32. Memorial Jozefa Psotku 2016

Memorial Jozefa Psotku 2016Trailläufer, die den Toten gedenken
von Daniel und Katarina

Während sich Trailläufer bei Wettbewerben in den Alpen gegenseitig auf den Hacken stehen, bietet die Slowakei dagegen viel Trail-Neuland. Der Memorial Jozefa Psotku ist selbst für Slowaken ein kleiner Geheimtipp. Höchste Zeit für Katarina und Daniel, vorbeizuschauen und das Trailevent auf Herz und Höhenprofil zu testen.

Heute kehren alle Läufer unversehrt vom Berg zurück. Da bereits Mitte Oktober der erste Schnee die Gipfel bedeckt, wird der Extremlauf kurzfristig nicht über den Gebirgszug geführt. Nach und nach laufen die Finisher zum roten aufblasbaren Zieltor auf der Wiese eines Sporthotels. Das Hotel ist die diesjährige Gedenkstätte, an der sich 236 Trailrunner zum Memoriál Jozefa Psotku versammeln.  Der Crosslauf, der bereits zum 32. Mal von slowakischen Bergvereinen und Bergrettern veranstaltet wird, erinnert an den tödlich verunglückten Bergsteiger Jozefa Psotka. Er starb 1984 beim Abstieg vom Südsattel des Mount Everest. Seitdem findet ihm zu Ehren und zu Ehren vieler anderer verunglückter Bergsteiger, der jährliche Crosslauf Memoriál Jozefa Psotku statt.

Memorial Jozefa Psotku 2016Der Ort der Gedenkfeier ist Tatranská Lomnica. Er liegt am Fuß des 2642 m hohen Bergs Lomnický Stit, einem der größten Berge der Hohen Tatra. Die Hohe Tatra ist der höchste Teil der Karpaten und gehört zu zwei Dritteln zur Slowakei, das nördliche Drittel zu Polen, das in Zakopane den Skisprung-Weltcup ausrichtet. Sie ist Nationalpark und Biosphärenreservat der Unesco. Die Hohe Tatra bietet ein alpenähnliches Panorama mit Hochgebirge. Sie wird oft als das flächenmäßig „kleinste Hochgebirge der Welt“ bezeichnet. Der Hauptkamm der Hohen Tatra ist „nur“ 27 km lang und hat dennoch mehr als 20 Gipfel, die die Grenze von 2500 m überschreiten.

Heute feiern wir unsere Premiere. Wir sind zwar schon häufiger in der Hohen Tatra gewandert und Ski gefahren, aber wir haben keine Erfahrung wie slowakischen Trail-Events ablaufen und sich anfühlen. Harte Barfuß-Laufschule oder großzügig gedämpftes Laufen mit viel Sprengung? Die beheizte Tennishalle des Sporthotels wärmt uns an diesem kalten Vormittag. Wir spüren Wohlfühl-Atmosphäre: Der Rundbogen des Dachs umspannt die Fläche von zwei Tennisfeldern. Die Netze sind heute abgebaut und der Boden mit Teppich ausgelegt. Die beiden Seiten der Halle sind verglast. Die westliche Seitenfront ermöglicht den Gästen des angrenzenden Restaurants und der darüber liegenden Logen freie Sicht auf die Tenniscourts. Allerdings stehen dort heute mehr als 200 Trailrunner aus der Slowakei, Polen und Tschechien sowie ich als einziger Deutscher, die sich voller Vorfreunde und Erwartung  vorbereiten. Nach kurzer Ansprache des Veranstalters und einer Gedenkminute werden wir auf der Wiese am Start-/Zieltor erwartet. Wir nehmen zusammen mit 69 weiteren Läufern den Basic-Lauf mit 19 km und 900 Höhenmetern unter die Schuhsohlen. Den Extrem-Lauf mit 36 km und 2000 Höhenmetern wählen 165 Teilnehmer.

Memorial Jozefa Psotku 2016

Die ersten sieben Kilometer sind für beide Laufgruppen identisch. Zuerst führen Feldwege mit vereinzelten Steinen und vom Regen ausgewaschenen Rinnen zum Wald. Dort beginnt der Trail. Der Waldboden ist vom Regen der letzten Tage leicht aufgeweicht. Wir steigen auf dem teils steinigen und verwurzelten Trail sowie über eine Holzbrücke mit Aussicht auf einen Wasserfall von etwa 900 m auf 1300 m auf. Die Waldgrenze liegt bei etwa 1500 m. Auf einem breiten Überführungsweg zur Verpflegungsstation an der Rainer Hütte treten wir auf das Gaspedal. Tee und Obst füllen unsere Energiespeicher.

Die Extrem-Läufer laufen wegen des Schnees auf den Gipfeln jeweils als Pendelstrecke in zwei Täler und absolvieren die Gipfelanstiege trotz Steigeisen-Pflicht des Veranstalters nur soweit wie es die Schneeverhältnisse zulassen. Der Trail führt für uns Basic-Läufer weiter auf der Südseite der Hohen Tatra und biegt wenig später steil hangabwärts ab. Der Downhill ist für Freunde des Flow-Trails wie geschaffen. Allerdings zieht sich der anschließende Aufstieg zurück zur Verpflegungsstation auf einem geschotterten Forstweg. Inzwischen rinnt uns der Schweiß aus allen Poren, da die Sonne nun mit 16 Grad deutlich an Kraft gewonnen hat und die gelbbraunen Blätter der Bäume zum Leuchten bringt: Golden Summer in der Hohen Tatra. Zum Start-/Zieltor führt derselbe Trail wie beim Aufstieg. Hier ist nun bei den teils steinigen und verwurzelten Passagen technisches Laufen angesagt.

Memorial Jozefa Psotku 2016Zurück in der Tennishalle wird uns erschöpften, aber glücklichen Läufern nach Wunsch Reisrisotto oder Gullaschsuppe serviert. Diniert wird an runden Gala-Tischen mit herrlich weichen Stühlen und wir ziehen unser Fazit: Für nur 20 Euro Anmeldegebühr pro Person bekommen wir ein top-organisiertes Trailevent, das trotz der beachtlichen Historie von 32 Jahren mit fast familiärer Atmosphäre glänzt. Kleiner Haken: Die Webseite des Veranstalters ist nur in slowakischer Sprache und bedient damit neben den einheimischen Läufern nur die die sprachverwandten Polen und Tschechen. Aber das kann sich mit zunehmender Internationalität ändern. Die traditionelle Pasta-Party hat sich auch noch nicht bis in die Hohe Tatra herumgesprochen. Aber das slowakische Nationalgericht Bryndzové halušky (Brimsennocken) ist die Alternative: Proteinreiche Schafskäsesauce auf kohlenhydrathaltige Spätzle mit Frühlingszwiebeln und gebratenem Speck. Liebe Trailrunner, schaut also nicht nur auf die heimischen Trails. Auch die Gebirge östlich der Alpen wollen erlaufen werden. Wir kommen auf jeden Fall wieder. Video und Fotogalerie zum Memorial Jozefa Psotku 2016 findet Ihr auch unter http://psotkovmemorial.sk/

hohe-tatra

2017-03-24T07:27:35+00:00