglaublich, ganz anders als alles, was ich aus den Alpen kenne. Sehr karg und felsig. Die Sonne scheint und hat noch sehr viel Kraft, so dass es richtig warm wird. Ich finde es einfach nur wunderschön und genieße den Lauf. Wir passieren immer wieder kleine Dörfer und treffen auf herzliche Einheimische, die uns begrüßen und uns wieder auf den richtigen Weg helfen (leider war die Markierung nicht immer gut erkennbar, so dass sich so gut wie jeder mal verlief). An der ersten Verpflegungstelle wird mir mitgeteilt, dass ich an zweiter Stelle liege, das spornt mich an und ich laufe gut gelaunt weiter – bis zum langen Anstieg, der von 1900 auf knapp 3200 Meter führt. Ab ca. 2700 Meter kämpfe ich mit der dünnen Luft, meine Beine werden ganz weich und ich habe UTAT 2015sogar etwas Kopfweh. Ich muss das Tempo drosseln und so spaziert nach einer Weile die Drittplatzierte munter an mir vorbei. Ich kann ihr leider nicht folgen, zu sehr kämpfe ich mit mir selbst. Ich bin wahnsinnig erleichtert, als ich den höchsten Punkt erreiche und kann dann auch wieder Kräfte mobilisieren und die restlichen Kilometer gut hinter mich bringen. Überglücklich und erleichtert komme ich als dritte Frau ins Ziel. Es wird etwas zu essen und trinken gereicht und nach einer warmen Dusche geht es mir wieder gut. Den ganzen Nachmittag kommen immer wieder Läufer an- alle müde, aber glücklich. Am Nachmittag werden ich und die Erst- und Zweitplatzierte (Barbara und Antonia) von einem einheimische Frauenmagazin interviewt. Sie wollen damit die marokkanischen Frauen ermutigen, sich mehr zuzutrauen und Neues auszuprobieren.

Abends um 19.30 Uhr- pünktlich zum Abendessen- kommt dann auch schon der Sieger des 105km- Laufs an. Wahnsinn, wie schnell er diese wirklich schwere Strecke gemeistert hat.

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Wir gehen alle früh ins Bett/Zelt, denn am nächsten Tag geht es schon direkt mit der zweiten Etappe weiter, noch einmal 26 km und 1400 Höhenmeter durch das Atlasgebirge. Ich freue mich sehr darauf, die Strecke soll noch schöner sein als die der heutigen Etappe. Die ganze Nacht lang hört man immer wieder, wie ankommende Läufer des 105km- Laufs begrüßt werden. Unglaublich, was die für einen Lauf hinter sich haben müssen, denke ich. Und bin gleichzeitig froh, mich für die Challenge entschieden zu haben. Mitten in der Nacht wollte ich nicht alleine und abgeschieden irgendwo im Gebirge herumlaufen.

Am nächsten Morgen geht es um neun Uhr los. Man kann diese Etappe als einzelnen Lauf absolvieren und so stehen einige Einheimische mit am Start. Und sie laufen los, als wäre es ein 10 km-Straßenlauf. Barbara, Antonia und ich beschließen, zusammen zu laufen und den heutigen Lauf zu genießen. Die Landschaft ist toll und auch heute treffen wir ausschließlich auf sehr nette, offene Einheimische, die uns immer wieder anfeuern. Meinen Beinen geht es erstaunlich gut und so laufen wir drei zusammen bis zu ersten und einzigen Verpflegungsstelle der Etappe. Von da an werden Antonia und Barbara plötzlich schneller und wollen doch noch einmal um die Gesamtplatzierung kämpfen. Ich halte mich also alleine weiterhin an die Abmachung und genieße den Lauf in einem für mich angenehmen Tempo und halte auch immer wieder für Fotos an. Und so komme ich wieder als Drittplatzierte sehr zufrieden und glücklich ins Ziel. Die Etappe war wirklich atemberaubend schön und ich bin wirklich sehr zufrieden und glücklich. Am Abend findet die Siegerehrung statt und anschließend gibt es ein schönes Abschlussabendessen.

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Ich kann jedem nur empfehlen, diesen Lauf einmal mitzuerleben. Für 350 Euro bekommt man hier viel geboten: Shuttleservice vom/zum Flughafen, gute Verpflegung am Morgen und Abend, und vor allem tolle Läufe in einer so besonderen und einzigartigen Landschaft. Die Zelte sind ausreichend bequem (ein warmer Schlafsack ist sehr zu empfehlen, die Nächte sind kalt), man kann sich aber auch für einen Aufpreis in einer Art Jugendherberge im Dorf einquartieren. Kleiner Kritikpunkt sind die Markierungen, diese sind durchaus verbesserungsfähig. Es haben sich viele Teilnehmer verlaufen, aber daran soll für das nächste Jahr gearbeitet werden. Inshallah.

Für mich war die “Challenge” Challenge genug. Gerade wenn man zum ersten Mal in einem so hoch gelegenem und felsigem Gebirge unterwegs ist, sollte man die Beschaffenheit der Strecke und die Höhe nicht unterschätzen. Die 105 km sind nicht zu vergleichen mit 100 km-Läufen in den Alpen (siehe dazu Holgers Bericht aus dem letzten Jahr).

Ich persönlich würde wahrscheinlich noch 2 -3 Tage früher anreisen zwecks Akklimatisierung. Außerdem haben wir noch 2 Tage in Marrakech angeschlossen, auch das kann ich empfehlen, die Stadt ist sehens- und erlebenswert. Gerade nach vier ruhigen, abgeschiedenen Tagen wird man geradezu überrollt von dem Trubel der Stadt.

2017-03-24T07:28:49+00:00