Trail delle Orchidee 2016

Das war in meinen Augen das bisher schönste und anstrengendste Trail-Event, das ich gelaufen bin. Mördersteil, mega Aussichten und so tolle Trails von schwierig bis lieblich – einfach wunderschön abwechslungsreich. Für die 48 € Startgebühr bekommt man eine perfekte Organisation, eine La Sportiva Weste als Finishergeschenk und ein handbemalte Medaille. Einziges Manko war für mich die Verpflegung und da nehme ich beim nächsten Mal einfach einen Riegel mehr mit. Getränkeauswahl war gut: Wasser/ Iso/ Cola.

Trail delle OrchideeSteil, steiler, Trail delle Orchidee
Text: Lena Schindler
Fotos:  Alice Coradazzi und Flavio Ornella (offiziellen Fotografen des Trail delle Orchidee)

Gelandet bin ich beim “Trail delle Orchidee” durch reinen Zufall – ein glücklicher, wie sich später herausstellen sollte. Ich suchte eigentlich nach einem neuen Ultratrail in den Sommerferien, der nicht zu weit war, da dies der erste Ultra meines Mannes hätte werden sollen (Er startete verletzungsbedingt dann leider nicht). Höhenmeter spielen im Grunde nur eine nebensächliche Rolle, nur zu wenig sollten es nicht sein. So erschien dieses Event, das 2015 das erste Mal durchgeführt wurde, mit seinen 46 km und 3000 Hm genau richtig für uns. Die Anfahrt von 3 Stunden bis nach Ampezzo (Südliche Karnische Alpen) war auch gut machbar und schnell war entschieden:da fahren wir hin und schauen uns das an.

Der Lauf fand an einem Sonntag (31.07.16) statt, damit es nicht stressig werden würde, reisten wir bereits am Samstag an. Ganz entspannt konnte ich meine Startunterlagen holen und ging am Abend noch zum Racebriefing. Für die 3 (!!!) Starter, die kein Italienisch konnten, übersetzte eine Dame alle wichtigen Infos. Danach ging es früh ins Bett. Ich war leider noch ziemlich müde von der anstrengenden letzten Schulwoche und hoffte auf einen guten Schlaf.

Trail delle OrchideeOrganisatorisch war wirklich an alles gedacht. Man konnte in der örtlichen Turnhalle übernachten (wir im Auto davor, da der Hund mit an Bord war) und am Renntag war in ein Frühstück organisiert. Am Morgen brachte ein Shuttlebus alle Läufer ohne eigenes Auto zum Start hinauf nach “Passo Pura”. Mich begleitete mein Mann und so blieb mir die Busfahrt erspart. Hier sollte auch das Ziel sein, da es sich bei der langen Distanz (gibt auch eine 22-km-Variante) um einen Rundkurs um den See “Lago di Sauris” handelt.

Um 7.00 Uhr ging es los und das Feld legte gleich ein recht zügiges Tempo vor. Ich hatte mir vorgenommen, auf jeden Fall unter der 8-Stunden-Marke zu bleiben und so trödelte ich nicht, sondern lief mit. Leider hatte sich meine Müdigkeit über Nacht nicht gelegt und ich befürchtete, dass das heute anstrengend werden würde. Nach einem kurzen Forstweg-Stück bogen wir recht bald in einen schmalen, schönen Trail ein. Hier war dann schon nicht mehr an Laufen zu denken und ich wechselte in den “Speedhiking”-Modus. Wunderschön ging es hinauf und als man ab einer gewissen Höhe dann rund herum die vielen Berge (Dolomiten…) sah, kam ich aus dem Schauen und Staunen gar nicht mehr heraus. Der Pfad war schmal, aber gut machbar. Nach ca. 600 Hm erreichte man den “Passo Zauf” und hier bog die Läuferschar rechts in den ersten Downhill ein. Der Weg führte über Felsen und Wurzeln zwischen Blumenwiesen nach unten – solche Wege hatte ich in einem Rennen noch nie laufen können – einfach genial.

Trail delle OrchideeAn der “Casera Giaveada” gab es die erste Verpflegung und ich nahm mir einen Keks (gab irgendwie auch nichts, was mich ansprach) mit und füllte einmal meinen Becher. Da ich schon sah, dass es erstmal bergauf geht, wollte ich nicht lange stehen bleiben. Und es ging bergauf… Erst gemächlich und über ähnlich schöne Blumenwiesen wie noch gerade im Downhill bewundert, dann jedoch bäumte sich quasi eine Wand vor einem auf. Ich sah anfangs nicht genau, wo der Aufstieg endete. Im gefühlten Schneckentempo schraubten sich die Läufer nach oben, so langsam kam ich mir vor und trotzdem überholte keiner, es war einfach zu steil….da war jeder Skipisten-Uphill ein Witz dagegen und ich war noch nie so froh über meine Stöcke wie hier. An einer Scharte erwartete uns ein Bergretter, der scheinbar große Freude daran hatte, vor allem die Damen anzufeuern. Generell waren alle Helfer auf der Strecke superfreundlich und sehr motivierend (außer “Forza”, “Brava”… verstand ich auch leider nichts).

Jetzt ging es etwas flacher dahin und ich konnte endlich auch wieder laufen. Schnell sammelte ich ein paar Leute ein, bevor ich mich in den zweiten Teil des Anstieges auf den “Clap Savon” machte. Auch hier war es wieder megasteil, es kam dann leider auch noch Geröll hinzu und ich dachte mir zwischendurch: “Da kommst du nie oben an!”. Zum Glück war dem nicht so und man kam an einer weiteren Scharte heraus, von der aus es über einen Gratrücken zum Gipfel hinauf ging. Hier war es stellenweise sehr ausgesetzt und schwierig, so dass die Bergretter vorsichtshalber Seile gespannt hatten, die man zur Unterstützung benutzen konnte. Auch hier gab es Anfeuerungen und nette Worte aus allen Richtungen. Einer der schönsten Momente des Rennens aber kam erst: oben am Gipfel des “Clap Savon” steht eine Glocke, die man läutet, wenn man ankommt. Also hab ich kurz den tollen Rundumblick genossen und dann auch das Zeremoniell befolgt – soviel Zeit muss sein. Ich war jetzt bei Kilometer 13 und hatte bereits mehr als die Hälfte aller Höhenmeter gemacht, das spürte ich auch bereits und musste Energie in Form von Gummibärchen nachlegen. Bergab ging es erstmal über einen sehr gerölligen Weg. Sowas mag ich total und ich legte eine kleine “Surfpartie” ein. Danach ging es über einen etwas erdigen (leider auch schlammig vom Regen der Vornacht) Pfad weiter zur “Casera Chiansaveit”- hier gab es wieder Verpflegung. Leider fand ich auch hier wieder nicht so wirklich was zu essen (es gab Kekse, Reiswaffeln, Äpfel, Nüsse) und so wurde es wieder ein Keks und ich griff erneut auf meine Gummibärchen zurück.

Trail delle OrchideeDie Trinkblase füllte ich noch auf und lief dann auch gleich weiter. Die nächste Verpflegung sollte in ca. 10 Kilometern warten. Das Gelände war nun deutlich laufbarer. Über Karrenwege und ein kurzes Stück Asphalt wechselte man die See-Seite. Hier ging es links wieder weg von der Straße in kleine, schöne Trails. Seit einiger Zeit war ich allein unterwegs und sah auch niemanden direkt vor und hinter mir. Nachdem es gemächlicher, aber doch stetig bergauf ging, machte man nun endlich auch ein paar Kilometer. Zwischendurch war ich beim Blick auf die Uhr schon etwas schockiert, da alles länger dauerte als geplant.Schneller ging aber auch nicht. Ich pausierte nicht und ratschen ging auch nicht (alle Versuche mit Läufern ins Gespräch zu kommen, scheiterten an meinen fehlenden Italienischkenntnissen und deren nicht vorhandenem Englisch). Der nun viel “lieblichere” Pfad durch Wiesen und Felder hinauf auf den “Monte Pieltinis” war toll zu laufen und so näherte ich mich dem Ziel. Die Verpflegungsstation bot wieder Kekse etc. und ich trank nur kurz Iso und lief weiter. Ich hatte genügend zu essen dabei und walkte weiter hinauf. Der Ausblick auf dem Gipfel war wieder gigantisch. Hier war eine Tafel aufgestellt, die die umliegenden Berge erklärte – ich nahm mir eine halbe Minute, um das zu genießen. Einfach wunderschön. Ebenso war der kommende Downhill hinunter. Wiesenpfade, wie man sie sich nicht schöner vorstellen könnte, super laufbar und ich kam gut ins Rollen.

Trail delle OrchideeNun sollte es mit zwei Mini-Gegenanstiegen bis ganz nach unten an den See gehen. Der letzte dieser beiden Anstiege war für mich nach dem langen, tollen Downhill echt richtig fies, zudem war das eine Forststraße. Langsam merkte ich, dass mir auch nicht mehr so wohl war. Die vielen Gummibärchen (hatte mittlerweile eine ganze Tüte mit 5 Stück verputzt) hatten sich wohl auf den Magen geschlagen, aber leider gab die VP für mich nicht so richtig was her. Ich wusste aber, es ist nicht mehr weit. Noch ca 10 Kilometer waren zu laufen. 4 bergab und dann nochmal die letzten 6 Kilometer mit 600 Höhenmeter hinauf zum Ziel. Glücklicherweise endete auch der fiese Gegenanstieg und ich konnte den finalen Downhill an den See in Angriff nehmen. Hier hinunter gab es nochmal coole Wurzeltrails und schöne Wiesen zu queren. Am See galt es nun einen flachen Kilometer auf der Seepromenade zu laufen, bevor die letzte Verpflegung an Kilometer 40 wartete. Hier musste ich mich schon zum Laufen zwingen, da irgendwie gar nichts mehr ging. Der Blick auf die Uhr sagte jedoch, dass ich für den letzten Anstieg noch eine ganze Stunde Zeit habe, um unter 8 Stunden ins Ziel zu kommen. So war ich voll im Plan. Ich nahm mein Notfallgel (Mag ich gar nicht, vertrage ich aber gut) an der letzten Station und wanderte direkt nach einem Becher Iso weiter. Es wollte leider nicht wirken. Der Weg war wieder ein schöner, kleiner Wanderweg, der nicht mehr all zu steil war, an Laufen war trotzdem nicht zu denken. Hier musste ich mich leider von zwei Läufern und einer Läuferin überholen lassen, aber ich konnte nicht folgen.

Erst als eine am Rand stehende Zuschauerin sagte, es seien noch 2 Kilometer, fasste ich wieder Mut. Ich hatte nicht mehr so das Gefühl, wie weit es noch ist, da die Angaben des Profils nicht mit meinen Daten auf der Uhr (hatte wie viele andere am Ende 48 km drauf) übereinstimmten. Für diese Strecke hatte ich noch gute 15 Minuten und ich beeilte mich, so gut es ging. Seit ca. einer Viertelstunde hatte es begonnen zu regnen, besser gesagt, es kübelte aus Eimern. Ich wollte aber nicht mehr anhalten und die Jacke anziehen, kalt war es ohnehin nicht. Wie aus dem Nichts hörte ich plötzlich die Musik und die Trail delle OrchideeModeration und wusste, dass es nun nicht mehr weit sein kann. Und schon endete der Pfad quasi auf der Hauptstraße und man lief die letzten 50 m die Zielgerade hinein ins Ziel am “Passo Pura”. Völlig platt und durchnässt nahm ich die Finishermedaille in Empfang und freute mich, dass das Ziel, die Strecke unter 8 Stunden zu laufen geklappt hatte – trotz flauem Magen.

An dem Tag ging außer Duschen und Schlafen quasi nichts mehr- so fertig war ich noch nie…

Fazit: Das war in meinen Augen das bisher schönste und anstrengendste Trail-Event, das ich gelaufen bin. Mördersteil, mega Aussichten und so tolle Trails von schwierig bis lieblich – einfach wunderschön abwechslungsreich. Für die 48 € Startgebühr bekommt man eine perfekte Organisation, eine La Sportiva Weste als Finishergeschenk und ein handbemalte Medaille. Einziges Manko war für mich die Verpflegung und da nehme ich beim nächsten Mal einfach einen Riegel mehr mit. Getränkeauswahl war gut: Wasser/ Iso/ Cola.

Wer Höhenmeter mag, sollte da unbedingt hinfahren – so toll!! Ich komme wieder – da war noch Luft!

2017-03-24T07:27:45+00:00